die Fahne von Wales

England und Wales 2010

Unser großer Sommerurlaub sollte dieses Jahr Wales zum Ziel haben. Vor 12 Jahren waren wir auf dem Wege zur Irlandfähre einmal da durchgefahren und hatten uns dieses Land als potentielles lohnendes Reiseziel vorgemerkt. Das barg zwar ein gewisses Wetterrisiko, hatte aber andererseits den Charme, daß ich nicht wie in Frankreich etc. immerzu den Übersetzer spielen mußte.

Der grobe Plan sah so aus: Sonntag Fähre von Esbjerg nach Harwich. Nach Holland war es uns einfach zu weit, bei der längeren Strecke müßte man natürlich auch mehr Reservezeiten einplanen, und die Dänemarkfähre fuhr schön über Nacht mit Kabine und allen Annehmlichkeiten (ja, wir werden wohl langsam alt). Montag bis Freitag von Harwich aus an London vorbei nach Süden, dann ostwärts vielleicht bis Cornwall (soweit waren wir vor 6 Jahren schon einmal gekommen), Freitagnachmittag Ankunft in Birmingham bei meiner Tante. Ab Sonnabend hatten wir in Wales für eine Woche eine Ferienwohnung. Die dritte Woche hoch zum Lake District und irgendwie bis Freitag wieder zurück zur Fähre.

Die Fährverbindungen und die Ferienwohnung waren gebucht, die Verwandtschaft natürlich auch, der Rest würde sich unterwegs schon finden.

Ulrike hatte den Winter über viel Freude daran gehabt, am Computer Touren und Routen auszuarbeiten für das Navigationsgerät. Aber diese Touren waren natürlich, wie sie sich selbst ausdrückte, "nicht in Stein gemeißelt" und könnten bei Bedarf jederzeit abgewandelt werden, was auch tatsächlich oft geschah.

So, 15.08.2010

Die Fähre sollte erst gegen 1800 Uhr abfahren, da hatten wir am Vormittag noch genug Zeit, in aller Ruhe alles zusammenzupacken. Letztes Jahr hatten wir dazu extra einen ganzen Tag Urlaub genommen, diesmal gab es das wegen Wochenende automatisch. Los ging es gegen 1230 Uhr.

Da wir uns über die Benzinpreise informiert hatten, die in Deutschland und England gleich, in Dänemark jedoch höher sein sollten, fuhren wir so los, wie wir waren, um dann mit vollem Tank durch Dänemark zu kommen. Bei Neumünster Süd war es so weit, und da dort ein Autohof ausgeschildert war, folgte ich den Hinweisen. Das war aber verdammt weit, und wenn ich das gewußt hätte, wäre ich bis Neumünster Mitte weitergefahren, da kannte ich eine Tankstelle direkt bei der Abfahrt, das wäre vermutlich annähernd die gleiche Distanz gewesen, nur daß wir jetzt die ganze Strecke wieder zurück mußten.

Kurz nach der Grenze kam endgültig die Sonne durch, und da wir etwas früher losgefahren waren als geplant, nahmen wir ab Haderslev den direkten Kurs über Landstraße, das dauerte kaum länger, weil die Autobahnstrecke einen riesengroßen Knick an Kolding vorbei macht.

Im Bauch der Fähre Im Fährhafen hatten wir ausgiebig Zeit, unsere Mitfahrer zu begucken: Vater und Sohn auf BMW K 1200, eine dänische Goldwing mit zweispurigem Anhänger (sowas habe ich bisher nur in Skandinavien gesehen), ein Pärchen auf Harley mit Owners Group Kutte und schließlich eine alte Vincent Black Prince oder Black Knight aus den Fünfzigern.

Im Schiff wurde es uns überlassen, die Maschinen festzubinden, aber es hingen ausreichend viele Ratschengurte bereit, und Befestigungspunkte im Boden waren auch schön vorhanden, das hatten wir auf anderen Linien schon ganz anders erlebt. Aber es kommt dann eben auch auf das Know-How der Fahrer an, und insbesondere die Goldwing schien uns am Ende nur sehr nachlässig gesichert, zum Glück stand die ganz vornean und konnte keinesfalls gegen unsere Moppeds fallen.

Bei der Abfahrt stellten wir uns hinten an die Reling, von wo wir nicht nur auf Meer und Festland, sondern auch auf das letzte Stück des Fahrzeugdecks hinuntergucken konnten. Und da unten quäkte eine Hupe. Das kennen wir schon von den Autoreisezügen, daß es immer einen gibt, der vergißt, seine Alarmanlage auszuschalten.

Den Rest des Abends genossen wir die Seereise, wobei sich die Qualität des Essens auf diesen Schiffen natürlich immer sehr in Grenzen hält, wenn man nicht große Summen für das Schiffsrestaurant ausgeben will.

Tagesstrecke: 297 km, km 70669 (Start-Kilometerstand: 70372)

Mo, 16.08.2010

In der Nacht hatten wir beide nur schlecht geschlafen, die See war anscheinend unruhiger geworden. Mich störte am meisten das ständige Knarzen von der Plastikverkleidung,

Ulrike sagte, sie hätte eher den Eindruck gehabt, das Schiff hüpfe über die Schaumkronen, und sie sei davon immer wieder wachgeworden. Natürlich macht man sich auch immer etwas Sorgen um die Moppeds, sei es, daß man doch etwas übersehen hat beim Anbinden, sei es, daß die Nachbarn geschlampt haben...

In der Nähe des Fährhafens wird man noch darauf hingewiesen, daß hier Linksverkehr herrscht Aber alles war gut, auch die dänische Einbauküche stand noch, und nachdem wir bei der Ausweiskontrolle als einzige aufgefordert wurden, den Helm abzunehmen, durften wir uns an den Linksverkehr gewöhnen. Das geht nach einer Weile ganz gut, trotzdem meine ich, wenn die Euröpäische Union die Inselbewohner irgendwann einmal zwingen würde, Rechtsverkehr und SI-Einheiten einzuführen, wäre ein gutes Werk getan. Zu Anfang stehen auf den Hauptstraßen überall Schilder mit "Remember to keep left", aber bald schon wich Ulrikes Route auf kleinere Straßen aus, und wir waren mitten in England.

Ich bekam einen durchaus positiven Eindruck von den Geschwindigkeitsbeschränkungen, die mir nicht so überzogen schienen wie andernorts. Vor den Kreisverkehren beispielsweise wird einem in Frankreich ganz genau gesagt, ab wann man 70 und 50 zu fahren hat, und das ist für meinen Geschmack immer viel zu weit vorweg, wobei ich mir eben schon einbilde, sinnig an so eine Stelle heranzufahren. Hier jedoch reicht ein einfaches "Reduce Speed now" aus, das tut man dann auch, und alles ist gut.

Erst später im Verlauf der Reise ist mir aufgefallen, daß man es an anderer Stelle auch etwas lockerer handhabt: Auf das Schild "Doppelkurve, zunächst rechts" folgte mehrfach eine scharfe Linkskurve als erstes. Es gab aber durchaus beide Schilder.

Auffällig waren wiederum die Warnungen vor "Speed Cameras". Diese standen offenbar an allen Stellen, wo man jemals in Erwägung gezogen hat, vielleicht irgendwann einmal eine Geschwindigkeitskontrolle durchzuführen. Aber da wir unser Navi auf Meilenanzeige umgestellt hatten, mußten wir uns relativ wenig Sorgen machen, uns da möglicherweise zu vertun bei der Umrechnung.

Die Ampeln waren auch manchmal etwas gewöhnungsbedürftig: Oft prangte dort ein fettes rotes Licht, welches aber nur für die Rechtsabbieger (über den Gegenverkehr hinweg) galt, für geradeaus und links gab es jeweils einen kleineren grünen Pfeil. Wegen der optischen Dominanz des roten Lichtes fuhr unsereiner zunächst recht zögerlich an so eine Kreuzung heran, die Einheimischen kannten das aber und gaben munter Gas.

Der Dartford Tunnel, den wir vor 6 Jahren schon einmal in Süd-Nord-Richtung gefahren sind und von dem wir wußten, daß er für Motorräder keine Maut kostet, ist in Gegenrichtung eine Brücke, aber ebenso kostenfrei. Hier wurde Ulrike auch klar, warum ihr der Tomtom immer Schwierigkeiten machte: Sie wollte die Navigation auf "Autobahn vermeiden" stellen, hatte aber direkt auf die Brücke/den Tunnel einen Wegpunkt gesetzt, und das war Autobahn, das konnte das Gerät so natürlich nicht planen.

Irgendwann wurde es Zeit, eine Unterkunft zu suchen, so hielt Ulrike vor dem Chequers Hotel in Pulborough, wo wir für 75 GBP ein Zimmer bekamen. Das Gebäude war in seinen ältesten Teilen von 1548, da ging es über eine verwinkelte Treppe und durch niedrige Türen nach oben, aber das Zimmer war ok. Die erste Unterkunft

Vor dem Abendessen gingen wir noch ein paar Schritte spazieren. Gegenüber war eine alte Kirche, die sich Ulrike gerne mal angeguckt hätte, aber sie war verschlossen. Draußen lasen wir an einer Anschlagtafel, daß immer Montagabends alle Glockenschläger der Umgebung, ob mit oder ohne Erfahrung, zu einer Übungsstunde eingeladen waren. Beim Essen konnten wir dann auch hören, daß hier die Glocken offenbar nicht wie bei uns geschwungen, sondern gezielt angeschlagen werden, so daß man darauf so etwas wie eine Melodie spielt, mit vier Tönen zwar nur, aber immerhin.

