Norwegen 2008

Auf der Suche nach schönen Landschaften sollte es uns dieses Jahr einmal nach Norwegen führen. Dort oben sind wir bisher nur einmal kurz mit einer Studentengruppe zum Skilaufen gewesen, was wir hauptsächlich infolge der Gruppenzusammensetzung als nicht so angenehm empfunden hatten. Außerdem hatte ich immer ziemliche Bedenken gegenüber Skandinavien, was die Mückenplage angeht, über die man ja öfters mal Horrorstories erzählt bekommt. Aber man sagt auch, dass das beispielsweise an der Küste nicht so schlimm sein soll, und nun wollten wir uns das halt mal mit eigenen Augen angucken. Natürlich ging es wieder per Motorrad los.

Auch diesmal hatte ich wieder wie schon vor der Italienfahrt einen Vorbereitungs-Sprachkurs gemacht. Dabei stellte sich aber heraus, dass Norwegisch dem Dänischen sehr ähnlich war, und das lernte ich ja schon seit 7 Jahren. So fühlte ich mich sprachlich gut gerüstet, und außerdem hatten wir uns nach den Irrungen besagter Italien- und Griechenlandfahrt auch ein Navi zugelegt, mit dem wir bei einem Kurzurlaub in der Eifel schon hinreichende und positive Erfahrungen gesammelt hatten.

Fr, 06.06.2008

Ein erholsamer Urlaub sollte es werden, und sowas beginnt mit einem guten Frühstück und einem ruhigen Aufbruch, und wir hatten heute auch den ganzen Tag Zeit, um nach Frederikshavn zur Fähre zu kommen, die morgen früh abfahren sollte. Wir mussten allerdings noch etwas packen, denn am Vorabend hatte ich noch einen Doppelkopftermin mit ein paar Netbikern. Um 1030 Uhr konnten wir losdüsen, zunächst auf die Autobahn bis nach Dänemark. An der Abfahrt Christiansfeld fuhren wir runter, denn ich kenne aus der Zeit, wo ich für Velux in Kolding gearbeitet habe, eine schöne Stelle in der Nähe, die ich seitdem immer wieder gerne besuche. Das ist die Skamlingsbank, einerseits eine nationale Gedenkstätte, andererseits ein sehr schönes Stück Berglandschaft, die ist immer wieder für einen kleinen Spaziergang gut.

Hinter Kolding fuhren wir wieder auf die Autobahn, denn ich mag auch den Ausblick von dort auf den Fjord von Vejle. Das war aber an diesem Tag keine so besonders gute Idee, denn es gab zuvor mehrere Kilometer Stau. Hinter Randers verließen wir die Autobahn wieder, um zum Mariagerfjord zu fahren, auch eine sehr schöne Ecke. Dann ging es an der Küste entlang nach Norden, bei Hals mit der Fähre über den Limfjord und weiter auf der nicht besonders stark befahrenen Landstraße.

Am Nordrand von Frederikshavn gab es einen Campingplatz, dort bekamen wir für 60 € dann unsere erste Hütte, deren noch viele folgen sollten, denn das Zelt hatten wir für diese Reise gleich zuhause gelassen. Schon hier merkte man deutlich den nordischen Sommer, um 2230 Uhr war es beim Strandspaziergang noch deutlich heller, als wir es von zuhause gewohnt waren.

Tagesstrecke: 544 km, km 31625 (Start-Kilometerstand: 31081)

Sa, 07.06.2008

Um 700 Uhr wurde aufgestanden (wir hatten uns den Wecker gestellt) und Brötchen geholt, die Rezeption öffnete um 830 Uhr, und um 900 Uhr waren wir schon auf dem Schiff. Nach verschiedensten Erfahrungen bei früheren Fährfahrten hatten wir gute Ratschengurte zum Verzurren der Moppeds parat, aber hier war man auf Zack. Es gab sehr pfiffig gemachte Rahmen aus Vierkantrohr, auf welche die Hinterräder der Maschinen rückwärts geschoben wurden, dann wurden die Motorräder auf den Seitenständer gestellt und die Hinterräder an dem Rahmen festgezurrt, so dass die Maschinen sich nicht mehr bewegen konnten. Bei ganz schlechtem Wetter hätte man die Rahmen noch extra irgendwo befestigen können, aber das war heute nicht nötig.

An Bord wurde gefaulenzt. Wir hatten eine ganze Masse Artikel und Reiseberichte aus allen möglichen Motorradzeitschriften dabei, die wurden alle noch einmal durchgelesen, um uns auf die kommenden Tage einzustimmen. Als wir dann bei bestem Wetter in den Oslofjord einfuhren, mussten wir natürlich raus, um zu gucken. Und das lohnte sich auch, es ging sehr schön an felsigen Hängen vorbei, an denen überall hübsche Häuser standen. Für meinen Geschmack war die Region allerdings ziemlich dicht besiedelt, aber das brachte die Nähe zu Oslo sicher so mit sich. Und auch auf dem Wasser herrschte jetzt am Wochenende allerhand Bootsverkehr.

Runter von der Fähre ging es ohne lästige Formalitäten. Für die Fahrt durch Oslo vertrauten wir auf das Navi, mussten aber feststellen, dass der Technik Grenzen gesetzt sind. Denn in den zahlreichen Tunneln besteht kein Satellitenempfang. Wenn nun aber mitten im Tunnel eine Abzweigung kommt, dann wird man nicht wie gewohnt rechtzeitig gewarnt, und so mussten wir einmal einen kleinen Kringel drehen.

im Land der Fjorde und Kurven Auch hatten wir vor der Fahrt jede Menge Warnungen vor der Höhe der norwegischen Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen vernommen. Das soll gleich mit einem Stundenkilometer zu schnell losgehen und schnell Höhen erreichen, die man in Deutschland auch unter Alkohol so leicht nicht erreichen würde. So hatten wir beschlossen, uns strikt nach Tacho daran zu halten, und ich behaupte, dass sich das mehr als einmal ausgezahlt hat, auch wenn wir hier einige Male in ziemlich halsbrecherischer Weise überholt wurden (z. B. im Tunnel in einer Rechtskurve).

Schließlich fanden wir die Autobahn, die auf der Westseite vom Oslofjord nach Süden führt. Wir wollten heute noch ein Stück Entfernung zwischen uns und die Hauptstadt legen, galt Oslo doch nach Tokyo als die zweitteuerste Stadt der Welt. Von dieser Autobahn bogen wir bei Drammen ab auf die E134 und folgten dieser eine Weile, bis wir in Hokksund einen Campingplatz fanden.

Dort mussten meine Sprachkenntnisse ihre Bewährungsprobe ablegen bei der Frage nach einer freien Hütte, aber das ging einigermaßen. Und wir hatten uns vorgenommen, die norwegischen Preise so zu nehmen, wie sie sind, und sie nicht andauernd in Euro umzurechnen und uns damit verrückt zu machen. Die Hütte hier kostete 480 NOK.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, ging ich noch einmal zur Rezeption, denn ich hatte dort einen Kühlschrank gesehen, in dem sich auch Bier befand. Meist war dies allerdings alkoholfreies Bier, aber eine andere Sorte gab es auch noch, davon nahm ich zwei Flaschen mit. Dieses Bier hieß "Vørterøl", und das schien nicht die Marken-, sondern eher die Sortenbezeichnung zu sein. Nun, wir sind ja immer gerne bereit, die lokalen Spezialitäten zu probieren, wenn es sich nicht gerade um vergorenen Fisch oder vergammelten Käse handelt, vor dem ich im Vorbereitungskurs schon gewarnt worden war. Wir waren allerdings etwas überrascht, als wir das Bier aufmachten und feststellten, dass es sich um Malzbier handelte. Aber den aktuellen Durst löschte das natürlich auch ganz hervorragend.

