Teneriffa 2011

Da zuerst ich im Mai und dann Ulrike im August den Arbeitgeber gewechselt hatte, gab es diesen Sommer keinen richtigen Jahresurlaub für uns. Das musste natürlich gegen Ende der Probezeiten dringend nachgeholt werden, auch wenn das bedeutete, ein entfernteres Reiseziel anzusteuern, wo man auch im Winter noch günstige Bedingungen vorfinden kann, um Motorrad zu fahren. Mehrere Bekannte von uns hatten uns von Weihnachtsurlauben auf Teneriffa mit Mietmotorrädern vorgeschwärmt, und wir beschlossen, das auch mal so zu probieren.

Als Motorradvermieter wurde uns die Firma Teneriffa on Bike aus dem Harz empfohlen, bei welcher man nicht nur deutsche (BMW-)Motorräder mieten, sondern auch das Hotel buchen kann, es standen da drei zur Auswahl. Allerdings erfuhr ich dann, dass im günstigsten der drei Hotels, dem Jardin Caleta, schon nichts mehr frei sei. Da habe ich mich dann doch mal in der Mittagspause in ein Reisebüro begeben und konnte erfreut feststellen, dass dies im Rahmen einer Pauschalreise incl. Flug (und den musste ich ja sowieso auch noch organisieren) sehr wohl noch möglich war. Als Fahrzeuge konnten wir wie geplant eine tiefergelegte BMW G 650 GS für Ulrike sowie eine BMW F 800 GS für mich bekommen.

Sprachlich fühlten wir uns diesmal etwas besser gerüstet als für die vorhergegangenen Italienreisen, denn wir hatten beide mal Spanisch gelernt. Das war allerdings jeweils rund 25 Jahre her. Also fingen wir im Vorfeld an, das Wissen wieder aufzufrischen. Dabei musste ich allerdings feststellen, dass man immer wieder durcheinanderkommt, wenn man gleichzeitig dabei ist, regulär Italienisch zu lernen. Die beiden Sprachen sind sich, insbesondere bei den Zahlen, doch zu ähnlich. Aber irgendwie sind wir natürlich doch klargekommen.

Wir wurden von unseren Bekannten reichlich mit Tourdateien für unser Navi eingedeckt, das wir samt Halter einpackten, die Motorräder sollten mit Kugelköpfen zur Befestigung ausgestattet sein. Der kleine Eee PC kam auch wieder mit zum Transfer der Tourdateien auf den Tomtom, und der überwiegende Teil dieses Textes konnte somit auch wieder vor Ort abends gleich geschrieben werden.

Do, 15.12.2011

Die Abflugzeit um 600 Uhr morgens verhieß ultrafrühes Weckerklingeln noch vor drei. Aber da wir schon ab Montag bzw. Dienstag Urlaub hatten, konnten wir alles in Ruhe vorbereiten. Das Taxi kam pünktlich, und der Fahrer erzählte uns, nachdem er unsere Lederjacken und Helme gesehen und den Grund dafür erfahren hatte, die üblichen Geschichten von Leuten, die sich totgefahren haben (in diesem Fall mit 100 km/h in Hamburg St. Pauli!) und Frauen, die ihre Männer nur heirateten, wenn sie zuvor das Motorradfahren aufgaben. Geschichten eben, die Menschen von sich geben, die dem Motorradfahren sehr fern stehen. Auch die Flüge (auf dem Hinweg mussten wir in Nürnberg umsteigen) gingen problemlos von statten. Lediglich bekam ich beim Landeanflug auf Teneriffa starke Ohrenschmerzen, vermutlich weil ich noch eine Erkältung von letztem Wochenende mit mir herumtrug.

Der erste Eindruck von der Insel aus der Luft wirkte ernüchternd. Die Berge schienen total kahl und öde zu sein. Es sah aus wie eine Felswüste. Aber davon wollten wir uns natürlich nicht abschrecken lassen, und außerdem war der Himmel blau und es herrschten durchaus sommerliche Temperaturen. Während des Bustransfers zum Hotel (ein Vorteil einer Pauschalreise) sahen wir schon, dass zwischendurch auch mal Kakteen wuchsen, aber nur äußerst spärlich. Und das, was für mich aus der Luft zuerst aussah wie riesige Fabrikgebäude ohne Farbe und Fenster, waren landwirtschaftlich genutzte Flächen, die allseitig mit grauen Netzen bespannt waren. Was uns auch noch auffiel, war, dass es die Schilder "Haus/Grundstück zu verkaufen" nicht nur in spanischer und teilweise deutscher, sondern einmal auch in russischer Sprache gab.

Im Hotel angekommen stellte ich fest, dass ich trotz des Versuches der perfekten Vorbereitung glatt vergessen hatte, das Winterfutter aus der Jacke herauszunehmen. Aber irgendetwas geht natürlich immer daneben, und dies ließ sich ja auch ganz leicht korrigieren. Dann wurde erstmal die Location erkundet, eine ziemlich große Hotelanlage mit Pool in der Mitte.

Am Nachmittag wurde wir abgeholt von dem Mitarbeiter von Teneriffa-on-Bike, der sich als Willi vorstellte. Ich sagte: "Ah, der Mann, den wir von Eta und Herbert grüßen sollen." Er erwiderte: "Ach, noch zwei solche Leute." Und es ist gut möglich, dass er uns tatsächlich als etwas außergewöhnliche Leute in Erinnerung behalten wird. Denn zunächst wunderte er sich über unsere Lederkleidung (er fragte uns, ob wir etwa Harleyfahrer seien) und schien unsere Erklärung, wir wollten vermeiden, erst viel Geld für GoreTex auszugeben und trotzdem Gefahr zu laufen, die Sachen mehrmals umtauschen zu müssen, bevor sie (eine Weile lang) wirklich wasserdicht sind, wohl etwas merkwürdig zu finden. Dann kannte er zwar selbstfahrende Frauen, aber anscheinend noch keine selbst vornewegfahrenden Frauen. Wir jedoch wollten an beiden Maschinen einen Kugelknopf haben, damit wir unser mitgebrachtes Navi samt Halter wahlweise umbauen und uns somit mit dem Vorwegfahren abwechseln konnten. Das bekamen wir dann natürlich auch.

Nachdem der ganze Papierkram erledigt war, nahm er uns in seinem Auto mit nach Los Cristianos, wo in der Tiefgarage des Hotels Jacaranda die Maschinen standen. Wir bekamen unsere bestellten Maschinen, wobei bei meiner zwar der Vorderreifen nagelneu, der Hinterreifen dagegen kurz vor dem Ende seiner Lebensdauer war. Zu den Motorrädern gab es jeweils einen Tankrucksack, und wir bekamen auch noch ein Schloss mit Zahlenkombination mit, mit dem wir nachts die Motorräder aneinander oder unterwegs die Helme am Gepäckträger anschließen konnten. Dann konnten wir losdüsen. Da es aber sehr bald dunkel werden sollte, fuhren wir auf kurzem Wege wieder zurück zu unserem Hotel.

Mein erster Eindruck der BMW auf der kurzen Strecke: Zorniger Sound aus dem Auspuff, mit breitem Lenker leicht zu handhaben, schöne Gewichtsverteilung, ich konnte damit auf Anhieb bei ganz langsamem Tempo balanciert rollen. Aber warum zum Teufel muss BMW unbedingt ein eigenes Blinkerbedienungskonzept benutzen und kann die Schalter nicht anordnen wie alle anderen Hersteller auch? An unserem Hotel angekommen, meinte Ulrike: "Jetzt weiss ich, was du meintest von wegen Specht!" Das ging zurück auf einen Urlaub im Jahr 2005, wo ich mir in Bad Rodach ein Eisenteil in den Hinterreifen meiner XJ 900 gefahren hatte. Der äußerst hilfsbereite Wirt unseres Hotels dort vermittelte mir eine BMW-Werkstatt in Coburg, die aber den Pneu für die Yamaha erst bestellen musste. In der Zwischenzeit wollte ich aber natürlich auch fahren und bekam für zwei Tage die einzige Leihmaschine, die verfügbar war - eine F 650 Scarver, gedrosselt auf sagenhafte 34 PS. Mit dem Ding wurde ich, obwohl man damit selbstverständlich auch irgendwie fahren konnte, nicht wirklich glücklich, taufte es jedenfalls aufgrund des klopfenden Einzylinder-Motors auf den Namen "der Specht".

Zum Abendessen gab es in einer großen Halle ein umfangreiches Buffet. Die Speisen waren zwar keine kulinarischen Offenbarungen, aber durchaus zufriedenstellend. Lediglich das, was aussah wie Mousse (nicht au chocolat, sondern eher au caramel bzw. à la fraise), enttäuschte durch ziemliche Geschmacklosigkeit. Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang in den Ort (Mitte Dezember im T-Shirt!) und genossen das Spiel der Wellen zwischen den Felsen in der Bucht ("Hafen" konnte man das nicht wirklich nennen).

km 22245 - Tagesstrecke 3 km

Fr, 16.12.2011

Schon wieder etwas zu früh ging der Wecker heute morgen, diesmal aber, weil Ulrike nicht daran gedacht hatte, ihr Handy auf kanarische Zeit umzustellen. Aber dabei handelte es sich auch nur um eine Stunde, und so kamen wir immerhin in den Genuss eines schönen Sonnenaufganges, der die kahlen Berge in ein warmes Licht tauchte.

Auch zum Frühstück gab es ein sehr umfangreiches Buffet, das neben Spiegel- und Rührei auch sehr leckere Crèpes bot. Wir konnten bei dem schönen Wetter auch draußen sitzen. Hier lief eine relativ junge, pechschwarze Katze unter den Tischen herum, war aber viel zu scheu, um sich anfassen zu lassen. Und gefüttert haben wir sie natürlich nicht, denn erstens sah sie hinreichend genährt aus, und zweitens gab es hier auch manchmal Tauben, an denen sie sich gerne selber bedienen durfte.