Schließlich wollte ich noch schnell Reisetagebuch schreiben, mußte dabei aber feststellen, daß unsere deutschen Stecker hier nicht in die Steckdosen passen und ich deshalb die Stromversorgung für den Eee PC nicht benutzen konnte. Eine Weile lang würde ich zwar auf dem Akku arbeiten können, das reicht für ein paar Tage, aber danach ist Schluß, wenn es mir nicht gelingt, einen Adapter aufzutreiben.

Tagesstrecke: 235 km, km 70904

Di, 17.08.2010

Beim Auschecken standen 4 Bier zuviel auf unserer Rechnung, was sich aber problemlos klären ließ.

Auf der Weiterfahrt kamen wir nun öfter mal auf kleinere Straßen, die sich oft zwischen übermannshohen Hecken dahinzogen und nicht viel breiter als ein LKW waren. In einigen Fällen ließ auch der Oberflächenzustand zu wünschen übrig, an einer Stelle konnte man gar nicht genau sagen, ob es sich jetzt um Asphalt oder Schotter handelte.

Gestern ist ja Ulrike vorausgefahren, und vor einer Kurve hat sie unerwartet früh und unerwartet heftig gebremst, dann habe aber auch ich das Eichhörnchen vor ihr auf der Straße herumhüpfen gesehen. Heute war es nun an mir, unvermittelt Gas wegzunehmen, weil links im hohen Gras etwas war, was ich aufgrund seiner Höhe zuerst für die Ohren eines Kaninchens gehalten hatte, sich beim Näherkommen aber als schönes Goldfasanenmännchen herausstellte.

In Petersfield war Tanken angesagt, und die Regensachen konnten wir bei der Gelegenheit auch gleich auspacken, denn es fing nun leicht zu tröpfeln an.

Im New Forest Nachdem wir uns durch Southampton gequält haben (möglicherweise sollte ich Ulrikes Routen mal darauf überprüfen, daß nicht durch zu große Städte gefahren wird), kamen wir in den sogenannten New Forest. Dabei handelt es sich nämlich nicht um Wald, sondern ein Heidegebiet, in welchem unter anderem auch halbwilde Pferde anzutreffen sind. Diese Tiere können hier auf mehreren hundert Quadtratkilometern frei herumlaufen. Da das Gebiet jedoch von mehreren Straßen durchzogen wird, hat man an den Grenzen besondere Metallgitter, die "Cattle Grids", in die Straße eingelassen, über welche diese Huftiere nicht gehen können. Über dieses Gitter fuhr ich nun mit leichter Schräglage und kam kurz in's Rutschen, war aber flott genug, daß ich schnell drüben ankam und der Hinterreifen wieder fasste.

Einen kurzen Moment lang fuhren wir hinter einem Auto mit beladenem Pferdeanhänger her. Da sah ich vor meinem inneren Auge einen Film ablaufen, in dem eine Herde Wildpferde dieses Gespann umringt und so zum Anhalten zwingt, zwei Tiere gehen nach hinten, öffnen mit ihren Mäulern die Klappe und laden ihren Artgenossen ein, zusammen mit ihnen hier in Freiheit zu leben...

Während der Stadtdurchfahrt von Bournemouth (ich mußte das wohl tatsächlich mal kontrollieren!) konnten wir die Regensachen wieder ausziehen.

Bevor wir mit Exeter durch die dritte größere Stadt des Tages kamen, bog ich von der Haupstraße ab nach Ilminster und fand dort das B&B Herne Lea Guest House, wo wir 65 GBP für ein Zimmer mit Frühstück bezahlen sollten. Die Motorräder konnten wir in den Vorgarten stellen. Unser Wirt guckte und beim Rangieren zu und fragte uns anschließend, warum wir japanische Fabrikate und keine deutschen BMWs führen. Die Erklärung "sieht nicht schön aus" überzeugte ihn nicht, "zu teuer" aber tat es.Zum Abendessen gingen wir in den Ort und aßen in einem Pub gebackene Shrimps. Dazu gab es hier in England nicht nur Salat, sondern auch Chips und Erbsen. Im Laufe der Reise stellten wir fest, daß der Engländer anscheinend zu allem Chips und Peas braucht, sogar zu Reisgerichten bekamen wir dies einmal als Beilage.

Tagesstrecke: 299 km, km 71203

Mi, 18.08.2010

Das Frühstück nahmen wir zusammen mit einer Familie mit Kleinkind ein, und dieses Kind war ganz begeistert von unseren Motorrädern, weswegen das Ausparken der Maschinen sich zu einer kleinen Vorführung ausweitete. Aber wir kamen trotzdem schon um 1000 Uhr los.

Typische englische Kleinstraße mit hoher Hecke Die nun anstehende Umfahrung von Exeter wurde wieder auf ganz kleinen Straßen absolviert, auch wenn wir auf diese Weise nicht viele Kilometer machen konnten. Denn zwischen diesen Hecken konnte man nicht schnell fahren, es konnte ja immer mal jemand entgegenkommen. Das geschah auch tatsächlich öfters mal, was manchmal dazu führte, daß wir unseren linken Koffer gegen die Hecke lehnen mußten, während sich der Autofahrer ganz vorsichtig an uns vorbeitastete.

Die Wildpferde im Dartmoor sind gar nicht scheu Schließlich kamen wir in das Dartmoor. Das ist eine ähnliche Gegend wie der New Forest: Heide mit frei herumlaufenden Pferden. Hier wurden wir mit einem Schild "Sheep lying on the Road" begrüßt, aber leider auch von Regenwolken. So holten wir auf einem Parkplatz wieder das Regenzeug heraus, bekamen hier aber auch eine Herde Wildpferde ganz nahe zu sehen.

Auf der Weiterfahrt standen jetzt öfter mal Mauern statt Hecken zwischen den Weiden, nun waren wir ja auch schon in Cornwall. Wir hatten unterwegs entschieden, an die Küste zu fahren und dort den Nachmittag und Abend zu verbringen. Vor 6 Jahren waren wir in Polperro gewesen, was uns sehr gut gefallen hatte, diesmal fiel unsere Wahl auf den Ort Looe.

Dort fuhren wir direkt zum Hafen und fanden da auch ein B&B, wo uns jedoch niemand öffnete. Aber direkt daneben gab es das Harbour Moon, und dort bekamen wir für 60 GBP ein Zimmer. Für diesen Preis war das naturgemäß etwas einfacher, mit Toilette draußen auf dem Flur. Aber wir brauchten ja eigentlich nur ein Bett. Am Abend mußten wir allerdings feststellen, daß es mit der Hygiene auch nicht besonders weit her war, wir fanden nämlich einen abgeschnittenen Fußnagel auf dem Teppich...

Zuvor wurde aber natürlich der Ort erkundet. Alles war voller Touristen, und das Angebot der Läden am Hafen orientierte sich anscheinend auch daran. Der Renner der Saison waren offensichtlich gewisse Angel-Sets, mit denen die Kinder nach Krebsen fischten. Dazu wurde etwas, das aussah wie ein großer Teebeutel, an einer Schnur befestigt und von der Hafenmauer auf den Grund (den man sehen konnte) gelassen. Nach einer Weile zogen sie es wieder hoch, und mit ihnen zwei bis drei Krebse, die sich an den Beutel klammerten. Ein Eimer für den Fang gehörte natürlich dazu, nach einigen Versuchen wurde die Beute dann wieder zurückgekippt.

Das Wasser war auch überhaupt nicht tief, und der Hafen, der durch einen Flußlauf gebildet wurde, lief bei Ebbe fast leer. Die Boote, die hier lagen, hatten deshalb oft ein paar Balken lotrecht an ihre Bordwand gelascht, damit sie nicht umkippten. Und für einige wenige Boote gab es sogar ganze Balkengestelle, in welchen man bei entsprechend hohem Wasserstand hineinfahren konnte.Bei Niedrigwasser läuft der Hafen von Looe fast leer

Nach dem Abendessen gingen wir an die Küste und dehnten bei dem inzwischen wieder richtig schönem Wetter unseren Spaziergang noch bis zum Nachbarort aus. Auf dem Rückweg beobachteten wir unten am Strand bei der Einfahrt einen Traktor, der zuerst so aussah, als müsse der Fahrer das Rückwärtsfahren mit Anhänger noch üben. Platz genug hatte er ja, aber davon machte er auch reichlich Gebrauch. Draußen wartete das Boot der Lifeboat-Station offenbar darauf, daß er sich für eine Stelle entschied, aber plötzlich fuhr der Fahrer ins Wasser, und zwar richtig tief hinein. Das ging so weit, daß nur noch das Führerhaus zu sehen war, die Scheinwerfer leuchteten unter Wasser, und dann fuhr er doch glatt um den kleinen Leuchtturm an der Mole herum in den Hafen hinein, im Fahrwasser. Da das Boot draußen in aller Ruhe hinterhertuckerte, handelte es sich offenbar um eine Art Übung der RNLI. Und richtig: Im Hafen, wir waren inzwischen auch wieder dort angekommen, wurde das Boot dann aufgeladen, an Land gezogen und ordentlich vom Salzwasser gereinigt. Und dieser Traktor war natürlich speziell dafür gebaut worden, in ca. 2 Meter tiefem Wasser noch fahren zu können.

Tagesstrecke: 174 km, km 71378

Do, 19.08.2010

Zum Frühstück mußten wir durch ganz leichten Regen hinüber zum Nachbarhotel ein paar Häuser weiter gehen. Dabei fiel uns wieder einmal positiv auf, daß hier auf dem Buffet wie zuvor auch schon überall frischer Obstsalat angeboten wurde, nicht etwa gezuckertes Obst aus der Dose. Es gab in England also durchaus auch kulinarische Annehmlichkeiten.