Tagesstrecke: 81 km, km 31706

So, 08.06.2008

Da wir gestern noch lange den hellen Abend genossen und uns für heute keinen Wecker gestellt hatten, wurden wir erst um 10 Uhr wach und kamen folglich erst um 12 Uhr los. Wieder war es richtig heiß, das Thermometer zeigte immer zwischen 27 und 30 Grad an. In Heddal gab es als ersten Kulturpunkt die größte Stabkirche Norwegens zu besichtigen. Der Eintritt kostete 50 NOK pro Person, aber wir fanden diese Kirche, ganz aus Holz gebaut und im ältesten Teil aus dem Jahre 1147, sehr interessant.

Auf der Weiterfahrt genossen wir die grüne Landschaft in einem schönen Tal bei wenig Verkehr. Noch schöner wurde es, als wir auf die Straße Nr. 41 Richtung Süden abbogen. Dieses Tal war noch kleiner, und hier war kaum noch jemand unterwegs. Allerdings gab es hier bald auch keine Campingplätze mit Hütten mehr, vor Øy hatten wir noch mehrere gesehen, nach einer Pause in Åmli war es wie abgeschnitten. So kamen wir nach und durch Kristiansand, danach fanden wir dann auch einen Platz. Aber dort wollte der Mensch am Empfang 800 NOK haben, das fanden wir deutlich zu teuer und vermuteten, dass das ein Sonderpreis für die Nähe zur Fähre war. Also fuhren wir in westlicher Richtung weiter. Denn hier war geplant, mehr oder weniger dem sogenannten "Nordseeweg" zu folgen, einer touristischen Strecke, zu der wir uns eine Broschüre [2] haben zuschicken lassen (die man inzwischen auch unter www.nordsjovegen.no/heim als PDF abrufen kann). Zunächst hielten wir uns linksseitig von der Hauptstraße direkt an der Küste auf. Das war eine sehr schöne Ecke, wir kamen durch viele verwunschene Gegenden, wo man sich einerseits in bewaldetem Gebirge wähnte, aber andererseits man nie sicher war, ob die häufig auftauchenden Wasserflächen dazwischen nun Seen oder Fjorde waren. Aber Hütten waren nicht zu finden. In einem Fischerdorf gab es ein Feriencenter, aber das hatte geschlossen. Erst in Sandnes (kurz vor Mandal rechts ab am Ufer entlang) fanden wir wieder einen Campingplatz mit Hütten, die aber fast alle schon belegt waren. Aber wir konnten noch für 450 NOK einen dieser uralten ehemaligen Vorratsspeicher, der zur Hütte umgebaut war, bekommen. Der war zwar richtig urig, aber nicht besonders bequem: Wir mussten über mehrere Steine zur Tür hochklettern, drinnen gab es keine Fenster und auch kaum Stehhöhe. Aber wir hatten ja grandioses Wetter und brauchten eigentlich nur ein Bett.

Zum Ende der Formalitäten lobte der Platzbesitzer noch mein gutes Norwegisch, dabei hatte ich die ganze Zeit über eisenhart Dänisch mit ihm gesprochen.

Tagesstrecke: 394 km, km 32100

Mo, 09.06.2008

Heute morgen standen wir schon um 830 Uhr auf und waren kurz nach 1000 Uhr unterwegs. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite, wenn auch die Temperaturen mit 20 bis 23 Grad heute deutlich niedriger waren. Für eine kleine Schotterstrecke unterwegs konnten wir schlecht das Navi verantwortlich machen, denn mitten darauf befand sich ein von mir gesetzter Wegpunkt. Allerdings ist auf der Karte der Straßenzustand nicht ersichtlich, und wenn wir gewollt abseits der Hauptstraßen bewegen, kann so etwas schon einmal passieren.

der Leuchtturm von Lindsnes Am Kap Lindesnes war heute "Tag der Küste", was für uns freien Eintritt bedeutete. Allerdings war trotz des Aktionstages nur wenig los, was uns an den auf einer Tafel angegebenen 50.000 Besuchern jährlich doch etwas zweifeln ließ. Aber uns war das andererseits natürlich recht, konnten wir uns so doch frei bewegen und auch mal Fotos machen, ohne dass viele andere Leute im Bild herumliefen. Um das Kap herum war es sehr karg und felsig, aber durchaus reizvoll.

Auf der Weiterfahrt kamen wir an einem See vorbei, der direkt neben der Straße ganz verwunschen in der Waldlandschaft lag. Weil dort auch eine Bank mit Tisch stand, machten wir hier Mittagspause und futterten eine Packung Kekse aus unseren Vorräten, Die Stille wurde nur kurz unterbrochen durch eine Gruppe Motorradfahrer mit Lübecker Kennzeichen, die aber ohne anzuhalten vorbeibrummte.

Später wurde eingekauft und getankt, und ich stellte dabei ganz erstaunt fest, dass ich mit der letzten Füllung ganze 350 km weit (statt normalerweise 300 bis 320 km) gekommen bin. Das machte sicher die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 km/h aus, und wir sollten später feststellen, dass das noch lange nicht das Ende der Verbrauchsoptimierung war.

In Hellvik sollte es laut unserer Nordsjøvegen-Broschüre [2] Hütten geben, aber alle 5 Stück waren bereits belegt. Außerdem gab es hier auch keine Kajaks zu mieten, was wir irgendwo unterwegs auch mal machen wollten, um auch ein kleines bisschen unserem Zweithobby zu frönen. Also folgten wir der Strecke an der Küste entlang einfach weiter hoch. In Ogna gab es einen Campingplatz, dessen Rezeption aber bereits um 1600 Uhr schloss, da waren wir über eine Stunde zu spät dran. Laut Schild war nur zwischen dem 20.06. und dem 20.08. länger geöffnet, worauf wir uns schon fragten, wovon die Besitzer denn eigentlich leben wollten bzw. ob dann nicht die kurze Saison sich in ziemlich hohen Preisen widerspiegeln müsste.

Auf dem Campingplatz Brusand bekamen wir schließlich eine Hütte für 400 NOK. Der Besitzer saß vor einem Fernseher (es war gerade Fußball-Europameisterschaft) und hoffte, dass die Niederländer gegen Italien gewinnen, Deutschland hat offenbar schon gestern gewonnen gegen Polen. Außerdem klagte der Besitzer über fehlenden Regen. Die letzten Tage war es auch hier in Norwegen richtig heiß gewesen, und Norwegen könne so schön sein, wenn es nur grüner wäre. Meine Versicherung, Norwegen sei richtig schön und grün, ob er denn zum Beispiel das französische Zentralmassiv im Hochsommer kenne, trocken, gelb und karg, bleibt ungewürdigt, er wollte Regen. Und er bekam ihn ab 2240 Uhr, und damit war Schluss mit dem schönen Wetter!

Tagesstrecke: 271 km, km 32371

Di, 10.06.2008

Da es auch beim Zusammenpacken zwei kurze Schauer gab, fuhren wir gleich mit Regenzeug los. Die Brücke über den Fedafjord - sehr überraschend lag sie direkt zwischen zwei Tunneln - kannte das Navi noch nicht, das sah alles brandneu aus. Weil wir aber geplant hatten, obenrum zum Fjordende zu fahren und uns gar nicht bewusst waren, dass das hier eine Abkürzung war, fuhren wir wieder zurück. Erst auf der anderen Seite angekommen, erkannten wir die Zusammenhänge. Aber wir waren ja schließlich zum Motorradfahren hier, und die alte Strecke war schön, auch wenn sie nicht direkt am Fjord entlangführte. Ein Stück weiter bogen wir wieder auf die 44 ab, die uns näher an die Küste führte. Heute war es richtig kalt und auf offenen Abschnitten auch sehr windig. Hier fuhren wir nun auch erstmals durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete mit Ackerland, das an einer Stelle auch noch frisch und intensiv gedüngt war. Wir passierten zwei Mautstellen, die aber für uns Motorradfahrer kostenlos waren, und unterquerten die Stadt Stavanger per Tunnel. Danach nahmen wir die Fähre über den Boknafjord, die pro Maschine 75 NOK kostete.