Es folgte ein ausgiebiger Gang am Strand entlang, bevor wir am Mittag in einem anderen Hotel unsere Reiseleitung (es war ja eine Pauschalreise) treffen sollten. Wir fanden es fair, uns wenigstens einmal kurz blicken zu lassen, und vielleicht konnten wir ja noch nützliche Informationen abstauben. In der Hinsicht wurden wir allerdings enttäuscht. Lustig fanden wir jedoch, dass unsere Reiseleiterin, die sagte, sie führe selbst Motorrad, meinte, oben in den Bergen würde man aufgrund der Höhe mit luftgekühlten Motoren Schwierigkeiten bekommen, mit wassergekühlten jedoch weniger.

kärgliche Landschaft auf halber Höhe Am Nachmittag galt es nun, sich auf einer ersten kleinen Runde mit den Maschinen vertraut zu machen. Ulrike fuhr vor, und das war auch gut so, kämpfte sie doch zuerst ziemlich mit ihrem Specht. Mehrfach würgte sie ihn beim Anfahren ab, und unterwegs hatte sie oft Sorge, dass ihr das in engen Kurven auch passieren könnte. "Ich muss mich da erst 'reinhören, bis wann das Gehacke normal ist und ab wann es bedeutet, dass er mir gleich ausgeht." Ich kam mit meiner 800er besser zurande, aber die hatte auch einen Topf mehr. Trotzdem meinte Ulrike, auch die würde sich irgendwie kaputt anhören. Mich störten eher Kleinigkeiten wie Plastikgeklapper von vorne (wozu müssen eigentlich alle BMWs diesen überflüssigen Schnabel haben?), ein keck hervorstehender Bremsflüssigkeitsbehälter, der am unteren Sichtfeldrand fröhlich vor sich hin wackelte (weil in Gummi "schwingungsfrei" aufgehängt, was bedeutete, der Lenker schwang nicht, nur der Behälter), die unbequeme Sitzbank (von der ich schon gehört hatte, dass sie als nicht langstreckentauglich gilt), und dass ich mir diese BMW-Blinker bei jedem Rangieren am Tankrucksack einschaltete.

der Teide mit der Stelle des letzten Ausbruches Aber ich will nicht ungerecht sein, das Fahren machte Spaß. Wir fuhren von uns aus grob Richtung Norden, mit einem Abstecher auf ganz kleiner Straße nach Taucho, wo wir unsere Rangierproben machen mussten, weil der Tomtom die Straßen dort nicht mehr kannte. Dann ging es weiter nach Chio und im Bogen hoch in den Nationalpark westlich vom Teide. Und hier gab es ab einer bestimmten Höhe tatsächlich schöne Kiefernwälder, die zwar natürlich nicht mit unseren nordischen Wäldern vergleichbar waren, da die Bäume nur recht vereinzelt zwischen Felsgestein wuchsen, aber sie erfreuten trotzdem das Auge. Und weiter oben machten wir auf einem Parkplatz Pause, von dem aus man einen sehr schönen Blick auf den Vulkan hatte inklusive der Stelle, wo vor ca. 200 Jahren der letzte Ausbruch stattgefunden hatte und das Gestein entsprechend dunkler war.

Der Rückweg führte wieder mit schönem Kiefernwald nach Vilaflor hinunter und weiter in die kargen Gegenden, und er verlief abgesehen davon, dass ich beim Abstieg wieder etwas viel Ohrendruck bekam, bis zum Hotel ohne besondere Vorkommnisse.

Aber beim Spaziergang nach dem Abendessen stürzte Ulrike einen Kantstein hinunter und hat sich dabei die Jeans zerrissen und das Knie aufgeschlagen. Mit der Pinzette von meinem Taschenmesser musste sie sich noch Steinchen und Baumwollfasern aus der Wunde pulen. Und den Rest des Urlaubs mit zerfetzter Hose verbringen (den meisten anderen Frauen wäre das sicher eine willkommene Gelegenheit gewesen, einen Shoppingtag einzulegen).

km 22381 - Tagesstrecke 136 km

Sa, 17.12.2011

hier wurde es schon freundlicher Heute sollte es bei unverändert blauem Himmel gleich nach dem Frühstück losgehen. Doch unsere Freude wurde gleich getrübt durch mehrere Streiche, die uns das Navi spielte. Zunächst hatte die Tour, die ich ausgewählt hatte, ihren ersten Wegpunkt ganz überflüssigerweise direkt vor dem Hotel. Da aber das Navi nach Verlassen der Garage erst ein paar hundert Meter brauchte, um sich zu finden, waren wir dann schon daran vorbei, und so hat uns das Gerät schön säuberlich einmal um den Block herum noch einmal am Eingang vorbeigeführt. Dann sagte die Sprachausgabe "Halten Sie sich rechts" als eigentlich links richtig gewesen wäre und ich der Sonne wegen auf dem Display gerade nichts erkennen konnte, und wir verpassten die richtige Autobahnauffahrt. Die richtige Abfahrt verpassten wir, weil die Spanier sie einen dreiviertel Kilometer vorverlegt hatten und ich dachte, das Gerät meinte die nächste Abfahrt. Nach Wendemanöver an der nun wirklich nächsten Abfahrt ging es durch San Isidro, dann halbhoch in die Berge und parallel zur Küste weiter Richtung Nordwesten. Diese Straße, die TF-28, empfanden wir als wenig ansprechend - karge Landschaft, wenige Kakteen zwischen vielen Felsen - und sehr windig war es hier außerdem. Die Straße zwischen Arico und Poris de Abona ist durch eine gut ausgebaute, aber eigentlich langweilige Strecke ersetzt worden, auf der uns der Wind schwer zu schaffen machte. Und der Blick auf das Meer unten hat nicht entschädigt, also wieder hoch. Der Abstecher nach El Bueno hoch war schon schöner, aber erst oberhalb des Ortes kamen wir in die schöne Kiefernwaldzone, und ganz schnell waren da alle weiteren Straßen gesperrt.

In Fasnia meldete der Specht Durst an. Eigentlich sah die Route hier wieder einen Schwenk zur Küste vor, aber der Abbiegepunkt führte in eine so enge Straße, dass ich dachte, das wäre eine navitypische Abkürzung über kleinste Gassen, und wir sind erstmal zur Tankstelle gefahren. Aber am Ende des Ortes wurde es doch langsam mal Zeit, abzubiegen. Doch auch hier führte mich das Navi nur auf ganz schmale Wege, auf denen ein Lieferwagen schon Probleme bekommen hätte. Bald hörte der Asphalt auf, und Ulrike bleib stehen. Ich fuhr alleine weiter, um zu gucken, ob das nur ein kurzes Stück war oder länger so blieb. Letzteres schien der Fall zu sein, und es ging zudem noch steil abwärts, aber an der Stelle konnte ich schon nicht mehr wenden und musste wohl oder übel hinunter durch recht tiefen Sand. Unten das Wenden dauerte eine Weile mit viel hin und her, dann war es aber geschafft, jetzt Gas und hoch!

Ich war halb oben, da tauchte oben Ulrike auf, es hatte ihr wohl zu lange gedauert. Und ich machte den Fehler, Gas wegzunehmen (aber was hätte ich tun sollen, da oben war nun eigentlich eh kein Platz mehr für mich) und blieb prompt stecken. Immerhin hatte sich dann das Hinterrad beim Versuch, wieder anzufahren, schnell soweit eingegraben, dass die Maschine nicht wieder rückwärts herunterrollte. So konnte ich absteigen und mich erstmal um Ulrike kümmern. Denn ihre Maschine musste dort eigentlich zuerst weg, ich hätte auf dem unebenen Boden schon äußerst exakt fahren müssen, um daran ohne Berührung vorbeizukommen. Da half alles nichts, Jacken ausgezogen (das Thermometer zeigte 25 °C) und schieben! Das schafften wir zusammen so gerade eben. Das würde mit der 800er nicht genauso gehen, zumal es unten noch deutlich steiler war als hier oben. Also versuchte ich es wieder mit Motorkraft. Aber die Maschine wollte nicht hoch, sondern nur hinunter, notfalls eben senkrecht, indem sie sich eingrub, auch mit bzw. wahrscheinlich gerade wegen der fast blanken Reifen. Da half wohl nur, erst einmal rückwärts wieder hinunter und noch einmal neu Anlauf nehmen. Auch das war alles andere als einfach. Zunächst merkte ich deutlich den Unterschied in der Sitzhöhe im Vergleich zu meiner CB, hier kam ich mit den Füßen eben längst nicht so komfortabel auf den Boden. Dann war die Vorderradbremse bei dem Gefälle absolut wirkungslos, der Eisenhaufen rutschte mit blockierendem Rad einfach weiter. Da ich aber beide Füße zum Abstützen brauchte, konnte ich die Maschine nur per Kupplung bremsen. Aber irgendwie kam ich tatsächlich heil unten an, ohne umzuwerfen. Dann (nach zugegeben kurzem Zögern) Gas und hoch, und auch das klappte diesmal. Wir löschten den Abstecher an's Meer und fuhren auf der Hauptroute weiter. Und ich werde nächstes Jahr einen Endurokurs machen.

Mondlandschaft im alten Krater Kurz vor Güímar wurde die Strecke endlich landschaftlich ansprechender, es ging jetzt in ein recht enges Tal an einer hohen Felswand entlang, rechts keine Leitplanke, sondern eine halbhohe weissgestrichene Betonmauer, auf die ein bedauernswerter Mensch die Worte "Vergib mir" und "gib mir noch eine Chance" geschrieben hatte. Hinter Güímar ging es dann richtig toll in schönen Schwüngen hinauf auf die Höhe der Wolken. An einem Aussichtspunkt machten wir Pause. Dort standen schon zwei Motorräder, deren Fahrer uns zuerst mit "Hola" und nach einem Blick auf die Kennzeichen mit "Moin moin" begrüßten. Sie hatten selbst spanische Nummern, sprachen aber mit deutlich süddeutschem Einschlag, nahmen erfreut unsere Zimtsterne an, die wir als Pausenkekse mithatten, und wir klönschnackten eine Weile. Währenddessen fuhren noch etliche Moppedfahrer den Berg hoch, aber heute war ja auch Sonnabend.

Oben angekommen waren wir dann sogar weit über den Wolken. Das war ein ganz tolles Bild. Wir bewegten uns fast auf dem Bergkamm entlang (nun wieder zurück nach Westen), und mal konnte man links, mal rechts die Hänge hinuntergucken, bis sie in einer schneeweissen und sonnenbestrahlten Wattefläche verschwanden. Die Landschaft auf der Strecke erinnerte etwas an Heide, es gab niedrige Büsche, und zwar grüne und gelbe immer hübsch abwechselnd (so schien es wenigstens). Später im alten Krater des Vulkans wechselte das etwas, es gab Abschnitte, die fast an Mondlandschaft erinnerten, teilweise glänzte das Lavagestein in der Sonne, das fanden wir alles äußerst schön. Schließlich kamen wir wieder auf unsere Strecke von gestern Nachmittag, aber ab Vilaflor bekam ich auch heute wieder Probleme mit dem Druckausgleich.