Die typischen Telefonzellen sollen alle ersetzt werden, aber noch gibt es sie überall Während des Packens hörte das Nieseln draußen auf, und wir kamen wie üblich 1030 Uhr los. Zunächst ging es weiter Richtung Westen, und wir überquerten den Fowey auf einer kleinen Fähre. Diesmal hatten wir jedoch nicht vor, ganz bis in die Spitze zu fahren, sondern bogen bald nach Norden ab, um den Bristol Channel zu erreichen. Auch hier ging es teilweise wieder über ziemlich kleine Straßen, direkt an der Küste entlang führten diese aber nie. Deswegen beschloß ich spontan, als ein Wegweiser nach Port Isaac auftauchte, noch einmal einen kleinen Abstecher zu machen.

Den Besucherparkplatz am Ortsrand haben wir ignoriert, denn wir wollten natürlich in den Motorradklamotten keine weiten Wege laufen. Den Hinweis, daß die Straße sehr eng sei, nahmen wir interessiert zur Kenntnis. Aber wie eng das dann tatsächlich wurde, überraschte uns dann doch. Die Gasse war fast schon zu schmal für den PKW, der uns darin entgegenkam. Und die Häuserwände waren eben auch keine Hecken, in die man seinen Seitenkoffer notfalls mal etwas hineindrücken konnte. Außerdem ging es so steil abwärts, daß an ein Hin- und Herrangieren überhaupt nicht zu denken war, es gab für uns nur eine Richtung: Vorwärts. Garniert wurde das ganze mit mehr Touristen, als man normalerweise an einem sonnigen Sonnabendvormittag in einer deutschen Fußgängerzone antrifft. Uff!

Unten angekommen fand sich absolut keinerlei Platz, wo wir die Moppeds hätten abstellen können. Die einzige Möglichkeit wäre die Rampe der dortigen Lifeboat-Station gewesen, und weil dort auch gerade Leute herumwerkelten, hätte das höchstwahrscheinlich Ärger gegeben. Also auf der anderen Seite wieder in gleicher Weise wieder hinauf. Außer einem kurzen Seitenblick auf den Hafen hatte die ganze uns Aktion somit nichts eingebracht. Erst oben außerhalb der Ortes konnten wir anhalten und zurückgucken auf die obersten Dächer und das Meer dahinter.

In Boscastle Später haben wir in Boscastle nicht weit von der Küste bei einer pittoresken Mühle nochmals angehalten, aber weil hier wieder mal leichter Nieselregen einsetzte, haben wir keine lange Pause eingelegt. Auf der Folgestrecke wurden wir durch Schilder vor einer Menge "Overtaking accidents" in den letzten Jahren gewarnt. Bald war uns auch klar, warum man meinte, diese aufstellen zu müssen. Vor uns fuhr nämlich ein Schleicher in einem alten Landrover mit weniger als 40 Meilen, der mußte also vor ein paar Jahren hier in die Gegend gezogen sein.

Weil es heute immer, wenn wir irgendwo anhalten und eine Pause machen wollten, zu nieseln anfing, wurde vereinbart, daß ich für die nächste Pause ein richtiges Café suchen sollte, wo wir drinnen sitzen konnten. Das fand sich auch irgendwann in Gestalt eines Besucherzentrums einer großen Imkerei, wo es eine kleine Ausstellung, einen großen Verkaufsraum und ein riesiges Schnellrestaurant gab ("Coaches welcome!"). Daraufhin hat man sich oben im Himmel wohl gesagt: "Nun gut, auch wir können anders", denn jetzt gab es richtig Regen! Und der hörte auf der Weiterfahrt auch nicht wieder auf.

Die vom Navi angezeigte Tankstelle in Exford war nicht existent, in Wheddon Cross fanden wir die nächste, das war aber eine ganz kleine, die nicht einmal ein Dach über den Zapfsäulen hatte.

Ein paar hundert Meter weiter sah ich aus dem Augenwinkel das Wort "Hotel" und zog spontan die Bremse, denn ich hatte keine Lust mehr, und Ulrike ging es genauso. So betraten wir triefend die Lobby und fragten eine kleine Frau, ob sie wohl ein Zimmer für zwei quatschnasse Biker hätte. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und bekamen ein schönes Zimmer für 84 GBP. Diese Hotel, das Exmoor House, warb insbesondere mit "TV free rooms" und gesundem Essen aus lokaler Produktion, und wirklich bekamen wir ein ganz klasse Essen (Geflügel im Teigmantel), das seinen Preis absolut wert war, und wurden auch sonst sehr freundlich bewirtet.

Tagesstrecke: 226 km, km 71604

Fr, 20.08.2010

Die ganze Nacht hatte es geregnet, jetzt wurde es so langsam weniger, aber wir fuhren sicherheitshalber noch mit Regensachen los. Eigentlich lag unser Hotel ja mitten im Exmoor, dem dritten Heidegebiet mit Wildpferden hier, davon war aber auf unserer Route (wir sind aber ja wegen des Tankens von der Planstrecke abgewichen) nichts zu sehen.

Als es endgültig trocken wurde, sollte das gestern wegen des Wetters unterlassene Prüfen des Reifendruckes nachgeholt werden. Das schien übrigens überall in England 20 Pence zu kosten.

Bei der östlichen Umfahrung der Stadt Bristol fuhren wir zunächst entlang einer weithin sichtbaren Hügelkette, dann durch sie hindurch, während ansonsten die Landschaft keine besonderen Höhepunkte bot. Zum Ausgleich mußten wir aber wieder einmal die Regensachen herausholen und auch bis Birmingham anbehalten.

Hier wurden die Motorräder in die Garage gestellt, ein Luxus, den sie von Zuhause her nur in den Wintermonaten gewöhnt sind. Dann setzten wir uns mit meiner Tante und ihrem Mann zusammen, die wir ja vor sechs Jahren zum letzten Mal gesehen hatten. Nacheinander guckten auch meine beiden Cousinen mit einem Teil ihrer Kinder kurz vorbei.

Tagesstrecke: 264 km, km 71868

Sa, 21.08.2010

Auch am Morgen wurde natürlich noch mit der Verwandtschaft geklönschnackt, los kamen wir erst um 1230 Uhr. Da es schon den ganzen Vormittag immer mal tröpfelte, zogen wir die Regensachen gleich an. Das war auch ganz richtig so, denn aus einem bißchen Regen wurde sehr bald heftiger Regen. In einem größeren Ort unterwegs ging ich zum Einkaufen (wir mußten uns in unserer Ferienwohnung ja selbst verpflegen) in einen Superstore und zog dort in meiner Regenmontur einige Blicke auf mich (in England gehen die Leute ja bei leichtem Regen oft ganz ohne Jacke und Schirm los), aber das war mir egal, hier kannte mich ja keiner.

Auf der Weiterfahrt gerieten wir hinter ein Wohnmobil, das hinten die Aufschrift "Auto Sleeper" trug und das so langsam fuhr, daß ich schon vermutete, diese Bezeichnung bedeute, daß jeder Fahrer automatisch einschlummert, sobald er sich hier hinter das Lenkrad setzt. Aber mit kräftigen Motorrädern kann man so etwas zum Glück rasch hinter sich lassen.

In Clun wurde getankt, inzwischen hatte der Regen aufgehört, und geradeaus sah der Himmel recht freundlich aus, also konnten die Regensachen wieder ausgezogen und verstaut werden.

Und die Landschaft wurde immer schöner, hügelig mit grünen Weiden, dazwischen Hecken, Bäume und kleine Waldstücke, das gefiel uns sehr gut.

Willkommen in Wales! Gegen 1600 Uhr konnten wir dann auf der New Cwm Farm (was immer das heißen soll) unsere Ferienwohnung übernehmen. Es handelte sich um eine nette kleine Wohnung im Obergeschoß des Bauernhauses, durch eine außenliegende Treppe zugänglich. Ein Schlafraum mit kleiner Sitzecke und sehr kleinem Schreibtisch, eine große voll eingerichtete Küche mit Eßecke und ein Badezimmer mit geräumiger Dusche. Die Besitzerin sagte, wir seien die ersten Motorradfahrer hier, und sie, ihr Mann und Sohn seien früher selbst Motorrad, die Männer sogar Rennen, gefahren.

Da in der Küche auch eine Waschmaschine eingebaut war, haben wir als erstes eine Ladung Wäsche gewaschen, denn eigentlich war geplant, irgendwann zur Wochenmitte notfalls einen Waschsalon ausfindig zu machen, das war jetzt nicht mehr erforderlich. Es folgte ein kleiner Spaziergang durch die Umgebung, die einen äußerst friedlichen Eindruck machte. Dann wurde selber gekocht, jetzt gab es erstmal keinen Grund mehr, irgendwas gegen die englische Küche zu sagen.

Tagesstrecke: 105 km, km 71973

So, 22.08.2010

Heute wurde der Urlaub nun zum erstenmal richtig ausgekostet, wir haben bis 1000 Uhr in den Federn gelegen, um dann beim Frühstück die Aussicht auf die umliegenden Hügel bei blauem Himmel mit nur einigen weißen Wolken zu genießen. Der friedliche Eindruck setzte sich fort, die einzigen Geräusche kamen von Schafen auf den umliegenden Weiden (nachdem Ulrike die Batterie aus der Küchenuhr genommen hatte, deren Ticken ihr akustisches Wohlempfinden störte). Da wir aber diesmal ja nichts zusammenpacken mußten, kamen wir trotzdem um 1130 Uhr los.

In Newtown fanden wir zudem einen Supermarkt, der auch am heutigen Sonntag geöffnet hatte, da konnten wir die Dinge, die ich gestern vergessen hatte (Teebeutel zum Beispiel), noch schnell nachkaufen.