In Aksdal (östlich von Haugesund) wurde getankt, in Etne eingekauft und das Regenzeug, welches wir zwischenzeitlich ausgezogen hatten, wieder angezogen, und in der Folge schien sich das langsam einzuregnen. Auf der Strecke (ab auf die 13 nach Norden) sollte es Wildwasserflüsse und Wasserfälle zu sehen geben, davon haben wir aber wenig gehabt. Dafür mussten wir an einer weiteren Maustelle im Zuge der E134 tatsächlich auch mit den Motorrädern Maut bezahlen, 15 NOK pro Maschine.

klein, aber trocken Auf dem Campingplatz Lofthus bekamen wir eine Hütte für 360 NOK. Als ich dem jungen Mann an der Rezeption, den ich nur sehr schwer verstehen konnte, meinen Ausweis hinlegte, guckte er darauf und fragte mich verwundert auf englisch, warum ich denn Norwegisch mit ihm spräche. Es stellte sich heraus, dass er polnischer Gastarbeiter war, natürlich mein Dänisch für Norwegisch gehalten hatte, und er erzählte, dass sogar sein Chef nicht der Meinung sei, sein Angestellter müsse Norwegisch lernen ("warum eine Sprache lernen, die nur 3 Millionen Leute in 20 verschiedenen Dialekten sprechen?").

Die Hütte war zwar klein und hatte keinen Wasseranschluss, aber dafür eine Heizung, und heute waren es den ganzen Tag über nur zwischen 10 und 15 Grad "warm" gewesen. Auch waren die Stiefel von Ulrike undicht, sie nahm das Papier der Nordsjøvegen-Broschüre, die wir ja jetzt nicht mehr brauchten, um die Schuhe damit auszustopfen. Und gegen 2030 Uhr hörte der Regen auch wieder auf.

Tagesstrecke: 280 km, km 32651

Mi, 11.06.2008

So richtig locken konnte uns das Wetter heute früh auch nicht, es blieb trübe, deswegen kamen wir erst um 1130 Uhr los. Zunächst ging es längs des Sørfjordes weiter nach Norden, dann folgten wir der Straße Nr. 7 nach Osten. Hier sahen wir dann auch unsere erste Tempokontrolle, einen Polizisten, der auf einem Campinghocker neben der Straße saß und mit einer Art Kamera auf der Schulter die Fahrzeuge anvisierte.

Hinter Eidfjord kamen wieder ein paar Tunnel. Die ersten zwei waren harmlos, aber die nächsten hatten es wirklich in sich, Kurven nämlich! Und das Navi, das in einem Tunnel kein Signal mehr bekommt und dann annimmt, man würde mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiterfahren, zeigte mir plötzlich eine Kreuzung an. Das stimmte natürlich nicht, die Straße schraubte sich nur im Berg in die Höhe, im Prinzip überquerten wir unsere alte Bahn, halt nicht auf einer Brücke, sondern in einem Röhrensystem wie bei der Wasserrutsche im Erlebnisbad.

richtig kalt Nach Besichtigung des Vøringsfossen ging es weiter nach oben, und es wurde jetzt richtig kalt. Hier am Rande der Hardangervidda herrschte noch richtig Winter mit Schneeresten, zugefrorenen Seen und 3 Grad auf meinem Bordthermometer. Hier zogen wir uns schnell die Regensachen über, obwohl es trocken war, brrr. Erst etwa 10 km vor Geilo ging es wieder runter in wärmere Gefilde. Da machten wir dann auch erstmal Mittagspause in einem Kro, um uns aufzuwärmen.

Wir folgten dann der 7 noch bis Gol, um dort auf die 51 abzubiegen. Da ging es wieder rauf aufs Fjell, aber diesmal nicht ganz so hoch. Hier wuchsen immer noch ein paar Bäume, und es wurde auch nur 8 Grad kalt. Dafür bekamen wir unterwegs einen Hagelschauer mit erbsengroßen Körnern ab.

In Leira mieteten wir für 340 NOK eine schöne Hütte im Strandheim Hyttetun & Camping. In der Rezeption gab es wieder nur Malz- und alkoholfreies Bier, aber nicht weit weg sollte ein Supermarkt sein, der bis 2200 Uhr offen hat. Da machten wir dann nach dem Abendessen noch einen kleinen Spaziergang hin und konnten so auch gleich unsere anderen Vorräte wieder auffüllen. Jedoch die Dame an der Kasse nahm den Sechserpack Bier vom Laufband, stellte ihn hinter sich und erklärte uns, sie dürfe nach 2000 Uhr kein Bier mehr verkaufen. Ulrike war etwas verärgert, weil sie sich bevormundet fühlte, und auch ich verstand es nicht wirklich: Natürlich werden die sich die alkoholsüchtigen Einheimischen dann eben rechtzeitig bevorraten, nur wir unwissenden Touristen bekommen einen nicht unbedingt positiven Eindruck von diesem Land...

Tagesstrecke: 228 km, km 32879

Do, 12.06.2008

Da es hier oben jetzt schon abends immer ungewohnt lange hell war, kamen wir immer erst sehr spät ins Bett und folglich morgens auch spät los. So auch heute. Und unser Aufbruch wurde zusätzlich noch dadurch verzögert, dass sich mehrere Eichhörnchen direkt vor der Hütte die Bäume rauf- und runterjagten, was wir natürlich nett und spannend fanden und darüber das Packen eine Weile lang stark vernachlässigten.

noch kälter In Ulnes sollte es laut Reiseführer eine schöne Kirche geben, die war aber erstens keine Stab-, sondern eine Steinkirche, und zweitens geschlossen. Auch die in derselben Quelle genannten Steine in Beitostølen konnten wir nicht finden. Also ging es weiter, und für das Auge gab es "nur" schöne Landschaften, wie ja bisher auch schon die ganze Zeit. Bald ging es wieder nach oben, es wurde wieder immer kälter, und neben der Straße lag bald noch Schnee. Als uns dann noch ein Monsterschneepflug mit Schneeketten auf den mannsgroßen Rädern entgegenkam, wurde mir doch etwas mulmig, und ich machte mich mit dem Gedanken vertraut, eventuell wieder umkehren zu müssen. Aber das war nicht nötig, die Straße selbst blieb schneefrei und trocken. Aber verdammt kalt war es, mein Bordthermometer zeigte 3 °C an, und das ging ganz schön lange so. Auf der Straße Nr. 15 erwischten wir einen Schauer (zum Glück in tieferen Regionen, somit nur als Regen), vor dem wir uns in einen Kro flüchteten, wo wir eine passable Pizza bekamen.

Die 55 führte dann aber wieder nach oben, wir konnten auf den Hängen etliche Skiläufer beobachten und kamen nun auch noch in den "Genuss" eines Schneeschauers. Auf der Abfahrt mit einigen Serpentinen überholten wir nun auch ein paar "Trockenski"-Läufer, deren Skier Rollen hatten und die damit auf der Straße unterwegs waren.

Auf dem Campingplatz Dalsøren in Luster bekamen wir von einem weiteren Bediensteten aus Polen eine Hütte für 300 NOK vermietet.