Wir waren gerade rechtzeitig fertig mit dem Abendessen und bereit zum Spaziergang, um draußen das Feuerwerk mitzubekommen, das sie drüben in Playa de las Américas machten. Sie schienen da allerdings ein kleines technisches Problem gehabt zu haben, denn nach den ersten drei oder vier Raketen gab es mehrere Minuten Pause, dass wir schon dachten, das ist jetzt das kürzeste Feuerwerk gewesen, das wir je erlebt haben.

km 22625 - Tagesstrecke 244 km

So, 18.12.2011

Für diesen Tag hatte Ulrike eine Tour mit etwas Kultur ausgewählt, die uns auch auf die Nordseite führen sollte. Den ersten Wegpunkt beim Hotel hatte sie gleich vorsorglich entfernt, aber auch sie ließ sich von dem "bleiben Sie rechts" unseres Tomtom verwirren. Und an der Autobahnabfahrt (einer anderen als gestern) brachte sie an einem zugegeben unübersichtlichen Kreisverkehr sich und in Folge auch mich mehrfach in brenzlige Situationen, die wohl nur deshalb gut ausgingen, weil wir auf den Motos so wendig und die Spanier in ihren Autos so ruhig und vorsichtig waren.

Diesmal ging es über Granadilla hoch nach Vilaflor. Die Straße dazwischen hat uns gut gefallen, auch wenn wir zeitweise hinter ziemlich langsamen PKWs herzockeln mussten.

Weiter ging es auf bekannter Strecke durch den Nadelwald und in den Park des Vulkans, diesmal entgegengesetzt zur gestrigen Fahrtrichtung. Auf einer Informationstafel an einem Pausen- und Aussichtspunkt wurden wir darüber informiert, dass es zwei Sorten Lavagestein gibt, total scharfkantiges und welches mit glatter Oberfläche. Beide tragen Bezeichnungen aus der hawaiianischen Sprache, die eine bedeutet "aua", die andere "Kann man barfuß drauf laufen".

Am Ende des Kraters bogen wir nun nicht auf die Kammstraße von neulich, sondern weiter geradeaus bis hinunter nach La Esperanza. Das ging hier nun tatsächlich durch grünen Wald in schönen Schwüngen, allerdings auch mitten durch die Wolken, die wir neulich von der Kammstraße aus noch so schön von oben bewundert hatten, und das wurde reichlich feucht und kalt. Zum Glück war mein Vogel mit Heizgriffen ausgestattet, und die brauchte ich jetzt auch.

Analog zu Ulrikes Specht hatte ich mein Moped inzwischen "den Raben" getauft, weniger der Farbe (er war zwar überwiegend schwarz, sollte aber wohl eigentlich als rot gelten) als vielmehr der rauhen Stimme wegen. Vögel waren sie beide, hatten einen Schnabel und flogen mit uns über die Berge, und weiblich und somit liebenswert waren sie beide eher nicht.

einer der berühmten Balkone in La Orotava In La Orotava musste natürlich ein Halt gemacht werden, um die berühmten, kunstvoll aus Holz gezimmerten Balkone zu betrachten, die es zwar auch in anderen Orten gibt, aber hier am meisten. Dafür gab es hier in den Häusern auch gleich die zugehörigen Souvenirgeschäfte, wo man unter anderem auch tolle Stoffe und Tischdecken kaufen konnte. Von einem Platz aus konnte man auf den Friedhof hinuntergucken, der größtenteils aus steinernen Schränken mit Fächern für die Urnen bestand, wie wir dies auch schon in Italien gesehen haben. Auf der anderen Seite gab es das alte Hospital mit antiker "Babyklappe", einer drehbaren Wiege in der hölzernen Eingangstür, in der man schon in alten Zeiten anonym Neugeborene ablegen konnte.

In Icod de los Vinos war sodann der älteste Drachenbaum der Insel zu besichtigen. Man hatte extra einen Park drumherum angelegt, und der Besuch kostete Eintritt, aber auch vom Kirchplatz aus konnte man ihn gut sehen. Die Route dazwischen führte jedoch fast ausschließlich durch Ortschaften, die nur anfangs noch einen gewissen Reiz als typisch tenerifenisch hatten. Es war auch allerhand los hier. Auf einem Abschnitt wurden uns aus dem Gegenverkehr heraus jede Menge Warnungen zuteil. Das ging ein ganzes Stück lang so, bis wir an eine Stelle kamen, wo die Polizisten neben ihren Wagen am Straßenrand standen und sich mit Leuten unterhielten, möglicherweise einen Unfall aufgenommen hatten. Das hatte ich auch schon oft in Frankreich so erlebt, dass man kilometerweit vorher angeblinkt wurde, nur weil irgendwo auf einem Parkplatz zwei Polizisten standen und in ihr Frühstücksbrötchen bissen. Mir scheint, in diesen Ländern wird der Polizei auch nicht der geringste Erfolg in der Aufrechterhaltung der Straßenverkehrsordnung gegönnt und der deutsche Gedanke "diesen Raser sollen sie ruhig mal blitzen" scheint den Leuten völlig fremd zu sein.

Auf dem Rückweg hoch in die Berge kamen wieder Wolken, und es wurde stark feucht. Ulrike hielt an und meinte, ob wir die Regensachen anziehen sollten, aber ich glaubte, das würde noch so gehen. Und in Santiago del Teide war tatsächlich Ende mit Wolken und Nässe, und wir konnten uns wieder der südlichen Sonne erfreuen bis zu unserem Hotel.

Wir hatten zuhause von Eta und Herbert den Tip bekommen, dass es in der Bar draußen neben dem "Supermarkt" den Internetzugang (WiFi) umsonst geben soll, während dieser im Hotel selbst recht teuer war. So gingen wir nach dem Abendessen noch auf ein Bier dorthin und konnten tatsächlich nett auf der Terrasse sitzen und unsere Mails abrufen.

km 22854 - Tagesstrecke 229 km

Mo, 19.12.2011

Heute morgen war der Himmel nur noch größtenteils blau, vor dem Bergmassiv standen Wolken, den Teide konnte man nicht mehr sehen. Und unsere Tour sollte wieder einmal um ihn herumführen.

Zuerst ging es auf der TF-47 parallel zur Küste nach Norden, dann hoch nach Santiago del Teide. Bis dorthin reichten ja gestern die Wolken. Heute war es hier noch klar, dafür aber sehr windig. Das verstärkte sich noch, nachdem wir hier links abgebogen waren auf die TF-436, die uns nach Buenavista del Norte führen sollte. Das war eine ganz schmale Straße, die sich in abenteuerlichen Serpentinen durch die Berge schlängelte, und wir waren gewarnt worden, sie nicht gleich ganz zu Anfang unter die Reifen zu nehmen.

Und diese Warnungen erwiesen sich als berechtigt. Wir fühlten uns zwar eingefahren, was man an den Reifen des Raben, die nach der Sandaktion von vorgestern schnell wieder bis fast an die Kante "gereinigt" waren, gut sehen konnte, aber gleich in einer der ersten Kurven schlich ein PKW vor mir so langsam um die Kehre, dass ich anhalten musste, um nicht umzukippen. Wir krochen weiter bis zum ersten Aussichtsparkplatz, um den Trödelbüdel erstmal alleine weiterschleichen zu lassen. Und da pfiff der Wind so doll über den Platz, dass ich beim Fotografieren aufpassen musste und wir sogar befürchteten, die Maschinen würden auf ihren Ständern umgeworfen. Daraufhin beschlossen wir, diese Strecke an einem anderen Tag mit weniger Wind zu versuchen und erstmal auf der Hauptstrecke weiterzufahren.

Abfahrt nach Garachico Als Ausgleich fanden wir hinter El Tanque eine Strecke hinunter nach Garachico, die uns bei totaler Windstille und fast ohne Verkehr mit tollen Ausblicken auf das Meer und an die Steilküste geklebte Häuser vollauf entschädigte. Und die Wolken von heute morgen hatte der Wind wohl auch größtenteils weggeweht. Von Garachico aus ging es an der Küste entlang weiter nach Westen, wo wir in Buenavista del Norte wieder mit unserer ursprünglich geplanten Route zusammenkamen. Weil uns das Navi hier im Ort in eine Straße schicken wollte, wo wir nicht hineinfahren durften, kamen wir an den zentralen Kirchplatz und machten da eine Weile lang Pause. In mehreren Orten hier auf der Insel fanden wir solche netten Kirchplätze, wo man auf Bänken im Schatten von Palmen sitzen und das gemächliche Treiben der Einwohner beobachten konnte.

die Anfahrt zur Punta de Teno war offiziell gesperrt Kurz vor der Punta de Teno standen riesengroße Schilder, die auf englisch, deutsch, französisch und spanisch sagten, die Strecke sei wegen der Gefahr von Steinschlag gesperrt. Während wir noch beratschlagten, wie wir damit umgehen wollten, kam ein Pärchen im Mietwagen und meinte, laut Internetrecherche solle man die Strecke sehr gut befahren können. Ulrike wollte trotzdem nicht, aber ich "durfte" alleine weiterfahren und mal gucken. Das war auch tatsächlich alles überhaupt kein Problem. Möglicherweise musste man bei Regen und Sturm denn doch vorsichtig sein, aber es war seit Tagen total trocken, und von dem Wind von heute Morgen war hier nichts zu bemerken, da lag ja auch das Teno-Gebirge genau dazwischen. Die Straße führte sehr schön an einer steilen Felswand entlang, es gab auch ein paar kleine Tunnel, dann kam man auf eine kleine Ebene, und der Weg endete an einem Lavabrocken auf einem Parkplatz. Hier konnte man ein paar Schritte weit gehen, aber der Leuchtturm auf der Spitze war eingezäunt und nicht zugänglich. Einen kleinen Strand gab es hier (schwarz wie überall auf Teneriffa), wo einige Leute badeten, und man hatte einen schönen Ausblick entlang der Felsküste Richtung Süden. Da musste Ulrike dann auch nicht allzulange auf mich warten.

Auf der Weiterfahrt wunderte ich mich, dass die Sprachansage des Navis nun gar nicht mehr funktionieren wollte, egal, was ich auch tat. Das dauerte eine ganze Weile, bis ich die Ursache dafür herausfand. Bei der letzten Pause vor der Punta de Teno (die fand ich auch so und wollte Akkulaufzeit sparen) hatte ich Ulrike geneckt mit der Aussage, dass das verkehrte "bleiben Sie rechts" der letzten beiden Tage vor der Autobahnauffahrt natürlich von niemand anderem als einer Frau kommen konnte. Daraufhin wollte sie bei dem Gerät die Männerstimme aktivieren und mir nicht glauben, dass das nicht möglich war (die musste man nämlich erst von der CD ziehen, und die hatten wir natürlich nicht dabei). Bei dem Versuch hatte sie unwissentlich die Frauenstimme auch deaktiviert und sich so letztlich für meine kleine Stichelei gerächt.