Alle Schilder sind hier zweisprachig Daß wir jetzt in Wales waren, konnten wir deutlich daran sehen, daß hier alle Straßenschilder zweisprachig waren, da stand also nun nicht nur "Reduce speed now", sondern dazu auch noch "Arafwch nawr". Wenn man das so liest, glaubt man zu wissen, warum das Walisische es nie in die Riege der Weltsprachen geschafft hat, ich jedenfalls habe keine Ambitionen, eine solche Sprache einmal zu lernen.

Ein erster Halt an den Wasserfällen des Mynach-Baches schien nicht so vielversprechend, man hätte Eintritt bezahlen und etliche Treppenstufen steigen müssen, dazu hatte Ulrike schon vor einem Monat im Schwarzwald wenig Lust gehabt. Also fuhren wir recht schnell wieder weiter.

Irgendwo unterwegs hätte ich fast eine schwarze Katze überfahren, die ganz kurz vor mir noch schnell über die Straße wollte. Na, das hätte vielleicht Unglück gegeben - für die Katze hauptsächlich.

Die Landschaft war die ganze Tour über richtig nett. Irgendwann überquerten wir ein höheres Gebirge, was man in der Hauptsache daran merkte, daß es keine Hecken und Bäume mehr gab, die Form des Terrains wie auch der Charakter des Straßenverlaufs blieb im Wesentlichen gleich.

Auf der anderen Seite wurde der Himmel richtig klar blau, und wir kamen bald in Aberaeron an das Meer.

Dieser Küste folgten wir ein ganzes Stück weit nach Norden und konnten uns immer wieder an tollen Ausblicken auf blaue See und noch blaueren Himmel links erfreuen. Kurz mußten wir zwar nach Machynlleth ins Landesinnere ausweichen, weil man einen Fluß erst dort überqueren konnte, aber auf der Nordseite kehrten wir noch einmal zur Küste zurück, bevor es Zeit wurde, sich wieder auf den Heimweg zu machen.

Zurück ging es auf etwas größeren Straßen, die sich aber auch schön fahren ließen. Wieder angekommen, mußten wir feststellen, daß auf das englische Wetter kein Verlaß ist: Über unserer Ferienwohnung war der Himmel zwar wieder völlig zugezogen, aber heute hatten wir mal keine Gelegenheit bekommen, die Dichtheit unserer Regensachen zu testen.

Als ich nachher noch einmal zum Mopped ging, um den Kilometerstand aufzuschreiben, sah ich die wuscheligste Katze, die ich bisher je gesehen hatte. Dreifarbig und unglaublich pelzig, mit einer gerade gefangenen Maus im Maul, kam sie immerzu maunzend den Weg hoch, verschwand dann aber bei den Ställen.

Tagesstrecke: 316 km, km 72289

Mo, 23.08.2010

Ausblick von unserer Unterkunft Beim Frühstücken regnete es, und das hörte beim Abwaschen auch nicht auf, so setzte Ulrike sich mit einem Krimi in die Fensternische, und mir gelang es zusammen mit unserer Wirtin, den mitgebrachten Eee PC an das Wi-Fi (WLan) anzuschließen. Die Information in den Visitor's Informations waren nicht richtig, aber drüben auf dem Hub waren die richtigen Zugangsdaten freundlicherweise aufgedruckt. Und auch einen Adapter für die Stromversorgung bekam ich geliehen.

Gegen 1400 Uhr schien sich das Wetter bessern zu wollen, und uns zog es mit Macht auf die Straße. Gleiches galt aber offensichtlich auch für zahllose Waliser, denn in Newtown war Stau, den wir, weil unsere Tanks leer waren, auch noch gleich in beide Richtungen durchmessen mußten, da die Tankstelle nicht auf unserer Route lag. Kurz nach Ortsausgang hatte das Wetter seine guten Absichten dann auch noch wieder aufgegeben. Nach dem Anziehen der Regenklamotten bekamen wir dermaßen Wasser auf's Haupt, daß ich schon beschlossen hatte, in Llandrindod Wells die Weiterfahrt zu verweigern (heute hatte ich das Navi) und statt dessen das National Cycle Museum zu besuchen. Aber bevor es soweit kam, hörte es doch auf, und sogar die Sonne kam hervor.

Also zogen wir das Regenzeug wieder aus und genossen eine schöne Tour durch den Südwesten, wenngleich diese aufgrund unseres späten Aufbruchs doch etwas gekürzt werden mußte und also auch nirgends mehr an die Küste reichte. Aber das machte gar nichts, diese Hügellandschaft mit von Hecken und Bäumen durchzogenen saftig grünen Weiden hier zählt zu meinen persönlichen Favoriten.

"Fluffy" läßt es sich wohl sein Irgendwann schloß sich der Kreis wieder in Llandrindod Wells. Hier sollte in dieser Woche ein Victorian Festival stattfinden, wo laut unserem Reiseführer die Leute in Kostümen aus der Zeit herumlaufen sollten. Was uns aber geboten wurde, hatten wir auch schon vorher bei Frauen in England öfters zu sehen bekommen: Über einem nennen wir es mal ausladendem Hintern stramme Leggins, die jede Speckfalte deutlich werden lassen, darüber ein höchstens handspannenbreites Flatterröckchen, welches nichts davon gnädig verdeckt. Viktorianisch war das nicht, und ästhetisch ebensowenig.

Am Rande der New Cwm Farm begegnete uns ein Schaf auf der falschen Seite des Zaunes, und wir sagten unserer Wirtin schnell Bescheid. Die Katze, die Ulrike ihres Felles wegen "Fluffy" getauft hat, war auch wieder da und ließ sich diesmal genüßlich von uns streicheln.

Tagesstrecke: 241 km, km 72530

Di, 24.08.2010

Beim Frühstück konnten wir aus dem trockenen Gebäude heraus beobachten, wie der Wind einen Regenschauer mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch das Tal trieb, deutlich sichtbare Regenflagen zogen über die Wiesen, und nach einer Viertelstunde war der Spuk vorbei. Wir waren uns einig, daß man mit solchen Schauern halt immer mal rechnen muß, diese Art Unwetter aber rechtzeitig vorher sieht und das deshalb kein Grund sein kann, "zuhause" zu bleiben, und schwangen uns auf die Maschinen.

Der Mount Snowdon ist gerade nicht zu sehen Nicht allzu weit hinter Newtown war es dann auch so weit, daß es vor und richtig finster wurde. Das war aber leider kein lokaler Schauer, sondern eine größere Angelegenheit, wir fuhren eine richtig lange Strecke im Regen. In Bontddu bei Dolgellau machten wir Pause in einem Inn, wo es von drinnen nach einer Weile so aussah, als wolle es aufklaren, aber das täuschte. So haben wir auch von der A496 längs der Küste kaum etwas mitbekommen. Vielmehr hatte ich bei einem Tankstop wieder mal ohne Dach große Mühe, die Kilometerstände einigermaßen trocken auf dem Beleg zu notieren. Erst als wir die "großen" Pässe fuhren und an einem Parkplatz hielten, von dem man theoretisch Sicht auf den Mount Snowdon hätte haben können, hatte der Regen kurz vorher aufgehört. Aber der Blick auf die Bergspitze wurde durch tiefhängende Wolken verdeckt, lediglich eine Steintafel zeigte uns, wo der größte Berg Großbritanniens eigentlich hätte zu sehen sein sollen.

Immerhin begann der Regen nicht sofort wieder von neuem, und an einer Stelle kam sogar die Sonne durch ein Loch in der Wolkendecke, um durch einen Regenbogen darunter einen hellen Fleck auf den Berghang direkt in Fahrtrichtung zu malen. Aber wie das so ist, in dieser Situation konnten wir nirgendwo anhalten, um die Kamera hervorzuholen und dieses Lichtspiel für die Zuhausegebliebenen festzuhalten, und als wir es endlich konnten, da war der Fleck zwei Sekunden später unwiederbringlich fort.

Den ganzen Rückweg lang behielten wir die Regensachen an, und diese Vorsicht war nicht völlig unbegründet, denn so ein ganz paar Tropfen trafen uns unterwegs immer mal wieder. Man konnte auch immer mal wieder riechen, daß in Wales noch oft mit Kohle geheizt wird, das roch allerdings nicht ganz so markant wie in der alten DDR. Zurück auf unserer Farm konnte man anhand der Rauchwolken auch ganz gut sehen, wo noch überall im Tal Häuser standen.

Das Wort "Cwm" von unserer Behausung muß wohl irgendetwas bedeuten, denn wir kamen heute irgendwann an einem Wegweiser vorbei, der nach "Cwm Llwm" führte. Daraufhin habe ich am Abend mal etwas im Internet recherchiert (ich bleibe eben doch ein Sprachenfreak) und erfahren, daß das "w" eigentlich ein Vokal ist und wie unser "u" ausgesprochen wird. Dieser Ort unterwegs hieß dann soviel wie "kahles Tal" und unsere Behausung ist die "Neue Tal-Farm". Richtig neu war sie allerdings nur im Jahre 1810 und in den Jahren danach immer weniger...

Tagesstrecke:302 km, km 72832

Mi, 25.08.2010

Nach meinen gestrigen Abfragen der Wetterberichte schien mir, daß heute die Chancen auf Trockenheit im Norden von Wales etwas besser stehen könnten als im Süden. Da wir aber nur noch vorgeplante Touren in südwestlicher Richtung in der Tasche hatten, habe ich spontan für Ulrike eine Seentour zusammengestellt. Diese führte uns zuerst an den Llyn Efyrnwy, einen Stausee mit einer sehenswerten alten Staumauer aus dunklen Steinblöcken mit mehreren kleinen Türmchen oben auf der Krone.