Tagesstrecke: 268 km, km 33147

Fr, 13.06.2008

Beim Aufstehen um 900 Uhr gab es leichten Nieselregen, weshalb wir in Ruhe frühstückten, uns auch beim Packen Zeit ließen und erst um 1115 Uhr losfuhren. Zuerst am Lustrafjord entlang Richtung Südwest, dann wieder hoch in Schnee und Kälte, auf der anderen Seite wieder herunter, immer mal wieder von leichtem Niesel begleitet.

die Stahleimer Serpentinen In Stavorn fanden wir einen Hinweis, anhand dessen wir vermuteten, dass die Kirche, die Ulrike für gestern aus dem Reiseführer herausgesucht hatte, möglicherweise hier nach einer kleinen Fährfahrt über den Fjord in Urnes (nicht Ulnes) zu finden gewesen wäre. Heute war uns aber nicht nach Besichtigung zumute, wir folgten statt dessen weiter der 55 und nahmen die Fähre von Hella nach Vangsnes, von wo aus wir weiter nach Süden fuhren. Da wollten wir nämlich einen kleinen Abstecher auf die E16 machen und uns eine berühmte Strecke angucken: Die Stalheimer Serpentinen! Die waren jedoch nicht ganz leicht zu finden. Da musste man nämlich hinter dem Oppheimsvatnet bald links abbiegen auf die alte Strecke, noch vor den Tunneln, die dort später gebaut wurden. Da wir das natürlich nicht so genau überblicken konnten, fuhren wir zuerst einmal durch die (durchaus nicht uninteressanten, weil recht kurvigen) Tunnel, um am anderen Ende wieder umzukehren. Die eigentliche Serpentinenstrecke war sehr anspruchsvoll, weil ganz schmal und mit sehr engen Kehren ausgestattet. Und in einer solchen kam uns auch noch ein kleines Wohnmobil entgegen. Da konnte man schon verstehen, dass die Norweger im Sinne eines besseren Verkehrsflusses hier einen Tunnel angelegt haben. Aber für uns galt ja der Spruch: "Der Weg ist das Ziel", wir wollten nicht möglichst schnell irgendwohin, sondern uns die schöne Landschaft angucken und fahrtechnisch auch ein kleines bisschen gefordert werden.

Im weiteren Verlauf der Strecke kamen dann ein paar richtig lange Tunnel, die man anscheinend nicht mehr irgendwie umfahren konnte, deshalb sind wir wieder umgekehrt. Das hatte immerhin den Charme, dieses tolle Geschlängel noch einmal fahren zu können.

In Oppheim fuhren wir wieder durch eine Tempokontrolle, die aber dank des vor der Reise gefassten Vorsatzes für uns folgenlos blieb. Weiter ging es am Hardangerfjord entlang, unsere müden Häupter konnten wir in einer Hütte für 300 NOK im Naf Kro & Camping hinter Norheimsund betten.

Tagesstrecke: 285 km, km 33432

Sa, 14.06.2008

Wie immer standen wir um 900 Uhr auf und kamen trotz Regens heute schon um 1100 Uhr los. Diesmal überfielen uns beim Aufpacken auch noch ganz kleine, aber fiese stechende Insekten der Art, die uns vom Paddeln an der Müritz als Gnitzen bekannt war.

Die E39 an Bergen vorbei war nicht so schön, hier war halt vieles bewohnt im Einzugsbereich der großen Stadt. Es gab auch viele Hinweise auf Maut, wir mussten aber keine bezahlen, möglicherweise betraf das nur das Stadtgebiet selber. Und auf Stadtbesichtigungen haben wir auf unseren Motorradreisen nun mal weder mit Mopped noch zu Fuß in Lederklamotten richtig Lust.

Für die Fähre von Ytre Oppedal nach Lavik bezahlten wir allerdings 2 x 55 NOK. In Vadheim bogen wir auf die 55 ab, nachdem wir kurz zuvor versucht hatten, einen Tunnel auf der alten Strecke, von der wir uns schöne Kurven und Ausblicke in die Landschaft versprachen, zu umfahren. Aber das Navi weigerte sich und sollte Recht behalten, die Trasse war nur für Fahrräder erlaubt. Das versuchten wir dann nicht nochmal und kamen später durch einen Tunnel mit 7 km Länge, wo meine Aufmerksamkeit beim Hinterherfahren lediglich von dem Spiel von Ulrikes Scheinwerferkreis auf dem unregelmäßigen Tunnelhalbkreis beansprucht wurde.

Holzkirche Nachdem wir immer mal wieder Schauer abbekommen haben und uns in Balestrand im Sjøtun Camping für 250 NOK eingemietet hatten, klarte es auf. Das nutzten wir für einen Abendspaziergang, der sich richtig lohnte, denn wir fanden im Ort eine kleine, aber sehr schöne Holzkirche, die sich eine anglikanische Gemeinde hier gebaut hatte und die wir uns auch von innen angucken konnten. Auch drinnen war alles sehr freundlich in hellem Holz eingerichtet, und ich denke, wenn man so schöne Sachen herstellen darf, muss es eine Freude sein, Zimmermann oder Tischler zu sein (man merkt, trotz meiner Schlosservergangenheit habe ich auch ein Faible für den Werkstoff Holz).

Ein Stück weiter gab es ein großes Hotel, vor dem sieben Reisebusse standen, die jeden nur irgendwie verfügbaren Parkraum belegten. Und auch auf unserem Platz trafen Touristenströme ein, bei unserer Rückkehr fanden wir je eine englische und eine dänische Motorradfahrergruppe, die gerade angekommen waren.

Tagesstrecke: 248 km, km 33680

So, 15.06.2008

Heute war mal wieder gutes Wetter! Trotzdem (oder vielleicht auch gerade weil wir das so sehr genossen) fuhren wir unsere Maschinen zur Tagestour auch erst um 1100 Uhr auf die Straße. Gleich zu Beginn stand wieder eine Fährfahrt an, für 2 x 37 NOK von Dragsvik nach Hella, wo wir vorgestern ja schon einmal gewesen waren. Diesmal bekamen wir mit, dass die Fährschiffe auch unsere vorgestrige Route mit bedienten und also im Dreieck fuhren. Deshalb mussten einige Autos die Fähre verlassen, wenden und umgekehrt wieder herauffahren, was wir am Freitag auch schon beobachtet hatten, uns dieses sonderbare Verhalten aber bislang nicht erklären konnten.

Der GletscherMaut-Ticket In Sogndalsfjøra bogen wir links ab auf die 5, was uns im weiteren Verlauf 2 x 75 NOK Maut kosten sollte. Aber wir wollten das Gletschermuseum in Fjærland besuchen, das mitten an der Mautstrecke lag, und das war den Besuch (und auch den Eintritt von 110 NOK pro Person) wirklich wert. Das Thema wurde sehr vielfältig und anschaulich, oft mit kleinen Experimenten zum Anfassen, nahe gebracht, und es gab einen Breitbildfilm mit grandiosen Aufnahmen der Gletscherlandschaft aus dem Hubschrauber heraus.

Ganz in der Nähe - eigentlich heißt der Ort Mundal - gab es einen Ort voller Antiquariate, an dem ich natürlich nicht vorbeikonnte. Beinahe jedes Haus im Zentrum beherbergte einen Buchladen. Meistens waren die natürlich auf Norwegisch, aber in den Ländern Skandinaviens gibt es deutlich häufiger fremdsprachliche Bücher als bei uns. Und tatsächlich fand ich auch je ein interessantes Werk in dänischer und französischer Sprache für mich.

Nach dieser ausgiebigen Kultureinlage ging es wieder ab auf die Straße. Der Verlauf der Straßen 5 und E39 war wunderschön, was sich auf der 13 fortsetzte. Die Route war angenehm leer, wir kamen an traumhaften Wasserfällen vorbei und hatten eine tolle Serpentinenabfahrt, die wir bei der Weiterfahrt in umgekehrter Richtung noch einmal wiederholen wollten. Lediglich einen kleinen unschönen Zwischenfall gab es, als ein schwedischer Reisebus ein Schaf touchierte, das ihm plötzlich vor die Stoßstange hüpfte. Aber der Bus war dabei überhaupt nicht schnell (das wiederum zu unserem Leidwesen), so dass dem Tier außer einem blauen Fleck vermutlich nichts passiert sein dürfte.