Zurück fuhren wir nicht unten auf der Küstenstraße, sondern weiter oben parallel, nämlich auf der TF-342 und TF-326, um auf die TF-21 zum alten Krater zu kommen. Aber auch diese Strecken führten überwiegend durch Wohngebiete und erschienen uns deshalb nicht sonderlich lohnend. Zu leichtem Adrenalinschub kam es höchstens, als mir in einer Kehre drei 50-Kubik-Roller entgegenkamen, die allesamt damit überfordert waren und beide Fahrspuren brauchten. Zum Glück hatte ich sie kommen gesehen und war bei den ersten beiden noch weit genug weg, um beim dritten entsprechend vorsichtig zu sein. Das Ganze sah eigentlich so aus, als ob eine Gruppe Jugendlicher ein Rennen bergabwärts gefahren und dabei die Kurve überschätzt hatte, aber der letzte (nur den hatte ich mir genauer angeguckt) war unter seinem Jethelm eindeutig Rentner!

Erst oben am Krater waren wir dann auch wieder über den Wolken, aber es wurde auch oben noch ziemlich kalt, das Thermometer des Raben zeigte teilweise nur noch 6 Grad an. Die Straße im Krater verläuft streckenweise schnurgeradeaus, und auf einem solchen Abschnitt fiel mir ein Kleinwagen auf, der weit vor mir mitten auf der Fahrspur links gegen die Fahrtrichtung geparkt war. Oder fuhr der etwa? Ja, das tat er. Auf der linken Spur um die wegen der Büsche nicht einsehbare Linkskurve herum und weiter. Danach war es wieder gerade, und von weit hinten kam jemand entgegen. Jetzt wechselte der Engländer im Mietwagen (ein solcher musste es gewesen sein) die Seite. Die britische Regierung sollte wirklich den Rechtsverkehr einführen zum Schutze ihrer Bevölkerung (und der nichtbritischen Bevölkerung in gleichem Maße).

Am Ende des Kraters leckten die Wolken keck um die Ecke, was ein sehr schönes Bild abgab in der Sonne, aber letztlich mussten wir da auch hindurch, um wieder zum Hotel zu kommen. So ging es also in dichtem "Nebel" durch den Kiefernwald hindurch, die Wolkenzone reichte noch bis weit hinter Vilaflor.

km 23078 - Tagesstrecke 224 km

Di, 20.12.2011

oben im alten Krater Heute morgen wurde ich schon früh wach und stand dann auch gleich auf. So kamen wir deutlich früher als die letzten Tage los. Wieder ging es auf bekannter Strecke hoch und durch den Krater. Natürlich fanden wir uns so auf immer wieder denselben Routen wieder. Das machte aber nichts, genossen wir doch die Freude, hier Motorrad fahren zu dürfen zu einer Jahreszeit, wo unsere Maschinen zuhause in der Garage unter Decken stehen, die Vorderräder zusammenstecken und sich von besseren Zeiten erzählen: "Mein Herrchen war mit mir im Thüringer Wald." "Mein Frauchen auch. Und dann im Harz und auf Rügen!" "Das war, nachdem wir uns in Karlsruhe kurz getroffen hatten, stimmt's?" "Ja. Nächstes Jahr dürfen wir bestimmt auch wieder in's Ausland!"

Unsere beiden schrägen Vögel jedenfalls durften noch einmal hinunter nach La Orotava, dann aber in östlicher Richtung weiter. Aber auch hier war bis La Esperanza alles dicht bebaut, ein Ort folgte dem nächsten. Dann aber ging es wieder hoch und zurück durch den Wald auf die Kammstraße und in den Krater, diesmal alles bei Sonnenschein. Dafür war es oben aber sehr kalt, die Pullover wurden herausgeholt, und an einem Pausenplatz ließ sich feststellen, dass nackte Frauenbeine mit weithin sichtbarer Gänsehaut längst nicht so anziehend aussehen wie ohne. Die Mädels in ihren Shorts stiegen dann auch schnell wieder zurück in ihr Auto.

Früh wieder angekommen wurde der Nachmittag der Reiselektüre und dem Mundharmonikaspielen auf dem Balkon gewidmet. Diese Mundharmonika war früher mein Begleiter auf etlichen Reisen mit Rucksack per Anhalter, und nach über 20 Jahren hatte ich das Instrument diesen Winter nun wiederentdeckt. Nach dem Abendessen gingen wir wieder in die Bar nebenan, denn ich wollte wissen, wie unsere Fahrzeuge auf Spanisch heißen: Der Rabe heißt El Cuervo, was gleichzeitig auch Krähe bedeuten kann, und der Specht heißt El Pico oder El Carpintero, letzteres bedeutet auch Zimmermann oder Tischler.

Aus den Lautsprechern kam heute eine sehr ansprechende Mischung fetziger Musik mit Moderation in italienischer Sprache. Ich vermutete ein Internetradio dahinter und erkundigte mich bei der Bedienung danach in der Hoffnung, diese Station vielleicht auch zuhause hören und dabei meine aktuellen Sprachstudien unterstützen zu können. Aber es war Fernsehen (Sky), der Besitzer der Bar war Italiener. Die Bedienung selbst kam aus Brasilien und hat dort, wie sie im Laufe des weiteren Gespräches sagte, eine XT 500 gefahren.

km 23306 - Tagesstrecke 228 km

Mi, 21.12.2011

der alte Krater vom Pic aus gesehen Die heutige Tour begann mal wieder bei bestem Wetter mit der tollen Strecke von Granadilla nach Vilaflor. Oben im Krater machten wir Halt am Fuße des Teide, von hier aus konnte man mit einer Seilbahn bis fast auf den Gipfel fahren. Aber nur fast, für das letzte Stück zu Fuß brauchte man dann sogar eine extra Genehmigung, die man laut Aushang nur in Santa Cruz bekommen konnte. Die Fahrt war mit 25 € pro Person nicht ganz billig (für Inselbewohner kostete es übrigens nur die Hälfte), und wir mussten eine halbe Stunde lang anstehen. Zeit genug eigentlich, die Schilder zur Kenntnis zu nehmen, die festes Schuhwerk einforderten und darüber informierten, dass oben eine Temperatur von Minus 2 °C herrschte. Trotzdem fand sich in der Kabine eine Gruppe aus Dänemark, deren Mädels lediglich mit Flipflops, Shorts und T-Shirt bekleidet war. Das sah zugegeben schön aus, schien aber wirklich nicht angemessen. Nach 5 Minuten Fahrt waren wir oben, gingen draußen ein paar Schritte, und diejenige Dänin, die mit einem Strickpulli noch am wärmsten angezogen war, rief: "ich friere!" Fortan gab es draußen nur noch schöne Landschaften zu bewundern, sie sind ganz schnell wieder umgekehrt.

Die Aussicht war allerdings richtig toll hier oben. Wir waren jetzt immerhin auf 3500 Metern Höhe und konnten bei leicht diesigem Himmel über die ganze Insel gucken. Es führten zwei Wege einige hundert Meter weit zu speziellen Aussichtspunkten, wo man allerdings hin und wieder über Felsen klettern musste. Das gefiel Ulrike nun nicht mehr so gut. Sie ist für Wanderwege, die man nicht auch theoretisch mit einem Fahrrad bewältigen könnte, nicht mehr zu haben, und es hat zwei abgebrochene Touren auf Korsika und im französischen Zentralmassiv gebraucht, bis ich das gelernt hatte. Aber das hier war gerade noch in Ordnung für sie. Natürlich machte ich eine Menge Fotos, zum Teil auch mit Selbstauslöser. Auf dem Rückweg zur Gondel bat mich jemand auf Englisch darum, mit seiner Kamera ein Bild von ihm und seiner Begleiterin zu machen. Sein Akzent hörte sich für mich stark nach französisch an, aber er war aus Ungarn.

Wieder unten auf dem Parkplatz angekommen, genossen auch wir wieder die "Wärme" von 6 °C und zogen einen der Pullover wieder aus. Da streikte der Reißverschluss von Ulrikes Jacke. Direkt unterhalb des Zippers öffnete sich die Jacke sofort wieder. Zum Glück konnten wir den Zipper mit einer Zange zusammenkneifen, denn ich hatte neben dem Taschenmesser auch noch einen Leatherman eingepackt für den Fall aller Fälle. Das wäre wirklich nicht schön gewesen, wenn wir hier nun noch eine neue Motorradjacke hätten kaufen müssen.

Wir waren richtig früh wieder zurück heute, weil wir uns für 1700 Uhr mit Rainer aus dem Reiseforum in einem Café am Hafen verabredet hatten. Er und seine Frau mieten sich mehrfach im Jahr eine Wohnung in der Nähe, und sie waren eben auch über Weihnachten hier. Wir haben nett mit ihnen geschnackt, und Rainer gab uns etliche gute Tips. Die meisten davon haben wir danach noch umsetzen können, allerdings die "In and Out Bar" in Los Cristianos neben dem McDonalds, wo es gute Livemusik (Metal und Rock) geben soll, haben wir nicht mehr geschafft zu besuchen. Auch bei dem einsamen "Spaghetti-Strand" in der Nähe unseres Ortes sind wir nicht mehr gewesen. Dazu hätte man Richtung Norden zwischen den Häusern eine Treppe hochgehen müssen, dort gab es dann einen Fußweg über den Hügel und auf der anderen Seite hinunter zum Strand. Wir sind zwar, nachdem sich Rainer und seine Frau verabschiedet hatten, noch oben auf dem Hügel gewesen, aber es wurde schnell dunkel und dann auch Zeit für das Abendessen.

km 23430 - Tagesstrecke 124 km

Do, 22.12.2011

El Puertito Als ob wir keinen Urlaub hätten, bin ich heute schon wieder um 630 Uhr wachgeworden und aufgestanden. Ulrike war wieder dran mit Führen. Zuerst sollte es in den Nachbarort El Puertito gehen, das war einer der Tips von Rainer gestern und sollte ein noch ganz ursprünglicher kleiner Küstenort sein. Dazu mussten wir auf die küstennahe Straße Richtung Norden, da aber gleich wieder links abbiegen. Das Linksabbiegen war aber auf diesem Stück generell verboten. Schon am Anfang mussten wir statt nach links immer erst rechts rum und dann im Kreisverkehr unter der Autobahn wenden, und nun auch hier an der Abzweigung vorbei und in Armenime nochmals wenden. Die Straße führte dann an einigen großen Betonkästen vorbei, davon durfte man sich nicht beirren lassen: Just als es so aussah, als würde die Straße hier enden, ging es um die Ecke herum in eine Bucht und hinunter in den Ort.

Allerdings war der Tourismus auch hier schon angekommen. Ein halbes Dutzend Wohnwagen standen am Ortseingang. Eine Familie stieg gerade aus einem aus und wollte offenbar zum Baden gehen. Allerdings meinte die Frau, dies auch mit einem BH statt einem Bikinioberteil tun zu können. Wir dachten beide an den Satz von Tucholski: "Im Ausland stellt sich immer die Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon (deutsche) Touristen vorher dagewesen sind."