Verwunschene Ecke Weiter ging es auf der Straße südlich am See entlang, wir hätten aber genausogut die andere am nördlichen Ufer nehmen können. Als echte Entdeckung erwies sich dann die kleine Straße, die vom Nordwestende dieses Sees in Richtung auf Bala führt. Hier ging es hoch ins Gebirge und an schönen heidebewachsenen Tälern entlang, es waren wieder weite Bereiche mit Cattle Grids abgesperrt, und mehrfach mußten wir anhalten und ultraschöne Aussichten und Anblicke genießen.

Kurz vor Bala wurden die Straßen wieder größer, einen zweiten See ließen wir links liegen. Der dritte See in der Reihe, der Tryweryn (auch ein Stausee, aber mit moderner Betonmauer), war längst nicht so schön und uns deshalb keinen neuen Stop wert.

Wieder ging es weit hoch ins Gebirge, und irgendwo oben haben wir spontan beschlossen, bei dem schönen Wetter nochmal den Snowdon zu versuchen und die Tour entsprechend zu verlängern. Ein vierter See hinter Trawsfynydd war nur kurz zu sehen, aber auf dem Weg zum Mount Snowdon kamen noch zwei weitere Seen, die wir gestern im Regen gar nicht richtig würdigen konnten.

Der Snowdon war diesmal auch sichtbar, obwohl hier jetzt auch Wolken standen, aber höher als gestern. Um den Berg herum flog ein Hubschrauber, und wir dachten schon, ob sie dort jemanden suchen würden, denn wir hatten im Reiseführer von etlichen verunglückten Touristen jedes Jahr gelesen, aber es war wohl nur eine Sightseeing-Tour, die Kreise waren dann doch zu groß für eine Suchaktion.

Zwischendurch wurde die Route einmal kurz verlassen, um eine Tankstelle aufzusuchen. Dabei mußten wir an einem Bahnübergang halten und eine Dampfeisenbahn vorbeilassen. Das ging leider zu schnell, um die Kamera hervorzuholen, weil ich darauf auch nicht vorbereitet war, obwohl ich im Reiseführer gelesen hatte, daß Wales als das Dorado der Dampfeisenbahnen gilt. Hin und wieder hatten wir unterwegs auch schon mal entsprechende Hinweisschilder gesehen, uns aber bislang nicht weiter darum gekümmert.

Auf dem Rückweg sah es im Ort Betws-y-Coed wieder mal sehr touristisch aus, und wir erinnerten uns an zahlreiche Versprechen, Postkarten zu schicken. Es gab im Ort sogar einen speziellen Parkplatz für Motorradfahrer, auf dem bereits eine zweite Honda CB 1300 SA stand, rot-weiß wie meine. Natürlich wechselten wir ein paar freundliche Worte mit dem Fahrer, dessen Anreiseweg mit 150 Meilen deutlich kürzer war als unserer.

Auf dem Rückweg nach Süden wurde es wieder immer dunkler, so daß wir irgendwann die Regensachen herausholten, was sich auf den letzten 30-40 Meilen auch als goldrichtig erwies, wir kamen patschnass wieder bei unserer Ferienwohnung an.

Tagesstrecke: 298 km, km 73130

Do, 26.08.2010

Regentag So, wie das Wetter gestern aufhörte, ging es heute weiter - mit Regen. Da haben wir dann lieber noch eine Waschmaschine angeworfen und den Tag mit Lesen und Schreiben des Reisetagebuches verbracht.

Zwischen durch habe ich mal aufgeräumt und bemerkt, daß auf der Tüte mit den Kerzen, die ich gestern Abend als Gegenmittel gegen den dunklen Regenhimmel angezündet hatte, "Emergency Candles" draufstand, die waren wohl für Stromausfälle bestimmt.

Irgendwann am späten Nachmittag wurde eine Münze geworfen, wer denn nach Newtown zum Einkaufen fahren mußte, und da die Königin unten zu liegen kam, durfte Ulrike dableiben. Nach Newtown ging es über einen kleinen Paß, wo zu dem Regen auch noch Nebel kam, der überall hineinkroch und mir sofort das Gefühl gab, in meinem Helm jetzt Fische züchten zu können. Und es war auch interessant anzusehen, als auf der anderen Seite die Schwalben auf Höhe der Vorderradnabe vor mir über die Straße zwischen den Hecken entlangflitzen. Das weckte Erinnerungen an eine Kajakfahrt auf der Dordogne vor vielen Jahren, wo nach einem Regenguß diese tollen Vögel auch vor uns über die Wasseroberfläche jagten und Ulrike plötzlich ausrief: "Höher, ihr Mistviecher!"

Tagesstrecke: 29 km, km 73159

Fr, 27.08.2010

Heute schien wieder die Sonne!

Dafür mußte vor der Abfahrt erst einmal etwas gebastelt werden, denn bei Ulrike muß gestern unterwegs ein kleines Steinchen in den Navihalter gefallen sein. Da sich damit das Gerät nicht mehr einstecken ließ, Ulrike heute aber dran war mit dem Vorwegfahren, mußten wir den Halter also erst abbauen, umdrehen und das Steinchen mit einem Zahnstocher herauspulen.

Dann gab es wieder mal eine südwestliche Runde ohne Meeresküste, die uns aber trotzdem wie gewohnt durch schöne Gegenden führte.

The Griffin Inn Irgendwann machten wir bei einem Pub Pause und stellten unsere Maschinen neben zwei schon dastehende BMWs. Während ich noch unsere Handschuhe und Nierengurte in den Tankrucksack steckte, kamen die Besitzer zurück. Der Fahrer der 1200er GS guckte auf mein Kennzeichen und sagte zu mir: "You should be riding this one." Offenbar meinte auch er, als Deutscher müsse ich doch ein deutsches Fabrikat fahren, mit mir tauschen wollte er allerdings nicht. Ich hätte auch lieber die alte /5 seines Kumpels genommen, aber auch nur zusätzlich zu meiner CB, nicht anstatt.

In diesem Pub (übrigens nicht dem Griffin Inn, sondern direkt daneben) gab es sehr leckere selbstgemachte Schoko-Muffins.

Kurz vor Ende der Tour erwischte uns doch noch ein kurzer Schauer, 30 Meilen vor dem Ziel, der dauerte aber nicht lange, wir sind schon wieder trocken angekommen. Es folgte zwar bald danach noch ein weiterer Schauer, aber da waren wir ja schon wieder drinnen mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt.

Tagesstrecke: 302 km, km 73461

Sa, 28.08.2010

Unsere gebuchte Woche war vorüber, nun sollte es wieder samt Gepäck weitergehen. Deshalb sind wir heute extra früh aufgestanden, aber es dauerte noch einen Moment, bis wir uns von der Farm und ihren schönen Aussichten losreißen konnten, zumal jetzt auch wieder die Sonne schien.

Mittlerweile kannten wir auf der Strecke nach Newtown, mit der auch alle unsere Touren begannen, schon fast jeden Krümel mit Vornamen, und davon lagen einige in den Kurven. Was wir aber noch nicht kannten, war das Rind, das unterwegs zwischen den Hecken auf der Straße stand. Von unserer Seite aus war es auch noch recht früh zu sehen, aber plötzlich kam aus der Gegenrichtung so ein moderner Geländewagen geschossen, dessen Fahrer ganz schön bremsen mußte.Aber alles ging gut, der elegant verchromte Kühlerschutz-Rohrrahmen des Fahrzeuges wurde nicht seiner funktionalen Bestimmung zugeführt, aber der Fahrer machte das Zeichen des Stirnabwischens, als er uns passierte.

Typische kleine Straße in Wales Wir wollten zunächst noch einmal nach Norden ans Meer, bevor es Zeit war, Wales endgültig zu verlassen. Dabei gerieten wir irgendwann wieder mal auf ganz kleine Straßen, die diesmal so wenig befahren waren, daß sich in der Mitte auf dem Asphalt schon ein kleiner Grünstreifen gebildet hat. Das machte das Fahren recht schwierig, mit dem Reifen gerade noch in der linken Spur, mußte man oft schon aufpassen, nicht mit Spiegel oder Koffer in der Hecke zu landen. Aber es kam noch besser: Der Asphalt verschwand, und vor dem unbefestigtem Weg stand ein Schild "not suitable for motors", und ein Gefälle von 1:4 war angegeben! Das Navi hatte diesen Abschnitt auch nur mit einer gestrichelten Linie dargestellt, aber beim Planen in einer etwas höheren Auflösung war mir das gestern nicht aufgefallen.

Aber wir waren ja zum Motorradfahren hier, deshalb störten uns die paar Kilometer nicht, die wir nun wieder zurückmußten, um eine Parallelstraße zu nehmen. Dabei fuhren wir eine Weile lang einem Piaggio-Dreiradroller hinterher, der zwar ein ganz passables Tempo fuhr, aber eine für mich merkwürdig anmutende Fahrweise draufhatte, indem er immer wieder kurz und stoßweise viel Gas gab, statt die Mühle einfach mal in Ruhe laufenzulassen.

Später dann ging es, für Wales eher unüblich, durch etwas Wald, und am Rande desselben trafen wir eine ganze Schar Fasane an, die auf der Straße herumliefen und gar nicht daran dachten, aufzufliegen, sondern wie die Hühner auseinanderstoben, uns ansonsten aber doch wie "echte" Wildtiere vorkamen.

auf dem Horseshoe-Pass Diese kleinen Straßen zu fahren war doch etwas anstrengend. Als wir endlich wieder auf einer Hauptverkehrsstraße ankamen, war es höchste Zeit für eine Pause, aber leider auch mal wieder für die Regensachen. Den nun folgenden Schauer konnten wir dafür von der Höhe des Horseshoe-Passes aus sehr malerisch abziehen sehen.