Zurück in Balestrand versuchten wir noch, einen Kajakverleih ausfindig zu machen, aber vergebens. Wir hätten ja zwischendurch gerne mal einen beschaulichen Paddeltag auf dem Fjord eingelegt. Aber so würden wir dann eben schon morgen wieder weiterfahren.

In der Nachbarhütte auf unserem Platz waren inzwischen zwei Motorradfahrerinnen angekommen, die es sich in ihren Schlafsäcken auf der Veranda bequem gemacht hatten. Die Unterhaltung fand ich ziemlich anstrengend, denn es ist schon ein Unterschied, ob man mit jemandem, der an Ausländer gewohnt ist, über die Miete einer Hütte verhandelt, oder mit Leuten, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, über alles mögliche andere spricht. Bald bekam ich von den beiden auch noch "echt norwegischen" Schnaps angeboten, aber vor dem Abendessen hätte der wohl ganz schnell meine restlichen Sprachfähigkeiten auch noch gekillt. Und letztlich schienen sie es auch nicht schlimm zu finden, dass ich ihnen nichts davon weggetrunken habe.

Tagesstrecke: 239 km, km 33929

Mo, 16.06.2008

Heute kamen wir etwas früher los als gestern, obwohl wir diesmal wieder alles zusammenpacken mussten, weil wir wieder weiterziehen wollten. Das Wetter war zunächst noch gut, aber die 13 führte uns recht bald hoch auf's Fjäll, und da ging es wieder los mit Regen. Wir bogen ab auf die E39, die Intensität des Niederschlages steigerte sich, um bei Klakegg in Hagel überzugehen. Da wurde dann in Byrkjelo eine Mittags- und Trocknungspause eingelegt und bei der Gelegenheit auch gleich eingekauft, und wir konnten die große Straße wieder verlassen und auf der 60 weiterfahren. Das ging wieder einmal schön an einem Fjord entlang, dann in Stryn bogen wir noch einmal rechts ab in ein sehr schönes Tal, unten mit recht ebener Sohle, aber zu beiden Seiten steilen Felswänden.

Den folgenden Tunnel wollten wir eigentlich auf der 258 umfahren. Diese Straße war auf unserer Karte schon nicht mehr gelb, sondern weiß eingezeichnet, und dementsprechend ging es auch sehr enge und steile Serpentinen hinauf. Vor uns fuhr ein deutsches Wohnmobil (Kennzeichen AIC) mit fast Schrittgeschwindigkeit, und es dauerte eine ganze Weile, bis wir daran endlich einigermaßen gefahrlos vorbeikonnten. Weiter oben gab es auch wieder Schnee. Hier war sogar noch reger Wintersportbetrieb. Die Skiläufer kamen die Hänge herunter bis an die Straße, wo eine Menge Autos geparkt waren, die die Läufer dann wieder zu ihren Ausgangspunkten zurückbringen sollten. Einige hatten jedoch offenbar kein eigenes Fahrzeug zur Verfügung und versuchten es statt dessen per Anhalter. Einer davon sah uns kommen und fing an, uns wild gestikulierend deutlich zu machen, er hätte doch einen Helm und wir könnten ihn deshalb ruhig mitnehmen. Sein Helm war aber mit Sicherheit nur zum Skifahren gedacht, und wir haben uns gar nicht darauf eingelassen.

Oben hinter dem "Sommerskisenter" wurde die Straße unbefestigt, und weil wir den längsten Abschnitt noch vor uns hatten und vermuteten, dass das die ganze Zeit so auf Schotter weitergehen würde, drehten wir wieder um. Immerhin konnten wir so diese anspruchsvollen Serpentinen noch einmal fahren, wenngleich ich persönlich lieber bergauf als bergab fahre.

Der Geirangerfjord Nach dem Tunnel ging es links auf die 63 nach Dalsnibba, wovon ich mir persönlich aber irgendwie mehr versprochen hatte, das war nur ein kleines Ausflugslokal oben auf der Passhöhe. Dafür ging es auf der anderen Seite ultraschön hinunter zum Geirangerfjord. Der Ort Geiranger selbst war aber sehr touristisch und voll mit Reisebussen, die uns aber zum Glück nicht den Weg versperrten, als wir zügig auf der anderen Seite wieder hinauffuhren. Dort lockte auch ein Parkplatz mit toller Aussicht.

Auf der anderen Seite ging es bald wieder hinunter zum Norddalsfjord, hier mussten wir von Eidsdalen nach Linge eine Fähre nehmen, die pro Person 39 NOK kostete. Kurz danach fanden wir in Valldal eine Hütte für 400 NOK auf dem Elvebakken Camping. Beim Rundgang über den Platz nach dem Einrichten stellten wir fest, dass es anscheinend auch in Norwegen Dauercamper gibt, die meinten, sich statt Vorzelt eine Hütte zimmern und ihre Parzellen mit Holzzäunen einfrieden zu müssen. Während wir darüber noch unsere Köpfe schüttelten, ging es wieder los mit neuen Regenschauern. Vor denen konnten wir aber jetzt unter das Dach einer schönen großen Hütte flüchten und dort unser Abendessen in Ruhe genießen.

Tagesstrecke: 341 km, km 34270

Di, 17.06.2008

Heute führte uns Ulrike zu einer Tagestour über die Halbinsel Haram. Zuerst ein Stück zurück nach Linge, dann die 650 hoch und recht ab auf die E39. Hier bekamen wir wieder mal kräftig Wasser auf's Haupt, das hatten wir ja schon lange nicht mehr. Kurz vor der Fähre nach Molde bogen wir links ab auf die 661, um darauf an der Nordküste der Halbinsel entlangzufahren. Das war schon mal sehr schön, zumal das Wetter sich auch wieder etwas besserte. In Ellingsgård kamen wir an einer großen Aker-Werft vorbei, davor lag ein Bohrinselversorger, solche Schiffe bekommt man ja zuhause in Hamburg nie zu sehen. Weiter ging es ganz außen herum auf der 659, die in die 146 überging. Hinter Hamnsund kam eine sehr schöne Dünenlandschaft, wie Ulrike sie so liebt. Später folgte noch eine mautpflichtige Brücke, die aber für Motorräder wieder mal umsonst war.

BierkennzeichnungRecht früh für unsere Verhältnisse kamen wir wieder zurück und verbrachten noch einen ganz ruhigen Abend. Inzwischen hatten wir uns natürlich auch längst mal "richtiges" Bier besorgt. Interessant fand ich die hiesige Art der Verbraucherinformation: Auf dem Karton des Sixpacks befand sich eine Kennzeichnung mit drei Symbolen für die Kategorien "Süße", "Fruchtigheit" und "Bitterkeit", anhand derer man den Geschmack sicher ganz gut einschätzen kann.

Tagesstrecke: 227 km, km 34497

Mi, 18.06.2008

Im Kraftwerksmuseum Zu Beginn des heutigen Tages stand mal wieder etwas Kultur auf dem Programm, nämlich das Kraftwerksmuseum in Tafjord. Hier war ein Kraftwerk aus dem Jahr 1923 zu besichtigen, was nicht einmal Eintritt kostete. Dafür kostete es uns auch nur einen kurzen Blick nach draußen, um uns für die Weiterfahrt für das Anziehen der Regensachen zu entscheiden. So ging es etwas ungemütlich den Trollstig (die Endung "-en" im Wort "Trollstigen" ist der bestimmte Artikel: "Der Troll-Stieg") hoch. Von dem feuchten Wetter ließen sich die Trolle jedoch nicht abschrecken, unser Navi zu verwirren, dauernd wurden wir unterwegs zum Wenden aufgefordert. Wahrscheinlich war es aber eher so, dass hier die Serpentinen in der Projektion auf die Ebene zu dicht beieinander lagen und die Software deshalb immer wieder angenommen hatte, wir würden in die verkehrte Richtung fahren.