Der Ort selbst hielt, was uns versprochen wurde: Ein winziger Hafenplatz mit einer Bar, die um diese frühe Zeit allerdings noch geschlossen war. Ein paar ältere Männer saßen trotzdem auf den Plastikstühlen davor und gaben sich ihrer Tagesbeschäftigung (dem Nichtstun) hin. Nach einer Weile kam ein Auto um die Ecke, ein stark beleibter Mensch, von dem wir beim besten Willen nicht sagen konnten, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte, stieg aus und brüllte mit Fistelstimme über den Platz. Die anderen Anwesenden schienen das zu kennen und nahmen das gelassen hin, also fuhren wir auch bald wieder weiter.

Oben an der Hauptstraße durften wir natürlich auch wieder nicht links abbiegen und mussten deshalb wieder zurück bis zum Kreisverkehr unter der Autobahn. Mir drängte sich der Verdacht auf, dass dieses Stück Straße nur deshalb so stark befahren war, weil 70 % eigentlich in die andere Richtung wollte und auf eine Gelegenheit zum Wenden wartete. Und im weiteren Verlauf der uns ja nun schon gut bekannten Straße nach Norden wurde es dann auch deutlich leerer. Kurz vor Santiago del Teide bogen wir rechts ab und fuhren mit der TF-375 ein kleines Stück wieder zurück, dann nahmen wir die TF-38, die wir schon auf unserer ersten Tour zum Teide gefahren sind, in höhere (und grünere) Regionen.

immer wieder tolle Ausblicke und schöne Motorradstrecken Ein Stück vor Vilaflor machten wir an einem netten Rast- und Aussichtsplatz im Kiefernwald Pause, wo wir schon öfters gestanden hatten. Jetzt waren wir hier ganz alleine, man konnte ein paar Vögel zwitschern hören, und in der Ferne knatterte tatsächlich ein echter Specht. Dann kam eine lange Schlange von einem Dutzend Quads den Berg hochgebrummt. Das schien eine geführte Touristengruppe gewesen zu sein, etliche Fahrer in Protektorenshorts und mit Sicherheitssandalen, und die ganze Truppe dicht hintereinander und keineswegs ambitioniert unterwegs. Das meinten sicher auch etliche der nachfolgenden PKW-Fahrer, denn der Platz bevölkerte sich schlagartig. Bei uns in der Nähe kam eine Gruppe zusammen, die sich darüber freute, von hier aus Gran Canaria sehen zu können. Ihre Sprache hielt ich einerseits für Niederländisch, aber andererseits habe ich noch nie so ein fürchterliches Niederländisch gehört, und ich hätte nicht gemeint, dass es in einem so kleinen Land so krasse Dialekte geben könnte. Erst, als sie schon wieder verschwunden waren, kam uns der Gedanke, dass sie eventuell auch Afrikaans gesprochen haben könnten. Diese Insel ist jedenfalls ein wahres Babylon.

Wir fuhren bald auch weiter 'runter nach Arona, 'rüber nach Granadilla und da die TF-21 mit ihren schönen Kurven wieder hoch, dann am Teide vorbei die gleiche Route in die andere Richtung wieder zurück. Im Ort Chirche hatte uns Rainer gestern auf einen Mirador (also einen Aussichtspunkt) mit Café hingewiesen, wo wir auch Halt machten und einen Kaffee bzw. eine Cola tranken. In der halben Stunde sind die Wolken spürbar weiter nach unten gezogen, die Gegend, aus der wir gekommen waren, konnten wir nun nicht mehr sehen. Also orientierten wir uns für die Weiterfahrt mehr Richtung Küste, machten dabei einen kleinen Schlenker auf die TF-463 nach Playa de San Juan, fuhren ein Stück parallel zur Küste, bogen ab auf die TF-465, die uns wieder halb hochführte, und dann ging es "nach Hause".

km 23650 - Tagesstrecke 220 km

Fr, 23.12.2011

im Anaga-Gebirge Im Gegensatz zu gestern hatten wir uns für heute bewusst den Wecker auf 700 Uhr gestellt, denn wir wollten ganz in die nordöstliche Spitze in das Anaga-Gebirge, und das war doch relativ weit. Oben im Krater war es zu so früher Stunde denn auch noch ziemlich kalt. Die Kammstraße war wieder sehr schön, auch wenn zu dieser Zeit die Wolken im Norden nur spärlich und im Süden gar nicht vorhanden waren. Dann mussten wir die Stadt La Laguna durchqueren, aber das ging ganz gut: Auf einer Einfallstraße hinein, ein kurzes Stück Autobahn und auf einer Ausfallstraße wieder hinaus. Zuerst guckten wir uns dann im Norden die Punta del Hidalgo an, aber der Besuch war nicht ganz so lohnend, wie wir uns das erhofft hatten. Dann ging es auf TF-12 mitten hinein in's Gewühl. Das war dann auch eine sehr anspruchsvolle Strecke, ziemlich schmal und mit engen Kurven, aber in toller Landschaft. Hier war es überall sehr grün. Nach einer Weile wurde der Fahrspaß allerdings kräftig getrübt, denn man hatte hier in der Straße offenbar eine Leitung verlegt und die Fahrbahn danach nur notdürftig wieder geflickt, nämlich mit gestampften Schotter statt Asphalt. Da zog sich also ein Streifen übelster Belag natürlich genau mittig in unserer Fahrspur kilometerweit dahin, und wir mussten in den Kurven noch vorsichtiger sein. Ich war tatsächlich kurz davor, die Tour abzubrechen, als das doch noch wieder aufhörte.

Kurze Zeit später kamen wir an eine Kreuzung, wo ich dachte, nun hätte ich beim Planen der Tour einen Fehler gemacht, denn wir wollten eigentlich nach links abbiegen Richtung Norden, aber das Gerät wollte uns weiter geradeaus führen. Also bin ich eigenmächtig links abgebogen. Aber mit der Zeit schien es, als ob das auch nicht richtig gewesen war, denn wir hätten bald hinunter an die Küste kommen müssen, die Straße hielt sich aber stets auf der gleichen Höhe. Als dann nach etwa 6 Kilometern der Belag auch noch richtig schlecht wurde, sind wir umgekehrt und zurück an der Kreuzung dann doch den anderen Weg gefahren. Das schien zu Anfang zwar immer noch grundverkehrt, aber dann kam ein kleiner Tunnel, in dessen Verlauf wir die andere Route unterquerten (das konnte man oben überhaupt nicht sehen) und uns so auf die richtige Seite mogelten. Diese Straße führte dann auch wie gewünscht hinunter nach Taganana, an der Küste entlang und endete in Benijo.

auch wenn es nicht so aussieht: Man konnte hier lecker essen Dort sollte man laut Willi gut Fisch essen können. Das Restaurant sah allerdings zuerst, obwohl leuchtend gelb gestrichen, ziemlich verfallen aus mit etlichen fehlenden Dachziegeln. Das war allerdings nur der Schuppen zur Straße hin. Auf der anderen Seite konnten wir schön auf einer Terrasse mit tollem Küstenblick sitzen und lecker essen. Weil wir keinen ganz großen Hunger hatten, begnügten wir uns zwar mit je einem Salat, aber auch der war wirklich klasse.

Auf dem Rückweg hielten wir noch einmal unten am Strand und beobachteten eine Weile die Surfer auf den anrollenden Wellen. Dann ging es wieder hoch in die Berge, denn wir wollten ja nicht bloß anderen zugucken beim Spaß haben. Nun fuhren wir wieder auf die TF-12 und folgten dieser zur Südküste nach San Andrés. Weil wir dort noch einen Augenblick Zeit hatten, machten wir noch den kurzen Abstecher an die Playa de las Teresitas. Dies war sozusagen der Hausstrand von Santa Cruz und der einzige Strand auf der Insel, der nicht schwarz war. Hier hatte man nämlich Sand aus der Sahara aufgeschüttet. So können wir also mit einem Augenzwinkern behaupten, auf dieser Reise auch afrikanischen Boden betreten zu haben.

Für die Rückfahrt nahmen wir nun die Autobahn, denn bei Landstraßenfahrt wären wir keinesfalls vor Dunkelwerden zurück gewesen. Bei der nun fälligen Kettenpflege stellte ich fest, dass mein Hinterreifen nun wirklich am Ende war, die ersten Verschleißmarken waren jetzt vollständig weg. So rief ich Willi an, und er meinte, trotz Heiligabend könne er mir morgen einen neuen aufziehen, für den Tag würde ich dann eine andere Maschine bekommen. Beim Abendessen trafen wir den Niederländer Ebbo aus Amsterdam, der auch bei Teneriffa on Bike eine Maschine gemietet hatte (eine große GS) und in der Tiefgarage neben uns stand. Wir haben uns nett unterhalten, auf Angebote, vielleicht mal einen Tag zusammen zu fahren, ging er jedoch nicht ein, er wollte anscheinend lieber alleine sein.

km 23950 - Tagesstrecke 300 km

Sa, 24.12.2011

Da der Wecker noch von gestern auf 700 Uhr stand, ließen wir ihn dort stehen, auch wenn das für heute denn doch noch etwas zu früh war. So saßen wir also nach dem Frühstück noch auf dem Balkon, als aus Richtung Las Américas die Kirchenglocken läuteten, zuerst 9 einzelne Schläge, danach überraschte uns ein Glockenspiel mit der Melodie "Im Märzen der Bauer"! Es schien uns nur schwer vorstellbar, dass dieses Lied hier im katholischen Spanien einen kirchlichen Hintergrund haben könnte.

Um 1000 Uhr waren wir am Hotel Jacaranda, um den Raben abzugeben. Statt seiner bekam ich eine BMW F 650 GS, das war sozusagen die kleine Schwester der 800er. Diese Maschine hatte natürlich weniger Leistung und Drehmoment, aber fahren konnte man damit selbstverständlich auch, und sie war im Gegensatz zu der großen angenehm leise. Sie hatte auch eine leicht andere Schwerpunktlage, schien mir leichter in die Kurven zu fallen, letztendlich habe ich mich auf der 800er wohler gefühlt. Die unschönen Kleinigkeiten waren dieselben: Gleich "bequeme" Sitzbank, gleiche Armaturen incl. Bremsflüssigkeitsbehälter (hier zudem noch so angebracht, dass er niemals gerade stehen konnte zum Ablesen), aber hier war ein kleines Blech montiert, das verhinderte, dass man beim starken Einlenken links mit dem Hupenknopf an den Tankrucksack kam. Ich gestehe, dass ich überlegt hatte, das abzubauen und an Ulrikes Lenker zu montieren, denn sie hupte beim Wenden und Rangieren wirklich ständig. Das war ihr schon richtig peinlich, und öfters kamen bei solchen Gelegenheiten zu dem Gehupe auch laute Unmutsäußerungen hinzu.