Das Regenzeug behielten wir aber an, denn es kam nun immer mal wieder eine Kleinigkeit von oben. Zwischendurch brauchten wir mal wieder etwas Benzin, drum sagte ich dem Navi, es solle uns zur nächsten Tankstelle führen. Die Strecke dorthin war wunderschön, die Tankstelle allerdings schon seit einiger Zeit aufgegeben. Na gut, kann mal passieren, bring uns zur nächsten. Da wies mich dieses Gerät plötzlich darauf hin, daß ich, wenn ich die (kostenpflichtigen) Online-Dienste benutzen würde, ich immer aktuelle Daten hätte. Da hat die Software offenbar gemerkt, daß ich zweimal hintereinander dieselbe Art Ziel anfahren mußte, und ihre Schlüsse daraus gezogen. Ich fand das natürlich in der Situation wenig hilfreich und fühlte mich leicht verhöhnt nach dem Motto: "Wir wissen, daß unsere Daten schlecht sind" und: "Du zahlst uns zuwenig!" Wäre die Tomtom-Software Open Source gewesen (immerhin läuft das Gerät ja mit Linux), hätte ich in dem Moment größte Lust gehabt, die Stelle zu suchen und auszuprogrammieren.

Der Marine Drive rund um die Halbinsel Schließlich kamen wir an unser Ziel, das Meer und den Badeort Llandudno. Hier gab es jeden Menge schöne Fassaden teurer Häuser an der Uferpromenade und natürlich auch eine Seebrücke, auf der ein Orchester Musik spielte (ich würde es als "Kurmusik" bezeichnen - keinesfalls mein Geschmack jedenfalls). Aber es gab auch eine Straße entlang der Felsenküste der Halbinsel nordwestlich des Ortes, die zwar 1 Pfund Maut pro Maschine kostete, diese Ausgabe jedoch Wert war. Diese Straße war nämlich hier als Einbahnstraße eingerichtet, da konnte man zwischendurch überall schön anhalten und die phantastische Aussicht genießen.

Nun fuhren wir an der Küste entlang nach Osten, und weil wir doch noch einmal in Wales übernachten wollten, suchten uns so langsam eine Unterkunft. Die fanden wir dann auch im Plas Tirion Guest House in Llanddulas.

Abends bei der routinemäßigen Kontrolle der Kettenspannung kam dann die böse Überraschung: Ulrikes Hinterreifen sah äußerst komisch aus, auf den Flanken total abgefahren und rubbelig, und es fühlte sich auch so an, als hätte er deutlich zuwenig Luft. Einen Nagel oder ähnliches konnten wir nicht entdecken, aber es war klar, der war fertig. Sowas muß natürlich immer an einem Samstagabend passieren! Wir fragten also den Mann unserer Wirtin, der uns erzählt hatte, es sei früher selbst Honda CBR gefahren, wo man denn hier in der Gegend am Montag einen Reifen bekommen könne. Der klärte uns erstmal darüber auf, daß der letzte Montag im August Bank Holiday sei und wir somit vermutlich bis Dienstag würden warten müssen. Dann aber brachte er uns einen kleinen Kompressor (den er für ca. 90 GBP bei Aldi GB gekauft hatte)! Damit stellten wir fest, daß der Reifen nur noch 1 Bar draufhatte, und pumpten ihn wieder auf 2,5 Bar auf. Alles weitere würde man morgen sehen müssen.

Zum Essen mußten wir uns gegenüber mit einem Fish-and-Chips-Laden begnügen, und auf den Schrecken gingen wir dann noch in einen Pub und tranken ein paar Guinness.

Tagesstrecke: 226 km, km 73687

So, 29.08.2010

Beim Frühstück saßen noch ein Vater mit seinem etwa zwölfjährigem Sohn mit uns am Tisch, die auch ein paar Tage lang Urlaub machten. Das Full English Breakfast beinhaltete diesmal auch etwas, was aussah wie eine dicke Scheibe gebratene Blutwurst. Wir fragten, was das denn sei, und der Vater erklärte, das heiße "Black Pudding". Der Sohn fügte hinzu: "Aus Schweinefett" in einem Ton, der deutlich machte, daß er das Zeug nicht mochte. Der Vater wollte beschwichtigen: "Nun ja, doch, es wird aus Schwein gemacht", und der Sohn wieder: "Aus Fett!" Nach dem Frühstück schickte der Vater seinen Sohn los, von gegenüber Zeitungen zu holen, und der Sohn brachte sich auch Süßigkeiten mit. Nun war es an dem Vater, zu sticheln, wieviele E-sowieso-Konservierungs- und Farbstoffe da denn wohl drin wären.

Nun wurde der Reifen wieder geprüft, der Luftdruck betrug noch 2 Bar. Einen Reifenhändler, der heute aufhatte, konnte der Mann unserer Wirtin aber nicht ausfindig machen, obwohl er bei mehreren anrief. Also beschlossen wir, erstmal so damit weiterzufahren, den Druck unterwegs genauestens zu beobachten und uns für den Notfall eine Dose Reifenpilot (die bekamen wir an der Shell-Tankstelle an der nächsten Straßenecke) unter die Sitzbank zu legen.

Da schon beim Frühstück der Regen munter auf das Wintergartendach getrommelt hatte und es auch jetzt beim Kofferaufpacken wieder losging, zogen wir uns auch gleich das Regenplastik wieder über. Das brauchten wir aber nicht lange, denn es kam ein frischer Wind auf, der offenbar die Regenwolken wegwehte. Kurz hinter der Grenze nach England wurde das Zeug also wieder verstaut.

Für das Gebiet zwischen Liverpool und Manchester hatten wir ursprünglich überlegt, Autobahn zu fahren, jetzt aber des Reifens wegen davon Abstand genommen. Aber so schlimm war es nicht, wir mußten uns nicht wie befürchtet durch allzuviele Ortschaften quälen. Besonders aufregend war die Gegend allerdings auch nicht. Lediglich ein Druckverlust von wieder 0,5 Bar im Reifen verhinderte allzugroße Entspannung.

Hinter Lancaster machten wir Pause bei einem Landgasthof, wo wir draußen sitzen konnten und man für die Raucher auf dem Parkplatz eine nach einer Seite offene Gartenhütte als Schutz aufgestellt hatte (man kannte offenbar das Wetter hier). Ein großes Schild wies daraufhin, daß Kinder nicht zugelassen seien.

Lake District, hier ohne See So langsam kamen wir nun in den Lake District. Zuerst war ich etwas enttäuscht, hier gab es nur relativ niedrige Hügel, aber wir waren ja auch noch relativ dicht am Meer, das man manchmal sogar von Ferne sehen konnte.

In Ulverston wurde wieder getankt, und Ulrike sprach mit zwei Bikern, die auch gerade dasselbe taten, über ihr Reifenproblem. Die beiden waren von hier, nahmen uns kurzerhand in die Mitte und zeigten uns zuerst eine Reifenwerkstatt (die war aber geschlossen) und dann auch eine Unterkunft im Ort. Dieses war das Old Daltongate House, ein altes Gebäude aus dem Jahr 1664, wo wir für 75 GBP ein Zimmer mit einem beeindruckenden Himmelbett bekamen. Die Motorräder wurden durch ein Tor in einen verwilderten Teil des Gartens geschoben und dort sicher abgestellt. Unsere Wirtin machte sich da große Sorgen, denn wegen des morgigen Feiertags würde heute Abend insbesondere die Jugend kräftig feiern, nicht umsonst werde dieser Tag auch "Super Sunday" genannt. Und das merkte man am Abend auch deutlich, laute Gruppen zogen durch die Straßen, die Mädchen oft sehr knapp bekleidet, was manchmal ganz ansehnlich war, öfters aber auch mehr Fleisch zeigte, als unserem Geschmack entsprach.

Das hielt uns jedoch nicht ab, auch selbst etwas durch den Ort (ein nettes Städtchen) zu spazieren, und irgendwo mußten wir ja auch etwas essen. Und zu unserer Überraschung stellten wir fest, daß die Pizzeria Rossini von einem echten Italiener geführt sein mußte, so eine Pizza hätten wir ganz ähnlich sicher auch im Trentino bekommen.

Tagesstrecke: 239 km, km 73926

Mo, 30.08.2010

Beim Frühstück lernten wir eine junge Frau aus Deutschland (vom Vogelsberg) kennen, die hier schon einige Tage wohnte. Sie machte hier ein zweimonatiges Praktikum in einer Firma, wollte danach BWL studieren und sollte dann irgendwann zuhause die Firma ihrer Eltern übernehmen.

Unsere Wirtin gab uns noch den Tip, zu einem Bikertreffen zu fahren, das in Kirkby Lonsdale jeden Sonntag + Feiertag "an der Brücke" stattfinden solle und zu dem bei schönem Wetter "hunderte" Motorradfahrer kämen.

Zuerst jedoch begaben wir uns zu der Reifenwerkstatt. Der Besitzer war zwar da, hatte aber nicht offen, er werkelte heute offenbar an seinem privaten Wagen. Aber er war so freundlich, zwischendurch nachzugucken und festzustellen, daß er die passenden Reifen da hatte. Und billiger als in Deutschland würde es auch noch werden.

So wurde entschieden, noch einen Tag hierzubleiben und die Touren leicht abzuwandeln. Geplant war eigentlich eine Art Spirale durch den Lake District, wir würden aber nun heute zuerst zu dem Treffen fahren und dann den inneren Kreis dranhängen, und morgen die Weiterreise mit dem äußeren Dreiviertelkreis beginnen.