Trollstigen Oben auf der Höhe machten wir Mittag im Schnellrestaurant, und der Regen hörte auf. Weiter ging es auf der 64 und 660 sehr schön entlang des Talfjordes. In Eresfjord bekamen wir eine sehr kleine Hütte, die aber schön und gemütlich war und auch nur 250 NOK kostete. Außerdem stand hier drin der erste norwegische Tisch, der richtig stabil war und kein bisschen wackelte. In den anderen Hütten mussten wir immer sehr aufpassen, dass nichts umkippte, wenn man mal leicht mit dem Knie gegen die Tischbeine kam, das war schon auffällig.

Beim Abendspaziergang zeigte sich, dass wir in einem Erholungsort waren, es war hier nämlich erholsam ruhig (andere würden das aber vielleicht als "total verschlafenes Nest" bezeichnen...). Dafür liefen hier aber eine Unmenge Katzen herum, die aber alle eher weniger zutraulich waren. Und einen komischen Vogel gab es auch noch, der den ganzen Abend in einem Birkenbusch saß und piepte.

Tagesstrecke: 165 km, km 34662

Do, 19.06.2008

Heute durfte das Gepäck wieder ruhen. Mehr noch, nach dem Frühstück wurde erstmal Wäsche gewaschen. Dabei verbrauchten wir endlich das letzte "Rei in der Tube" von meiner Oma. Die ist 1984 gestorben und hatte einen ganzen Nachtschrank voller teilweise angebrochener Tuben davon hinterlassen. Seitdem nahm ich auf meinen Urlauben immer eine davon mit und habe sie so langsam denn doch dezimiert.

Nach Waschen und Einkaufen ging es los zu einer Runde auf die Halbinsel Fræna. Schon nach einer halben Stunde wurde es wieder feucht von oben, diesmal blieb es aber bei einigermaßen erträglichem Nieselregen. Der hielt uns nicht davon ab, die schöne Landschaft insbesondere auf dem Stück von Bud und Hustad zu genießen. Später trafen wir zwei Pferde, die wohl von irgendeiner Weide ausgekniffen waren und nun auf der Straße herumliefen. Die waren ziemlich scheu, und es war gar nicht einfach, daran vorbeizukommen, wir haben sie eine ganze Weile lang vor uns hergetrieben. Wir mochten ja, insbesondere wenn die Tiere nervös sind, nicht nicht mit hohem Tempo daran vorbeiknallen.

Zurück auf dem Platz kamen wir mit unserem Hüttennachbarn in's Gespräch. Der war auch Deutscher, kam aus Berlin und schon seit 20 Jahren immer wieder hierher. Er gehörte anscheinend zu einer ganzen Community von Leuten, die den ganzen Tag nichts anderes tun als Angeln und den Fang zu konservieren, um dann am Ende des Urlaubs mit einem bis an das erlaubte Limit mit Fisch vollgeladenem Auto wieder nach Deutschland zu fahren. So bekam ich den Verdacht, dass es kein Zufall war, dass sich gerade hier so viele Katzen aufhielten.

Dieser Vogel war auch wieder da, oder wahrscheinlich immer noch. Saß in der Birke und piepte im Sekundentakt einen Ton: üiiii, üiiii, ... Das schien uns auf Dauer fast noch langweiliger, als zu angeln. Wir haben, weil wir von Ornithologie keine Ahnung haben, das Tier den "Nordischen Monotonpieper" getauft, aber zuhause anhand der notierten Beschreibung (Körper etwa drei Fingerbreiten groß, leicht aufgerichteter Schwanz, oben hellbraun, unten hellgrau, nur an den Flügelrändern leicht dunkler als sonst) in einem Vogelbestimmungsbuch nachgeguckt: Es handelte sich bei diesem Vogel um einen Zilpzalp. Dessen Gesang, eine monotone Folge wie "zalp zilp zelp zalp" war mir auch bekannt, dieser Ruf (im Buch als "einsilbig 'hüid'" beschrieben) jedoch nicht. Vermutlich rief dieses Tier die ganze Zeit seinen Partnervogel, der einer der zahlreichen Katzen zum Opfer gefallen war, die immer nur Fisch vielleicht etwas eintönig gefunden hat.

Tagesstrecke: 254 km, km 34916

Fr, 20.06.2008

Auf dem FJäll Um 700 Uhr zog es mich hinaus zur Toilette, die Sonne schien. Aber da wir, weil es hier abends einfach nicht dunkel werden wollte, im Gegensatz zu sonstigen Urlauben immer lange aufgeblieben sind, stieg ich noch einmal wieder zurück in den Schlafsack. Zum Frühstück um 930 Uhr zogen Wolken auf. Aber wir kamen um 1120 Uhr los, ohne das Regenzeug anziehen zu müssen. Sehr schön fanden wir die Straße Nr. 62 bis Øksendalsøra, aber dann folgte ein langer Tunnel, und die 70 war dann eher unspektakulär. In Oppdal nahmen wir die E6 Richtung Norden, aber die erschien uns vollends langweilig. Auf langen Abschnitten durfte man nur 60 oder 70 Stundenkilometer fahren, und wir dachten, wenn das so bis zum Nordkap weiterging, dann war es gut, dass wir uns das nicht vorgenommen hatten. Aber es war auch gut, dass wir uns vorgenommen hatten, strikt nach Tacho die Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten, auch wenn das offenbar zum Ärger der nachfolgenden Einheimischen geschah. Irgendwann nämlich verlor der hinter uns fahrende Volvofahrer die Geduld, zog im Überholverbot links 'raus und gab Gas, und prompt kam vorne ein Polizist aus dem Gebüsch gesprungen und winkte mit der Kelle!

Gleich danach in Støren verließen wir diese ungastliche Route, um auf der 30 Richtung Osten weiterzufahren. Hier wurde es auch wieder schön. Zwar wurde uns keine grandiose Landschaft geboten, aber bis Ålen folgte die Straße einem lieblichen Tal, um dann auf die Hochebene zu führen. Es wurde immer einsamer, und als wir in Røros auf die 31 Richtung Schweden abbogen, wurde das echt Zeit, eine Hütte zu suchen. Denn wir hatten eigentlich geplant, morgen nur einen kurzen Abstecher dorthin zu machen, quasi nur, um sagen zu können, auch in Schweden gewesen zu sein. Dafür wollten wir eigentlich nicht extra Geld tauschen. Das mussten wir aber auch nicht, denn wir fanden unsere Unterkunft für 450 NOK in Vauldalen kurz vor der Grenze "am Ende der Welt". Bis um kurz vor elf noch ein Wohnmobil mit Mühlheimer Kennzeichen kam, leisteten uns nur die Mücken Gesellschaft, die es hier allerdings in recht großer Menge gab. Dafür ist es aber heute wieder den ganzen Tag trocken geblieben.

Tagesstrecke: 341 km, km 35257

Sa, 21.06.2008

m,erkwürdiges Moos Der Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein, blauem Himmel mit nur ein ganz paar Wattewolken. Und Schweden begrüßte uns mit der großzügigen Erlaubnis, sagenhafte 90 Stundenkilometer fahren zu dürfen. Das gab sich aber auch bald wieder, als wir auf die 311 nach Süden abbogen, in deren ganzem Verlauf nur noch 70 km/h erlaubt waren. Die ersten 30 Kilometer schien das auch berechtigt, der Straßenbelag war hier ziemlich schlecht, und es lagen oft losgerissene Steine in den Kurven, so dass man die Landschaft nur eingeschränkt genießen konnte. Dabei gefiel uns das hier oben auf dem Fjäll durchaus, auch wenn es außer eher niedrigen Kiefern und Birken zwischen den Felsen eigentlich nur Moos zu sehen gab, das aber teilweise in ungewöhnlichen Grüntönen.