Diesmal fuhren wir die Strecke nach Vilaflor hoch und nach Granadilla wieder herunter, fanden das aber in dieser Richtung nicht so angenehm, würden also die TF-21 lieber aufwärts fahren. Weiter ging es auf der TF-28. Inzwischen hatten wir uns natürlich an die karge Landschaft auch gewöhnt und konzentrierten uns hier eben auf das Kurvenerlebnis. Vor Güímar auf der Betonmauer mit der Bitte um Verzeihung hatte jemand die Worte "ich vergebe dir" dazugeschrieben. Ich kann allerdings jetzt nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob das neulich da auch schon gestanden hatte oder erst in der Zwischenzeit dazugekommen war. Aber vielleicht heilt die Zeit ja tatsächlich alle Wunden.

die Pyramiden von Güímar In Güímar war unser Etappenziel, die Pyramiden, gut ausgeschildert. Dabei handelte es sich um alte Guanchenpyramiden, das Gelände konnte für 10,50 € pro Person besichtigt werden. Um die Pyramiden herum hatte man einen Garten angelegt, und aus Lautsprechern am Wegesrand klang klassische Musik. Wir fanden, das alles ergab eine sehr getragene Stimmung mit den Wüstenpflanzen, den dunklen Pyramiden und der Musik. Vielleicht war das jedoch auch beabsichtigt, waren doch die Guanchen ein altes Volk, über das man wenig weiss und das mit der Eroberung Teneriffas durch die Spanier ein gewaltsames Ende gefunden hatte. Nebenbei gab es etliche Informationstafeln zur Landwirtschaft, denn im Laufe der Zeit wurden auf der Insel verschiedene Dinge angepflanzt und verkauft, bis immer wieder gewisse Entwicklungen die Absätze bremsten und man sich etwas neues ausdenken musste. Am Ende stand eine Holzkiste mit der Aufschrift "Und heute bauen wir an..." Wenn man die Klappe aufmachte, fand man drinnen einen Spiegel und auf der Innenseite der Tür die Worte "Psst, nicht weitersagen". Ich fand das eine lustige Art, darauf hinzuweisen, dass die Insel jetzt hauptsächlich vom Tourismus lebt.

die Basilika von Candelaria Auf der Weiterfahrt gab es akustische Begleitung durch ein paar Jugendliche, die sich auch hier die Zeit damit vertrieben, Silvesterböller in Gullis und Tiefgaragen zu werfen. Unsere nächste Station war die Basilika von Candelaria. Hier erzählte der Reiseführer eine abstruse Geschichte von einer Marienstatue, die in vorspanischer Zeit hier angeschwemmt wurde. Die Ureinwohner wollten sie mit Steinen bewerfen, doch ihre Arme sollen wie gelähmt gewesen sein. Später wurde die Statue gestohlen und woanders hingebracht, aber sie soll dort jeden Morgen zur Wand gedreht vorgefunden worden sein, so habe man sie dann wieder zurückgebracht. Bei Sturmflut sei sie dann weggespült worden, die jetzige Statue soll nur eine Ersatzanfertigung sein. Und sie wurde dann in prunkvolle Kleider gesteckt und auf einen prachtvollen Altar in einer wirklich schönen großen Kirche aufgestellt, wo sie nach meinem Geschmack ziemlich deplaziert wirkte. Draußen auf dem Vorplatz stand eine Reihe Statuen, welche alte Guanchenfürsten darstellen sollten und durch ihre Ausführung als "Edle Wilde" einen wesentlich schöneren Eindruck auf mich machten.

Nach dieser geballten Kultureinlage sollte nun wieder Motorrad gefahren werden. Den meisten Fahrspaß in der Nähe versprach das "hoch in die Berge" der TF-523 mit ihren schönen Kurven. Heute mussten wir hier allerdings durch ziemlich dichte Wolken tauchen. Aber dafür war der Moment umso erhebender, als wir aus den Wolken kamen und dieses ultimative Himmelblau erschien, mit strahlender Sonne. Und auf der Kammstraße konnten wir am Mirador de la Chipeque wieder einen schönen Blick von oben auf die Wolken genießen. Ich fuhr alleine noch das kurze Stück zum Mirador Chimaque (der Weg dorthin war eine Sackgasse und qualitativ ziemlich schlecht), von dort aus konnte man auch noch den Teide im Hintergrund sehen. Die Aussichtspunkte waren beide total leer, nur hinten stand ein Typ, der sich aber nicht mit dem Ausblick, sondern mit seinem Handy beschäftigte.

"Federkakteen" im alten Krater Weiter ging es auf der inzwischen gut bekannten Kammstraße und hinein in den Krater. An einer Stelle machten wir noch einen Fotostop, denn nur hier gab es eine gewisse Sorte Pflanzen, deren abgestorbene Blüten wie Federn hochstanden. Auf dem Parkplatz stand ein Wohnmobil (schon das war selten) mit Segeberger Kennzeichen. Wir kamen mit der Fahrerin ins Gespräch, und sie erzählte unter anderem von einem Bekannten, der sein Motorrad für 300 € im Flugzeug nach Teneriffa transportiert haben soll. Hätten wir nicht sowieso Saisonkennzeichen gehabt und im Winter mit unseren eigenen Maschinen nicht fahren dürfen, hätte das eine echte Alternative zu unseren Leihmotorrädern sein können.

Nachdem die Frau weitergefahren war, erwähnte ich Ulrike gegenüber den Typen von vorher, der möglicherweise mitten in der Wildnis Handyempfang hatte, und sie meinte, das müsse sie doch mal ausprobieren. Tatsächlich, auch hier hatten wir Netz, und weil heute ja Heiligabend war, rief sie gleich mal bei ihrer Schwester in Karlsruhe an. Eine der ersten Fragen aus Deutschland war: "Ist es bei euch schon dunkel?" Dort war es ja schon eine Stunde später und somit halb sechs. Da ist es schon seit einer Weile dunkel gewesen, während wir in der Sonne standen bei allerklarstem Himmel. Manchmal muss man anscheinend mal wieder daran erinnert werden, wie gut man es doch hat.

Die Wolken standen heute auf der Südseite des Teide besonders tief. Bis ganz hinunter nach Vilaflor fuhren wir noch im Sonnenschein und tauchten erst dann in den "Nebel" ein.

km 23958 + 2953 bis 3163 - Tagesstrecke 218 km

So, 25.12.2011

Für um 1100 Uhr hatten wir uns mit Rainer zu einer Tour verabredet, Treffpunkt war bei uns vor dem Hotel. Rainer kam mit seiner 250er Suzuki Marauder, die er als Urlaubsmopped hier deponiert hatte, und brachte Kumpel Leonel (auch ein Deutscher, er hatte die Nachbarwohnung von Rainer gemietet) mit einer großen Harley mit. Unser erstes Ziel war Santiago del Teide. Auf dem Weg dorthin zeigte Rainer uns, dass man auch mit einer 250er flott fahren kann. Das war zum Teil sicher seiner Streckenkenntnis zu verdanken, manchmal aber auch einer gewissen südländisch anmutenden Überholmentalität, die wir so ganz denn nun doch nicht immer teilen mochten. Aber wir erreichten doch alle zusammen die Bar Chinyero, die an einer davor geparkten alten Kutsche gut zu erkennen war. Hier war ein Motorradfahrertreffpunkt, und der Kaffee soll nicht schlecht gewesen sein (ich selber mag sowas ja nicht).

Dann sollte es weitergehen. Wir setzten uns alle auf die Maschinen und fuhren los, aber irgendwie kam Schlussmann Leonel nicht um die nächste Kurve. Wir hielten wieder an und warteten zwei Minuten, aber das half auch nichts. Dann fuhr Rainer wieder zurück, aber er kam bald wieder mit der beunruhigenden Nachricht: "Der ist weg!" Das konnte doch gar nicht sein, das gab doch nur die eine Straße hier. Dann kam Rainer ein Gedanke: "Wenn nun seine Maschine streikt, ist er damit vielleicht den Berg wieder heruntergerollt?" Und so war es dann auch. Nur hatte ihm das auch nichts geholfen, die Harley wollte auch mit Schwerkrafthilfe nicht mehr laufen. Ein Stück weiter war eine Tankstelle, dort wurde zunächst die Armatur mit dem Anlasserschalter geöffnet und dann der Tankwart zu Rate gezogen. Aber auch der konnte nichts machen, gab aber Leonel immerhin die Nummer einer Werkstatt weiter unten in Tamaimo. Also wurde weiter zu Tal gerollt. Immerhin war der Besitzer erreichbar, kam mit seinem Wagen angefahren und machte das Hoftor auf, so dass die Harley sicher untergestellt werden konnte. Dienstag sollte sie dann repariert werden.

im Barranco de Ye Nun war natürlich erstmal Schluss mit der Tour. Leonel stieg bei Rainer hinten auf, und wir fuhren alle zu den beiden nach Hause. Dort wurde erst einmal Wohnung und Terrasse (mit Fernblick auf das Meer) und eine sehr flauschige Hauskatze bewundert sowie eine Weile Klönschnack gehalten, bis wir überein kamen, noch eine kleine Tour zu dritt zu machen. Hier zeigte uns Rainer die kleinen Straßen in der Umgebung seines Wohnortes. Am besten gefallen hatte uns der Barranco de Ye, den man nur finden konnte, wenn man auf dem Weg nach Tijoco Alto einem kleinen braunen Schild nach rechts folgte.

Unten haben wir uns dann getrennt, und Rainer ist wieder nach Hause gefahren. Da auf uns im Hotel niemand wartete, sind wir dann nach El Médano gedüst und saßen dort eine Weile lang am Strand, den Kitesurfern zugucken. Bald zog es uns aber wieder auf die Straße, und auf dem Rückweg zum Hotel haben wir dann noch den Bogen über Granadilla hoch nach Vilaflor mitgenommen.