Motorrad ohne Scheinwerfer Das Treffen war nicht ganz leicht zu finden, weil die Beschreibung doch ziemlich vage war, aber so groß war der Ort auch nicht. Bei "der Brücke" handelte es sich um eine alte Brücke, die nur noch für Fußgänger zugänglich war, die man aber von der Straße aus sehen konnte. Daneben ein recht kleiner Parkplatz voll mit Moppeds. Als wir und dazwischen quetschten und die Helme abnahmen, wurden wir auch sofort angesprochen, sicher auch aufgrund der ungewöhnlichen Kennzeichen. Nachdem wir berichteten, daß wir gerade eine Woche in Wales waren und uns die Gegend äußerst gut gefallen habe, kam die Frage: "Und die Waliser?" Das war natürlich eine etwas heikle Sache, aber ich antwortete wahrheitsgemäß, daß die Waliser stets nett zu uns gewesen waren und wir nie irgendwelche Probleme gehabt hatten. Uns wurde erklärt, daß die Waliser nicht gut auf die Engländer zu sprechen seien, weil diese in der Vergangenheit dort viele Häuser gekauft hätten und die Preise dadurch so angestiegen seien, daß sich die Waliser oft ihr eigenes Land nicht mehr haben leisten können. Auf meinen Versuch der Erklärung: "Wahrscheinlich sprechen wir genug fremden Akzent, um nicht für Engländer gehalten zu werden" folgte zwar leichter Protest, aber offenbar nur der Höflichkeit halber.

Nach dem Gespräch gingen wir herum und guckten uns die Motorräder an, wie das auf solchen Treffpunkten üblich ist für Leute, die wenigstens etwas technisches Interesse mitbringen. Dabei fiel uns auf, daß hier mehrere Motorräder standen, die gar keinen Scheinwerfer hatten. Teils handelte es sich um Oldtimer aus den Fünfzigern (aber auch damals fuhr man ja schon lange nicht mehr mit Karbidlampe umher), es war aber auch eine modernere Maschine dabei. Da dort auch zwei Motorradpolizisten herumliefen, konnten wir uns das nur so erklären, daß das in England wohl erlaubt sein muß, solange man nur tagsüber unterwegs ist.

Für die eigentlich geplante Runde um den Lake Windermere mußten wir erstmal ein ganzes Stück wieder zurückfahren. Dabei hatten wir öfters Stau vor den Kreisverkehren, heute am Feiertag waren offenbar eine ganze Menge Ausflügler unterwegs. Zwischendurch konnten wir feststellen, daß Ulrikes Reifen seit dem letzten Check kaum Luft verloren hat, der Verlust schien also nicht unbedingt immer linear zu verlaufen.

Die Krähen holen sich, was übrig bleibt Hier im Lake District gab es deutlich viel mehr Wald als in Wales, und keine Hecken auf den kleinen Straßen zwischen den Seen. Oben im Gebirge liefen dafür viele Wanderer umher. Dort gab es auch wieder Abschnitte, in denen Vieh frei herumlief und die mit Cattle Grids abgegrenzt waren. Daneben stand immer ein Schild mit dem Text: "Horse driven vehicles and animals" Also, ich kenne ja Horse driven vehicles, aber was zum Teufel sind Horse driven animals? Nein, natürlich nur Tiere. Für Leute, die mit Pferdewagen oder einer Tierherde da durchwollten, gab es ein Tor, und das Schild bezeichnete die Seite, auf der das zu finden war.

In Amberside machten wir eine längere Pause am See, da gab es direkt am Anleger einen Imbiß, wo man parken und mit Blick auf's Wasser draußen sitzen konnte. Ein altes Dampfschiff lag auch da, und als ich zur Toilette ging, nahm ich die Kamera mit in der Absicht, hinterher auf den Steg zu gehen und Fotos zu machen. Doch als ich wieder rauskam, war der Dampfer schon unterwegs. Dafür hatten wir aber einigen Spaß daran, zu beobachten, wie am Nachbartisch die Krähen von den vom Kellner nicht rechtzeitig abgeräumten Tellern die übriggebliebenen Chips mopsten.

Heute war übrigens der erste Tag seit langem ohne Regen.

Tagesstrecke: 168 km, km 74094

Di, 31.08.2010

Lake District, hier mit See Zuallererst ging es natürlich wieder zum Reifenhöker, der sich auch sofort an die Arbeit machte. Während wir draußen auf der Einfriedung des Hofes saßen und warteten, kam eine etwas hippiemäßig aussehende Frau mit einer Art VW-Bus (aber englisches Fabrikat) angefahren. Nach kurzer Verhandlung mit dem Monteur wurde sie aufgefordert, ihren Wagen beiseite zu fahren, den sie mitten auf den Platz gestellt hatte. Sie setzte sich hinein, schob den Rückwärtsgang ein, fuhr quer über den Platz - und direkt gegen die hüfthohe Mauer! Es war nicht wirklich schön, dazusitzen und zuzugucken, ab einem bestimmten Moment genau zu wissen, was passieren wird, und es nicht verhindern zu können. Wir konnten ihr nur helfen, die Trümmer ihres Rücklichtglases aufzusammeln und zu prüfen, daß wenigstens die Lichter alle noch funktionierten. Daraus ergab sich noch eine nette Unterhaltung, bei der sie mir eine schöne Geschichte über ihren einzigen Deutschlandbesuch erzählte. Damals war sie auch mit so einem Bus unterwegs gewesen und hatte ein paar Tramper mit genommen. Die kannten überall im Land Leute, bei denen sie ein paar Tage unterkommen konnten, so sind sie zusammen kreuz und quer durch das Land gefahren und müssen eine tolle Zeit gehabt haben. Und ich fand es schön zu hören, daß es bei uns so viele gastfreundliche Menschen gibt, daß sich jemand nach 15 Jahren noch gerne daran erinnert.

Beim Bezahlen mußte Ulrike unterschreiben, daß sie zur Kenntnis genommen hatte, daß neue Reifen tödlich sind ("New tyres are lethal"), das bekam sie auch schriftlich. Wir fragten uns, ob man mit diesem Text wohl einen Polizisten überzeugen könnte, der einen mit abgefahrenen Pellen erwischt? "Ich kann doch keine neuen Reifen aufziehen, das ist doch brandgefährlich!"

Mit den zwei schönen neuen Reifen (der vordere war auch nicht mehr doll) auf Ulrikes Bandit ging es dann auf die Weiterreise. Zuerst fuhren wir an der Küste entlang, aber natürlich war das Wasser mal wieder weit weg. Dann bogen wir ab ins Gebirge, fuhren eine sehr schöne Straße an einem See entlang und dann hoch über den Kirkstone-Pass.

Beim Übergang nach Yorkshire änderte sich die Landschaft, es gab hier keinerlei Hecken, sondern brusthohe Steinmauern zwischen den Wiesen. Das bot einen viel besseren Ausblick, und wir kamen nur selten durch Ortschaften, das war bei zwar nur 16 C, aber blauem Himmel eine sehr schöne Fahrt.

Berge gibt es hier auch In West Tanfield schließlich fanden wir im Bull Inn für 65 GBP ein Zimmer, und etwas zu Essen bekamen wir auch dort. Danach gingen wir noch etwas spazieren, obwohl es ziemlich frisch wurde. Am Himmel zog eine Schar Gänse vorbei. Ich sagte: "Die Gänse ziehen nach Süden."
Ulrike: "Es ist August!"
"Aber sie fliegen in V-Formation."
"Dann haben die noch etwas vor."
"Ja, Afrika!"
"Es ist August!"
Aber ich hatte sie nur veräppelt, die Vögel flogen nach Nordwesten.

Tagesstrecke: 329 km, km 74423

Mi, 01.09.2010

Die heutige Fahrt verlief lange Zeit recht unspektakulär (wir waren schon gestern Abend in mehr Ackerland gekommen), bis wir in ein riesengroßes, relativ flaches Heidegebiet gelangten. Direkt danach konnte man ahnen, daß nun bald das Meer kommen mußte, denn der Himmel, auf den wir zufuhren, war dort noch heller blau als sonst schon. Und richtig, bald ging es kurz und steil abwärts, und wir erreichten die Hafenstadt Whitby.

Whitby Abbey Dort hatten wir geplant, als Pausenbeschäftigung die Whitby Abbey zu besuchen, die Ruine einer im Jahre 657 gegründeten Abtei. Es schien keine speziellen Motorradparkplätze zu geben, aber während wir noch die Anweisungen des Ticketautomaten studierten, hielt ein Autofahrer und schenkte uns sein Ticket, das immerhin noch für über vier Stunden gültig war. Das steckten wir in die Kartentasche meines Tankrucksackes (der Slogan für diese Sorte Parkplätze lautete "Pay and Display"), und falls es geklaut würde, machte ich noch schnell ein "Beweis"foto mit der Digitalkamera.

Der Eintritt zur Abbey selbst sollte dann noch einmal 5,80 GBP kosten. Da wir bei der Anfahrt schon sehen konnten, daß es nicht allzuviel zu sehen geben wird, nur die Außenmauern mit zweifellos schönen Bogengängen, aber kein Dach und keine geschlossenen Räume, und alles recht übersichtlich, ließen wir es trotz gesparter Parkgebühr bei einem Rundgang außenherum bewenden.

Immerhin hatten wir von hier aus auch schöne Ausblicke auf Stadt und Meer, wir konnten immer mal wieder über die Mauern auch auf die Ruine gucken, und schließlich bekam Ulrike auch endlich einmal ihre englische Kirche von innen zu sehen. Die war, wie sie sich ausdrückte, "sehr protestantisch", das heißt ohne jeden Schmuck, sie zitierte Martin Luther: "allein durch das Wort".