Wir kamen durch Högvålen, das als "Schwedens höchst liegende Stadt" ausgeschildert war, von dem wir aber nur ein paar im Wald verstreut liegende Holzhäuser gesehen haben. Schließlich bogen wir wieder nach Westen ab, auch wenn das bedeutete, dass wir nun auf bedrohlich aussehende finstere Wolken zufuhren. Keinen Moment zu früh wurde angehalten und das Regenzeug angezogen, dann fielen 3 bis 4 Millimeter große Hagelkörner, und die Temperatur fiel abrupt von 14 °C auf 9 °C. Erst, als das vorbei war, stiegen wir auf und fuhren weiter. In Idre konnten wir die Regensachen wieder ausziehen, und weil wir vor einem Restaurant hielten, das an der Tür ein Kreditkartensymbol zeigte, gingen wir auch hinein und aßen Pizza. Drinnen lief ein Fernseher, es wurde die Fußballbegegnung zwischen der Türkei und Kroatien übertragen.

Zurück in Norwegen fuhren wir die 26 hoch und die 30 wieder herunter, dabei bekamen wir noch mehrere Schauer ab, die sich aber diesmal auf Regen beschränkten. In Kvennan war es dann wieder Zeit für eine Hütte, die bekamen wir auf einem Campingplatz für 300 NOK. Auch hier wurde bei der Europameisterschaft mitgefiebert, auf der Rasenfläche zwischen den Hütten hatte man einen Gartenpavillon aufgebaut mit einem Fernseher auf einem Tisch und mehreren Biergartenbänken davor. Als ich auf dem Weg zur Toilette daran vorbeikam, lief gerade das Spiel Niederlande gegen Russland, und es stand 0:1.

Tagesstrecke: 304 km, km 35561

So, 22.06.2008

Da wir gestern mal früh schlafen gegangen sind, kamen wir heute auch schon um 1015 Uhr los. Bald nachdem wir auf die 3 Richtung Norden abgebogen waren, mussten wir die Regensachen herausholen, aber genauso konnten wir sie kurz nach dem Abbiegen auf die 6 Richtung Süden wieder einpacken. Am alten Kongevejen machten wir Pause, dann ging es sehr schön hoch aufs Dovrefjell und genauso schön auf der 29 wieder hinunter. Auch im weiteren Verlauf auf der 27 und 219 konnten wir gemütlich durch schöne und recht einsame Gegend fahren. Dann auf der 3 wurde es wieder voller, und es gab auch wieder einige der schon vorgestern auf den Hauptstraßen beobachteten Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und genau wie vorgestern wurden wir auch heute wieder von einem ungeduldigen Norweger, jetzt sogar mit Anhänger, genau in einer Kontrolle überholt. Diesmal hatte ich den Mann mit Messgerät auf der Schulter rechtzeitig gesehen, wäre aber aufgrund unseres "guten" (aber auf alle Fälle kasseschonenden) Vorsatzes auch sonst nicht zu schnell gewesen.

Kurz hinter Âsta nahmen wir eine Hütte für 275 NOK und hatten gerade unser Gerödel alles eingeräumt, als es wieder zu regnen anfing.

Tagesstrecke: 433 km, km 35934

Mo, 23.06.2008

Beim Frühstücken regnete es noch immer, so hielt sich die Euphorie in gewissen Grenzen und wir fuhren erst nach elf los, Bei Løten hielten wir kurz an, denn hier sollte das westliche Ende der Taiga, des größten zusammenhängenden Waldgebietes, das bis nach Sibirien reicht, sein. Aber der Wald sah ungeachtet seiner grundsätzlichen Schönheit aus wie jeder andere hier auch, und so richtig trocken war die Luft drumherum auch noch nicht wieder. In Hamar warfen wir einen kurzen Blick auf den See, aber der älteste Raddampfer im Linienbetrieb war wohl auch gerade unterwegs. Dafür sahen wir in Stange eher zufällig den Hinweis auf das Norsk Motorhistorisk Museum und nahmen das als willkommene Gelegenheit, unter ein Dach zu flüchten, während die letzten Regentropfen fielen. Das Museum war eher eine Sammlung alter Traktoren und Motoren, war in einer Scheune untergebracht und kostete 80 NOK Eintritt pro Person, aber wir fanden das durchaus sehenswert.

Und für die Weiterfahrt konnten wir das Regenzeug einpacken. Zum Ausgleich gab es auf der E6 ein Stück lang äußerst zähfließenden Verkehr aufgrund von Bauarbeiten. Dann bogen wir auf die 33 ab, die auf die andere Seeseite führte, aber kurz vor Gjøvik mussten wir auch die Regensachen wieder hervorholen. Da fahren wir dann auch nicht mehr weit, sondern nahmen uns auf dem Campingplatz Lyngstrand eine Hütte, die zwar winzig klein war, dafür aber auch nur 280 NOK kostete. Am Abendspaziergang beobachteten wir am See ein badendes Kind, uns wäre das entschieden zu kalt gewesen. Auch hier brannte am Ufer ein Feuer, was um die Mittsommerzeit üblich sein sollte und wir auch schon öfters gesehen hatten.

Tagesstrecke: 216 km, km 36150

Di, 24.06.2008

Beim Aufstehen fanden wir einen klaren Himmel vor, aber während des Frühstücks (immerhin mit lecker frischen Brötchen) zog sich das wieder zu. Trotzdem konnten wir die schöne Strecke entlang des Sees (der aber "Randsfjord" heißt) genießen. Am Südzipfel in Jevnaker konnten wir nicht nur tanken, sondern auch die Moppeds waschen, die das inzwischen nach all dem Regen auch dringend nötig hatten. Auf der anderen Seeseite fuhren wir wieder hoch, dabei kam prompt wieder schlechtes Wetter auf, das unsere Bemühungen um saubere Maschinen umgehend wieder zunichte machte. Am Ende war die Strecke gesperrt, da mussten wir wieder zurück zur Brücke Fluberg, da waren wir dann fast wieder da, wo wir heute morgen losgefahren sind. Dafür kam auf der 33 wieder die Sonne zum Vorschein. Außerdem fanden wir eine sehr schöne Abkürzung mit Serpentinen nach Bagn. Auch die weitere Strecke im Tal auf der E16 gefiel uns sehr.

So langsam war es schon wieder Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Zuerst versuchten wir es an einem Hüttenplatz, der nicht nur ohne Aufsicht war, sondern auch noch mit sehr bescheidenen Plumpsklos ausgestattet war. Daneben gab es zwar einen Campingplatz mit Hüttensymbol, aber keine Hütten. In Sørum fanden wir schließlich für 200 NOK eine günstige Hütte, wo wir zudem noch ganz alleine auf dem Platz waren.

Abends war es draußen ungemütlich windig, aber der Himmel war inzwischen wieder fast klar.

Tagesstrecke: 253 km, km 36403

Mi, 25.06.2008

Stabkirche Strahlend blauer Himmel begrüßte uns an diesem Morgen, aber der Wind pfiff immer noch recht unangenehm. Draußen flitzten die Schwalben um die Hütte. Das und der Wind waren offenbar hinreichend gute Gründe für die Mücken, sich lieber drinnen bei uns aufzuhalten. Vielleicht sollten wir uns ein Schwalbenpärchen einfangen und dressieren, die Tiere würden dann tagsüber neben unseren Motorrädern herfliegen und abends in der jeweiligen Hütte mit den Insekten aufräumen.

Um 1130 Uhr brachen wir auf, zuerst ein Stück die E16 wieder zurück, dann links ab nach Hedalen. Hier gab es wieder mal eine schöne alte Stabkirche zu besichtigen, diesmal sogar mit Führung. Die war interessant nicht nur wegen der drei verschiedenen Bauabschnitte, sondern auch, weil diese Kirche während der Pestzeit verlassen und erst lange Zeit später durch Jäger zufällig wiedergefunden worden war.