Das Weihnachtsessen, heute war ja Feiertag, gab es schon um 1800 Uhr und nicht wie sonst ab 1900 Uhr. Hierzu hatten wir uns extra anmelden müssen, es war auf Früh- und Spät"schicht" (2030 Uhr) aufgeteilt, und es gab auch reservierte Tische. Wir hatten dafür auch einen Zuschlag bezahlen müssen, aber das war völlig in Ordnung, denn das Buffet war wirklich gut und heute war auch der Tischwein inbegriffen. Nach diesem opulenten Mahl gingen wir noch kurz hinaus und zur Bar nebenan, denn wir brauchten noch erstens etwas Bewegung und zweitens einen Grappa.

km 24098 - Tagesstrecke 140 km

Mo, 26.12.2011

Zur Abwechslung sollte jetzt einmal gewandert werden. Der Reiseführer [2] empfahl wärmstens die Schlucht von Masca, und ich wollte mir das angucken, auch wenn das bedeutete, dass ich das alleine machen musste. Auch war Ulrike zunächst nicht besonders glücklich darüber, vor die Alternative gestellt zu werden, entweder mit mir zusammen um 7 Uhr aufzustehen oder später alleine zu frühstücken, aber sie entschied sich dann doch für die erste Variante, dadurch sollte sie ja auch richtig viel Zeit zum Motorradfahren bekommen heute. Und ich wollte für die Tour, für die ein geübter Wanderer zweimal zweieinhalb Stunden brauchen sollte, gerne viel Reserve haben.

Wir fuhren noch gemeinsam die küstennahe Strecke nach Tamaimo und trennten uns dort. Ich fuhr also weiter nach Santiago del Teide, bog dort an der Kirche links ab und war wieder auf dem Pass, wo wir neulich bei dem starken Wind umgekehrt waren. Auf der anderen Seite ging es steil auf enger Straße abwärts. Um diese Zeit war hier noch überhaupt nichts los, aber ich konnte mir schon vorstellen, dass ich heute Nachmittag in Gegenrichtung sehr würde aufpassen müssen. Die Ausblicke hinunter in's Tal waren allerdings richtig klasse. Und auch der Ort Masca lohnte einen Besuch. An der Straße gab es ein paar Parkplätze, aber man konnte theoretisch auch durch einen kleinen Durchlass in der Mauer hinein in den Ort fahren, und weil ich unten Autos sehen konnte, versuchte ich das auch.

Das war jedoch keine gute Idee. Drinnen gab es gröbstes Kopfsteinpflaster auf zwei Meter breiter Straße, links Felswand, rechts Stahlrohrgeländer vor dem Abgrund, und alles ziemlich steil. Also bald wieder gewendet und zurück. Ich stellte die Maschine oben neben eine Bar mit Postamt und zog mich erstmal um. Denn ich hatte mir extra hierfür zuhause Trekkingschuhe und Outdoorhose eingepackt (und dafür auf die luftdurchlässige Motorradhose verzichtet) und bei der Rückgabe des Rabenjungen ein Topcase geben lassen. Dort packte ich nun Stiefel, Lederhose und -jacke hinein, das ging mit sehr viel Würgen, aber es ging gerade so (ich hatte schon befürchtet, das Kabelschloss neben dem Helm auch noch durch ein Hosenbein ziehen zu müssen).

in der Masca-Schlucht Um Punkt 10 Uhr brach ich also auf. Am Startpunkt des Wanderweges stand wieder so eine gelbe Tafel, die den Weg als gesperrt erklärte. Davon ließ ich mich jedoch nicht beirren, und das war auch gar nicht so gemeint, denn oben im Dorf wurden auf großen Tafeln Tickets beworben für das Wassertaxi, das unten zwischen dem Strand und Los Gigantes verkehren sollte. Und ich war auch nicht der einzige, der sich hier auf den Weg machte. Dieser Weg ging ganz schön steil hinunter, insbesondere zu Anfang war es ein stetes Treppensteigen abwärts. Zunächst noch weitgehend von Menschenhand gebaut, ging es nach einer Weile überwiegend über Felsen weiter. Hier waren Trekkingschuhe und Trittsicherheit absolut erforderlich. Mehrmals ging es unter Felsen durch, und an zwei Stellen waren Seile gespannt. Aber immer wieder musste ich stehen bleiben und staunen, und oft genug wurde die Kamera herausgeholt. Dieses Tal war einfach großartig. Tief unten zwischen hohen Felswänden vermittelte es das Gefühl, weit weg vom Getriebe der Welt zu sein. Das stimmte natürlich nicht, immer wieder begegneten mir andere Wanderer in Paaren oder Gruppen (ich schien allerdings der einzige zu sein, der alleine unterwegs war), aber die verschwanden auch immer schnell wieder. Tiere waren hingegen keine zu sehen, obwohl unterwegs ein Schild dazu aufforderte, die Katzen in der Schlucht oder am Strand nicht zu füttern. An einer ziemlich unwegsamen Stelle lag ein fast mannsgroßer Tankbehälter, von dem man sich schon fragen konnte, wie der denn hier hingekommen war. Der erinnerte mich zudem an eine Wanderung in den Pyrenäen vor vielen Jahren, wo mein Gefühl, mich in unberührter Natur zu befinden, durch eine auf einem Felsen stehende verrostete Campinggaz-Kartusche jäh zerstört worden war.

in der Masca-Schlucht - manchmal war der Weg sogar ausgeschildert Kurz nach 13 Uhr schließlich kam ich unten an das Meer. Der "Strand" war vielleicht 300 Meter breit, bestand aus faust- bis kopfgroßen schwarzen Steinen und wirkte somit alles andere als einladend. Ein Steg führte auf das Wasser zu einem kleinen Betonmolenkopf, auf dem ein Dutzend Leute saßen und in dessen Nähe ein größeres Motorboot dümpelte. Da mir unterwegs schon bald klar wurde, dass ich diesen Weg nicht wieder hinauf schaffen würde, wollte ich mit dem oben erwähnten Wassertaxi weiter und ging hinüber, um mich dort danach zu erkundigen. Ich fand tatsächlich eine Frau, die auf den Stufen saß und Tickets verkaufte. Sie fragte mich "Für das nächste Schiff um 1300 Uhr?" Ich verstand hauptsächlich "nächstes" und nickte, aber es war ja schon nach eins. Sie kassierte 10 €, telefonierte kurz mit ihrem Mobiltelefon, und das Motorboot setzte sich in Bewegung. Einsteigen konnte man nur über den Bugkorb. Mit mir wurde noch eine Familie mit zwei kleinen Kindern eingeschifft, die Eltern hatten jeder einen Tragerucksack dabei und waren damit bestimmt nicht zu Fuß den Berg heruntergekommen. Das Einschiffen ging nicht ohne Kindertränen ab, und das Boot musste des Wellenganges wegen mehrmals anfahren. Unmittelbar danach fuhren wir ab. Die Zeitangabe "1300 Uhr" war also nur spanisch genau, und ich hatte richtig Glück gehabt. Es ging eine halbe Stunde lang sehr schön die Steilküste entlang nach Los Gigantes.

Von hier aus wollte ich entweder per Bus oder per Anhalter zurück nach Masca fahren. Wir hatten auf der Insel schon mehrere Tramper gesehen, aber natürlich keinen mitnehmen können. Auf dem Weg hinaus aus dem mit Musik beschalltem Zentrum kam ich an einer Haltestelle vorbei, aber dort fuhr kein Bus in meine Richtung (nach Los Cristianos und somit zum Hotel hätte ich allerdings fahren können). Zuerst hielten zwei Engländer, die mich aber nur ein ganz kurzes Stück (bis zum nächsten Kreisverkehr) mitnehmen konnten. Dann kam ein Deutscher aus Hannover, der nach Puerto da la Cruz wollte und mich bis nach Santiago del Teide brachte. Das nächste Auto war ein mit Spaniern besetzter Van, mit dessen Fahrer ich schon handelseinig war, als ihm einfiel, dass hinten gar kein Platz für mich war. Aber ich musste wieder nicht sehr lange warten, bis ein Kleinwagen hielt, dessen Fahrer zwar nur das Wort "Masca" verstand, was aber ausreichte, dass er mich zu meinem Motorrad brachte. Er unterhielt sich während der Fahrt mit seiner Beifahrerin in einer Sprache, die ich für Russisch hielt.

Über den Tag hinweg war es in Masca richtig voll geworden, jeder verfügbare Platz war mit einem Auto besetzt. Immerhin konnte ich so zwischen den Wagen versteckt in Ruhe wieder meine Lederklamotten anziehen. Da es vor vier Uhr und also noch viel früher war, als ich angenommen hatte, konnte ich ja gut noch eine Runde fahren. Ich hatte sowieso wenig Lust, jetzt bei Hochbetrieb die enge Paßstraße wieder hochzufahren, drum wählte ich die andere Richtung, weiter auf Buenavista zu. Bei seinen Tipps hatte Rainer auch den Abstecher nach Teno Alto empfohlen, und das wollte ich mir nun einmal angucken. Das war wieder eine ziemlich kleine Straße, die mir gut gefiel, von der ich aber nicht sicher war, ob das Ulrike genauso gehen würde. Oben im Ort gab es genau eine Kreuzung und da eine Bar, die sehr alt und urig wirkte, und da ich meinen Wasservorrat bei der Wanderung aufgebraucht hatte, setzte ich mich mit einer Cola vor die Tür. Hier schien sich ganz selten mal ein Tourist hin zu verirren, auf dem Platz trafen sich offenbar nur Einheimische und ein paar Hippies mit langen Haaren und grellbunten Klamotten, an denen die letzten dreißig Jahre auch ohne Auswirkungen vorbeigezogen zu sein schienen. Von hinten aus der Bar erreichte mich der Geruch von Gebratenem, das Wetter war toll, schöner konnte ich mir einen zweiten Weihnachtsfeiertag kaum vorstellen.

die "Ebene" von Teno Alto An dieser Kreuzung war ein Weg Richtung Punta Teno ausgeschildert, und ich wollte doch mal gucken, ob man da denn auch von hier aus hinkonnte. Das ging zunächst über offenes Hügelland ("Macizo de Teno") mit schönen Ausblicken dahin. Zeitweise bestand der Weg allerdings aus einer zwei Meter breiten Betonpiste mit einer Ablaufrinne längs in der Mitte, was das Fahren recht ungemütlich machte, insbesondere in den Kurven musste ich sehr aufpassen. Ich kam an mehreren einzelnen Höfen vorbei, einer davon total verfallen. Der Weg wurde immer steiler und anspruchsvoller, dann stand ich vor einem Schild, das die Weiterfahrt nur noch für autorisierte Fahrzeuge erlaubte, und der feste Belag hörte hier auch auf. Aber wenden konnte ich hier immerhin sehr gut.

Zurück auf der TF-436 beschloss ich, obwohl es inzwischen doch recht spät geworden war, den Kringel über Buenavista und Garachico noch zu fahren. Jetzt inzwischen meldeten sich allerdings meine Beine und meinten, was ich ihnen da heute zugemutet hatte, seien sie nicht gewohnt. Das war aber für einen kurzen Moment wieder vergessen, als mich hinter El Tanque ein Überholer in einer Kurve beinahe von Straße gedrängt hat. Der meinte offenbar, ein Motorrad bräuchte keinen Platz, denn die lange Autoschlange vor mir überholte er dann nicht.