Keine Spielzeugeisenbahn - oder doch? Nachdem wir, wie sich das gehört, unser Parkticket weiterverschenkt haben, ging es wieder durch das Heidegebiet "Yorkshire Moor", diesmal aber mehr in südliche Richtung. Zwischendurch ging es einmal hinunter in ein Tal, in dem auch mal etwas anderes als Heidekraut wuchs. In diesem Tal war eine kleine Brücke über eine Eisenbahnstrecke, und da fuhr tatsächlich gerade ein Dampfzug. Natürlich hielten alle Fahrzeuge sofort an, um Fotos zu machen, obwohl auf der kleine Straße eigentlich gar kein Platz war. Aber das war anscheinend allen egal, und so quetschten auch wir hinter der Brücke uns irgendwo dazwischen, und ich machte ein Bild von der von hier aus sichtbaren Betriebsanlage.

Auf dem weiteren Weg nach Süden fragte uns das Navi, ob es Mautstrecken auf der Route vermeiden soll, damit war vermutlich die Brücke über den Humber bei Hull gemeint. Weil wir gut in der Zeit und schließlich zum Motorradfahren hier waren, stimmten wir dem Umweg zu, und so bogen wir wieder in das Landesinnere ab. Nachdem in einer kleinen Stadt in 3 Hotels alles ausgebucht war, fanden wir am Rande von Goole auf einem Autohof ein Premier Inn (das war eine Hotelkette) mit einem Zimmer für 70,00 GBP ohne Frühstück, das Continental Breakfast kostete 5,50 GBP extra.

Beim Abendessen in dem angeschlossenen Restaurant düdelte leise Hintergrundmusik. Plötzlich jedoch merkten wir auf, denn wir hörten die Melodie von "Stille Nacht". Wir fingen schon an, sarkastische Bemerkungen auszutauschen nach dem Motto, wenn in Deutschland ab September Weihnachtsnaschereien in den Supermärkten verkauft werden, sei es nur folgerichtig, dann auch die Musik dazu zu spielen, aber nach kurzer Zeit brach sie ab, vermutlich hatte sich da jemand in der CD vergriffen.

Tagesstrecke: 296 km, km 74719

Do, 02.09.2010

Zuerst war die Landschaft heute wieder recht gewöhnlich. Bei einer von mehreren Etappen auf den von uns so geliebten kleineren Straßen liefen uns auf kurzem Abschnitt erstaunlich viele Tiere über den Weg: Fasane und einmal eines, das ich für ein Flughörnchen gehalten habe, gab das die hier?

Für den Zeitpunkt, nachdem wir die Bucht "The Wash" passiert hatten, hatte ich gestern Abend nochmal einen Abstecher in die Strecke eingebaut. Dazu ging es jetzt wieder hoch an die Küste, wo unterwegs immer mal wieder das Meer zu sehen war. Das war hier wieder eine schöne Strecke, wenn auch für meinen Geschmack reichlich viele Krümel auf der Straße lagen und wir deswegen sehr vorsichtig sein mußten. In Brancaster machten wir zur Pause einen Abstecher zum Hafen, dort war aber nicht viel zu sehen, das Wasser war halt gerade mal wieder weg. Ich half einem Mann, sein Kajak auf sein Auto zu laden, und ein Rentnerpaar war dorthingefahren, um einen richtig gemütlichen Tag am Wasser zu verbringen, im Auto sitzend, er schlief, und sie las eine Zeitschrift. Aber sie konnten immerhin sagen, daß sie einen Ausflug gemacht haben.

In Mundesley wurde es wieder Zeit für eine Unterkunft. Im Royal Hotel bekamen wir ein Zimmer für 75 GBP. An der Rezeption konnte man für teures Geld Buchstützen und ähnliche Artikel erwerben, deren Material angeblich aus dem Holz der Victory bestehen sollte. Auch das Essen war überdurchschnittlich gut, ich hatte eine leckere Regenbogenforelle, zwar mit Chips, aber ohne Erbsen dazu.

Der Abendspaziergang führte uns natürlich wieder an's Meer, hier gab es auch wieder eine Lifeboat-Station, aber auch richtig viel Strand.

Tagesstrecke: 334 km, km 75053

Fr, 03.09.2010

Heute sollte unser letzter England-Tag sein. Zuerst ging es noch mal ganz kurz am Meer entlang, dann bogen wir ab ins Binnenland. Die Ortsdurchfahrt durch Norwich ließ sich nicht gut vermeiden, war aber erträglich. Für einen Teil benutzten wir auch eine Schnellstraße, schließlich nahmen wir aber die ursprüngliche Planung wieder auf und fuhren auf Nebenstraßen weiter.

Zur Pause hielten wir bei einem Inn "The three Horseshoes", wo der Besitzer, als wir um 1200 Uhr ankamen, bei seinem "Frühstück" (so jedenfalls nannte er es) saß und anschließend draußen, wo wir uns in die Sonne gesetzt hatten, eine Zigarette rauchte. Dabei erzählte er uns, daß dieser Pub und auch Teile seines reetgedeckten Hauses seit ca. 1350 existierten und der Name daher kam, daß früher eine Schmiede dazugehörte. Ich meinte, dann müsse er ja heute eigentlich eine Werkstatt dazu betreiben (und den Pub dann umbenennen in "The three Exhaustvalves", aber diesen Vorschlag behielt ich für mich), und er hatte tatsächlich neulich an einem Tage zwei Kunden mit einer Reifenpanne. Er gab uns noch den Tip mit auf den Weg, wir sollten uns in Lavenham ein paar Meilen weiter die alten Häuser angucken, davon gäbe es dort noch eine ganze Menge. Zum Angucken der teilweise wirklich richtig alten Häuser dort bekamen wir einige Gelegenheit, denn es trieben sich dort etliche Touristenautos herum, die nach einem Parkplatz suchten und die Straße verstopften.

Oldtimerversammlung vor der Fähre Nach einer nochmal richtig netten Fahrt über die Dörfer kamen wir schließlich nach Harwich, wo noch einmal getankt und in einem Supermarkt das letzte Geld in Sandwiches und Keksen umgesetzt wurde. Dann ging es zur Fähre.

Auf dem Platz dort trafen wir neben zwei Oldtimerwagen, einem alten Morris Minor Traveller (das ist dieser Kombi mit Holzrahmen) und einem schwarzen Rolls Royce, auch zwei Oldtimermotorräder, oder besser anderthalb. Anderthalb deshalb, weil von der Triumph Bonneville nur der Motor und der Rahmen aus den Fünfzigern stammten, Vorderradgabel und Hinterradschwinge samt Gußrädern und Scheibenbremsen kamen aus dem Hause Suzuki und waren 40 Jahre jünger. Die alte Norton daneben war aber original. Die beiden dänischen Fahrer kamen gerade von der Tourist Trophy auf der Isle of Man, mir war gar nicht klar, daß diese um diese Zeit dort stattfand.

Kurze Zeit danach kam eine ganze Truppe Skandinavier anscheinend ebenfalls von der TT und dann ein paar Dänen mit einer blitzsauberen und chromglänzenden Drag Star. Unsere Maschinen waren eindeutig die dreckigsten in der ganzen Reihe, so kamen wir fast zwangsweise ins Gespräch und ich konnte auch noch ein zweitesmal meine Dänischkenntnisse anbringen.

Diesmal wurden an Bord die Alarmanlagenvergesser ausgerufen: "Mr. Sowieso, bitte melden Sie sich an der Rezeption und bringen Sie die Schlüssel zu Ihrem Fahrzeug mit!"

Tagesstrecke: 193 km, km 75246

Sa, 04.09.2010

Die Überfahrt war deutlich ruhiger als auf der Hinfahrt, und da wir diesmal eine Kabine eine Klasse besser nehmen mußten, knarzte die Plastikverkleidung auch nur noch ganz wenig bei den Schiffsbewegungen. Als aber nach dem Frühstück immer noch ein Mr. Mohammed Sowieso mit Autoschlüsseln zur Rezeption gebeten wurde, konnte ich mich einen kurzen Moment lang des Gedankens nicht erwehren, daß wir hier möglicherweise eine Al-Qaida-Bombe an Bord haben könnten.

In Esbjerg angekommen, besuchten wir noch kurz die Menschen am Meer, bevor wir dann über Landstraßen Richtung Deutschland fuhren. Dabei zeigte sich, daß fast 5000 km Linksverkehr durchaus ihre Spuren hinterlassen: Kurz vor Kruså fuhr ich eindeutig falsch herum auf einen Parkplatz, und nach der Pause sah ich mich im Ort an der roten Ampel im Geiste schon den weiten Bogen zum Rechtsabbiegen nehmen, wurde mir dessen aber noch vor dem Losfahren bewußt.

Auch in Deutschland ging es zunächst überland weiter, bis ich angesichts eines Wegweisers spontan entschied, daß wir uns bei der Gelegenheit auch noch die Reste des Dannewerks, des dänischen Gegenstückes zum Limes, angucken konnten. Danach ging es auf die Autobahn.

In Hamburg fanden wir über der Außenalster eine einzelne Regenwolke vor, die uns tatsächlich noch ungefähr vier Tropfen Wasser auf das Visier tat. Aber eigentlich ist es, seit wir die Grenze von Wales hinter uns gelassen hatten, doch im Prinzip immer trocken und schön geblieben.

Zuhause angekommen, wollte ich die Maschine vor der Tür auf den Hauptständer stellen und riß mir dabei die Achillessehne kaputt!
Aber das ist eine andere Geschichte...

Tagesstrecke: 296 km, km 75542

Gesamtstrecke 5170 km, davon 4577 km in England.


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