Mit dem letzten Tageslicht am Hotel angekommen, bereute ich beim Abendessen tatsächlich, in Teno Alto den köstlichen Bratendüften widerstanden zu haben. Immerhin schaffte ich es noch, meine müden Knochen zu dem ach so weiten Gang in die Bar nebenan auf ein Bier zu bewegen.

km 24246 - Tagesstrecke 148 km

Di, 27.12.2011

Motorradtreffpunkt vor dem Chinyero Schon um 10 Uhr war das Treffen mit Rainer zum 2. Versuch einer Tour anberaumt, diesmal an einer Tankstelle bei ihm in der Nähe. Zuerst wurde wieder in Santiago del Teide haltgemacht und Kaffee bzw. Cola getrunken. Dann führte er uns weiter Richtung Norden. Kurz vor El Tanque wurde nun aber links abgebogen und bald an einem schönen Aussichtspunkt haltgemacht. Hier hatte man einen tollen Blick hinunter auf die Küste und auf einen Teil der Straße, die wir gleich hinunterfahren wollten. In Tierra del Trigo musste man einmal rechts abbiegen, dann ging es auf kleiner, aber zweispuriger Straße sehr schön eine ganze Reihe Serpentinen hinunter nach Los Silos.

Abfahrt nach Los Silos Unten ging es noch einmal nach Westen, denn auch Ulrike sollte die Punta de Teno noch zu sehen bekommen. Rainer meinte nämlich auch, dass die Schilder mit der Sperrung nur deshalb dort aufgestellt worden waren, damit niemand auf die Idee käme, zu klagen, falls etwas passiere. Auf dem Weg dorthin passierte leider doch etwas, ich erwischte nämlich einen großen Vogel, vermutlich einen Raubvogel. Der kam von links aus der Felswand, nachdem die anderen beiden schon vorbei waren. Ich traf ihn mit dem linken Schienbein und nahm ihn einige Meter weit mit. Dann sah ich ihn im Rückspiegel an der Begrenzungsmauer flattern. Ich war zum Glück nicht schnell unterwegs, hielt sofort an und ging zurück, fand ihn allerdings nicht mehr. Somit hoffe ich, dass er es überstanden hat. Ehrlich gesagt weiss ich auch nicht, was ich gemacht hätte, wenn das arme Tier dort flatternd auf der Straße gelegen hätte...

In Garachico wurde zu Mittag gegessen. Wir fanden ein einfaches Restaurant direkt an der Hauptstraße, wo wir allerdings etwas Mühe hatten, unsere Motorräder irgendwo zwischen die parkenden Autos zu quetschen. Dann bekamen wir für kleines Geld anständiges Essen unter Sonnenschirmen mit Blick auf einen kleinen Turm am Ufer. Direkt daneben hatte man ein Naturschwimmbad zwischen den Felsen eingerichtet, in dem heute auch einiges los war.

Weiter ging die Fahrt nach La Orotava und die TF-21 hoch zum Krater. Die Wolken hatten diesmal etwas gespenstisches an sich, wie ich fand. Aber oben war es wieder umso schöner. Ich träumte so vor mich hin und war dabei wohl etwas zurückgefallen, als ich an die Stelle kam, wo es rechts zur Seilbahn auf den Gipfel abging. Da dachte ich, ich sollte vielleicht etwas mehr Gas geben, damit sich der, der da gerade herunterkam, nicht noch zwischen uns quetschen würde. Aber irgendetwas hielt mich davon ab, das auch in die Tat umzusetzen, und just in dem Augenblick fuhr der Linksabbieger auf der anderen Seite los. Das ABS des Raben funktionierte vorne wie hinten. Aber es hätte nicht gereicht, wenn der andere seinen Irrtum nicht noch im letzten Augenblick bemerkt hätte. Vielleicht ist er ja auch durch das Nicken meines Scheinwerfers auf mich aufmerksam geworden. Da kam mir die Pause kurz danach am Parador, wo die anderen wieder einen Kaffee tranken, jedenfalls gerade recht.

Hinunter ging es die bekannte Route über Vilaflor, und unten bei Adeje trennten wir uns, denn wir mussten ja um 1800 Uhr unsere Maschinen wieder abgeben. Das ging problemlos von statten, wir hatten ja auch mit den Maschinen nicht weiter getan, als sie ein paar Kilometerchen zu bewegen. Nach Aussage von Willi hatten wir dabei für Dezember sensationell gutes Wetter gehabt. Wir haben tatsächlich die ganze Zeit lang nicht einen einzigen Regentropfen abgekriegt. Zum Abschied gab es noch je ein T-Shirt mit Aufdruck, bevor wir wieder in unser Hotel gefahren wurden.

km 24454 - Tagesstrecke 208 km

Gesamtstrecke 2212 km

Mi, 28.12.2011

Die Reise ging nun mit großen Schritten ihrem Ende entgegen. Aber wir hatten genug Zeit, in aller Ruhe zu frühstücken, zu packen und noch einmal an's Meer zu gehen bzw. eine Weile auf dem Balkon zu lesen. Dann hieß es auschecken und auf den Transfer warten, um 1125 Uhr sollten wir abgeholt und zum Flughafen gebracht werden. Jedoch das passierte nicht. Auf dem Aushang der Reisegesellschaft hieß es, man solle sich, wenn nach 15 Minuten niemand gekommen wäre, unter einer bestimmten Telefonnummer melden. Das versuchte Ulrike dann auch, aber die Nummer funktionierte nicht. Gemeinsam mit der Rezeption gelang es ihr aber, jemanden zu erreichen. Sie kam wieder mit der Info, es gäbe a little problem, und in 10 Minuten würde ein anderer Bus kommen. Aber auch diese 10 Minuten waren spanische Minuten und dauerten somit deutlich länger, als unsere (deutschen) Uhren anzeigten. Immerhin war es einigermaßen kurzweilig, an der Bushaltestelle vor dem Hotel zu sitzen und die Leute anzugucken, die da so vorbeikamen. Hauptsächlich natürlich Touristen aus aller Herren Länder, aber einmal auch ein vermutlich obdachloser älterer Mann, der ein mit vielen Gepäckstücken beladenes Fahrrad schob, auf dessen Sattel eine angeleinte Katze saß. Er schimpfte ununterbrochen, ich konnte allerdings nicht ausmachen, ob er seine Katze oder den Hund einer direkt dahinter folgenden Frau damit meinte. Vielleicht meinte er auch die Frau selbst (die ihrer Kleidung nach eine Einheimische oder Touristin sein konnte) oder die Welt ganz im allgemeinen.

Unseren Transferdienst wird er jedenfalls nicht gemeint haben, obwohl uns das am ehesten gerechtfertigt erschienen wäre. Gerade als Ulrike losging, um zum zweitenmal nachzufragen, kam aber doch noch jemand mit einem PKW und brachte uns so mit einer Dreiviertelstunde Verspätung zum Flughafen. Zum Glück war immer noch genügend Reserve, aber mit einem Bus, der unterwegs noch andere Hotels abklappern sollte, wäre es wohl doch knapp geworden.

Der Rest der Rückreise ging ohne besondere Ereignisse von statten, und am Abend waren wir wieder im kalten und gewohnt regnerischen Hamburg.

Fazit

BMW 800 GS

Mit der BMW habe ich mich doch erstaunlich gut arrangiert. Es machte wirklich Spaß, damit zu fahren. Die Leistungen waren in jeder Situation ausreichend, die Maschine leicht zu fahren und deutlich wendiger als Ulrikes kleiner Einzylinder. Ich empfand den Sound zwar als etwas zu laut, aber damit kann man leben. Wahrscheinlich könnte ich mich sogar an die unbequeme Sitzbank gewöhnen, nein, in gewissem Grad habe ich das sogar schon. Nur diese BMW-Blinker fand ich untragbar. Jedes Mal habe ich mich geärgert, wenn ich einen der zahlreichen Kreisverkehre verließ, rechts schön kontrolliert gasgeben wollte und gleichzeitig mit dem Daumen nach dem Blinkerausschalter fummeln musste. Da würde ich bei einer eigenen Maschine glatt die Mühe eines Umbaus auf mich nehmen.

Auf alle Fälle will ich in der nächsten Saison nach dieser Erfahrung unbedingt mal die Yamaha XT 1200 Z Super Téneré ausprobieren...

Teneriffa

Wir fanden dies eine sehr schöne Methode, einen Teil des Winters zu verbringen. Das Wetter hat sich von seiner besten Seite gezeigt (was durchaus nicht immer so sein muss). Die Straßen waren in einem besseren Zustand, als wir das erwartet hatten. So hat das Motorradfahren riesigen Spaß gemacht. Wir würden das zwar im Gegensatz zu unseren oben erwähnten Bekannten nicht jedes Jahr wiederholen wollen, das aber hauptsächlich deswegen, weil es noch genug andere Gegenden gibt auf dieser Welt, die wir noch nicht gesehen haben. Ich würde allerdings bei einer Wiederholung versuchen, eher eine Unterkunft in der Gegend von Granadilla oder Güímar zu bekommen, um einen etwas zentraleren Ausgangspunkt zu haben. Und nach zwei Wochen sind wir im Prinzip alles (mindestens) einmal abgefahren, es wäre also jetzt an der Zeit gewesen, die Motorräder abzugeben und auf andere Arten von Unternehmungen umzusteigen. Aber mit Stadt- und anderen Besichtigungen und vielen Wanderungen könnte man hier bestimmt noch einmal zwei weitere abwechslungsreiche Wochen verbringen...

Literatur und Karten

[1] Kompass Rad- und Wanderkarte Teneriffa 1:50.000, ISBN 978-3-85491-038-1

[2] Baedeker Reiseführer Teneriffa, ISBN 978-3-8297-1073-2

[3] Gebauer, Alfred: "Alexander von Humboldt", Seine Woche auf Teneriffa 1799, Zech Verlag, ISBN: 978-84-934857-6-4

[4] Som, O'Niel V.: "Spanisch Wort für Wort", Kauderwelsch Band 16, Reise Know-How Verlag, ISBN 978-3-89416-480-5

[5] Gawin, Izabella, und Schulze, Dieter: "Spanisch für die Kanarischen Inseln", Kauderwelsch Band 161, Reise Know-How Verlag, ISBN 3-89416-465-4
Es erscheint mir etwas fraglich, ob dieser spezielle Band seine Berechtigung hat. Er enthält zwar ein paar Anmerkungen zu speziellen Gepflogenheiten auf den Kanaren, aber für meinen Geschmack zuwenig über die sprachlichen Eigenheiten, und [4] hat die umfangreichere Vokabelliste.


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