Selbstbedienungs-Mautstelle Weiter ging es auf ganz kleiner Straße, die nachher nur noch geschottert war, aber trotzdem Maut kosten sollte. Das fanden wir etwas unangemessen, allerdings standen auch hier wieder keine Preise für Motorräder dran. An dieser Stelle gab es auch keinen Automaten, sondern einen Holzkasten, worin sich ein Block befand. Da musste man sich seine Quittung selbst ausfüllen und einen Durchschlag davon zusammen mit dem Betrag in einen Geldschlitz werfen. Zur Sicherheit füllte ich also auch für uns einen Beleg über 2 x 0,00 NOK aus, und wir guckten, wie denn hier in Norwegen kostenpflichtige Schotterstraßen aussehen. Und das war gar nicht mal ganz schlecht. Auf dem Gravel konnte man tatsächlich einigermaßen gut fahren, und die Landschaft war wie so oft hier durchaus sehenswert. Es ging erst ein Stück über eine Hochebene, dann hinunter nach Nesbyen und auf der anderen Seite im Verlauf eines Tales wieder hoch. Dort kam dann wieder Asphalt, aber nicht minder schöne Gegend. Auch der weitere Verlauf der 40 gefiel uns sehr. Oben auf dem Fjell lag trotz mehr als 1.100 Metern Höhe kein Schnee mehr. Es folgte ein weiteres sehr schönes Tal, bevor wir in Flesberg für 400 NOK eine Hütte nahmen. Hier hätten wir unsere dressierten Schwalben sehr gut gebrauchen können, ich musste mehrmals in der Nacht hoch und auf Mückenjagd gehen.

Tagesstrecke: 228 km, km 36631

Do, 26.06.2008

Die letzte Mücke habe ich erst unmittelbar vor dem Aufstehen zu fassen gekriegt. Um 730 Uhr war der Himmel noch bedeckt, um 930 Uhr hingegen war es klar wie bestellt.

Zunächst folgten wir der 40 bis Larvik, dann der E16 Richtung Kristiansand. Aber wo immer es ging, sind wir auf die kleinen Straßen zur Küste abgebogen, und wir haben eine Menge schöner Stellen dabei entdecken können. Auf dem Røed Camping (an der 416 Richtung Risør) fanden wir eine Hütte für 300 NOK. Gestern und heute gab es keinen einzigen Tropfen Regen, aber die Schwalben flogen heute Abend ganz tief über den Rasen.

Tagesstrecke: 274 km, km 36905

Fr, 27.06.2008

Eisengießereimuseum Eintrittskarte Um 400 Uhr musste ich mal kurz 'raus, da war es noch trocken gewesen, um 930 Uhr regnete es. So wurde um 1100 Uhr gleich mit Regenzeug losgefahren. Immerhin mussten wir jetzt nicht noch ein quatschnasses Zelt abbauen und einpacken, das freute uns bei diesen Verhältnissen immer wieder. Aber die Fahrt über kleinere Straßen war für uns kein Genuss, weil irgendwann die Visiere anfingen, von innen zu beschlagen. Als wir dann einen Hinweis auf das Næs Jernverksmuseum sahen, beschlossen wir, mal wieder eine Kultureinlage einzuschieben. Die fanden wir auch hochinteressant und lohnend, handelte es sich dabei doch um eine alte Eisengießerei, die in sehr archaischer Form noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts betrieben wurde. Es gab sogar eine englischsprachige Führung, aber die anderen Teilnehmer waren alle Norweger, und wenn jemand von denen eine Frage stellte, wurde doch Norwegisch gesprochen, und ich hatte Mühe, zu folgen. Im Museumsshop wurden schöne gusseiserne Dinge verkauft, aber ein Transport im Motorradkoffer hätte sich allenfalls für Kleinigkeiten bewerkstelligen lassen, und auch die erschienen mir schon recht teuer.

Schließlich hatte der Museumsbesuch auch den Zweck erfüllt, den Regen vorüberziehen zu lassen, und es ging trocken weiter, zunächst jedenfalls. Vor Bloksted mussten wir die Regensachen nämlich schon wieder kurz herausholen, aber auf der 42 hörte das wieder auf. Die 260 war ultrafrisch neu geteert, ich hatte das Gefühl, auf einer ganz weichen Asphaltdecke geradezu dahinzuschweben. Das änderte sich schlagartig nach der Abzweigung der 36, hier waren Lehm und Krümel auf die Fahrbahn geschwemmt worden, da musste man höllisch aufpassen.

Nun folgten wir der 41 auf Kristiansand zu, und so langsam wurde es auch wieder Zeit für die abendliche Hüttensuche. Doch der Campingplatz kurz vor Kristiansand wollte 915 NOK für eine Hütte haben. Das war uns entschieden zu viel, also fuhren wir weiter. Doch andernorts erging uns das nicht besser, denn der Campingplatz Skottevik verlangte über 1000 NOK. Auch auf dem Campingplatz Tingsaker in Lillesand war die aufgerufene Summe vierstellig, dass wir dafür eine Sechspersonenhütte mit Wohnzimmer und moderner Einbauküche bekommen hätten, machte die Sache nicht besser, soviel Geld wollten wir einfach nicht ausgeben. Immerhin nannte man mir hier noch einen weiteren Platz in der Nähe (Trydal), wo wir schließlich für 600 NOK keine Hütte, aber Räume im Souterrain eines großen Wohnhauses bekamen. Und hier schien jetzt auch wieder die Sonne. Bei einem kurzen Abendspaziergang trafen wir einen Berliner, der meinte, uns über den aktuellen Stand der Europameisterschaft aufklären zu müssen: Am Sonntag Endspiel Deutschland gegen Spanien.

Tagesstrecke: 194 km, km 37099

Sa, 28.06.2008

Als wir gerade mit dem Frühstück fertig waren und mit dem Packen angefangen hatten, kam die Besitzerin herunter und machte Stress. Sie verlangte von uns, zu putzen und zu wischen, und zwar sofort. Zum einen fanden wir den Umfang der verlangten Arbeiten nicht ganz angemessen für nur eine Übernachtung, zum anderen störte uns, dass sie uns immer wieder dazwischenfunkte, während wir noch beim Packen waren, da gerieten wir tatsächlich etwas in Streit miteinander. Immerhin funktionierte das in ganz gutem Englisch, so dass auch Ulrike ihr die Meinung sagen konnte. Bei all dem Trouble kamen wir erst um 1130 Uhr los mit dem Vorsatz, in Zukunft wieder nur konventionelle Hütten zu nehmen.

In der Nähe war die Werft Bredalsholmen, die man besichtigen können sollte, aber das ging laut Schild am Tor nur Sonntags von 1200 bis 1600 Uhr oder nach Absprache. Also ging es unverrichteter Dinge weiter auf ganz kleinen Straßen, immer wieder mit dem Versuch, einen Blick auf das Meer zu werfen. In der Marina von Tregde machten wir Pause bei einem Imbiss, wo man mit Blick auf Hafen und Sund schön sitzen konnte. Hier schnackte ich eine Weile mit einem Segler aus Lübeck, der von dort mit seinem Schiff hergesegelt war und den ganzen Sommer auf diese Weile verbringen wollte, als Rentner konnte er sich das zeitlich leisten.

Hinter Høllen traf jetzt Ulrike, die heute dran war mit dem Vorausfahren, die unbefestigte Straße. Das ging teilweise ganz schön steil aufwärts, immerhin konnte sie diesmal nicht mit mir darüber schimpfen. Und die Straße Nr. 43 sollte Maut kosten, erwies sich aber für Motorräder als umsonst.

Getreu unserem Vorsatz von heute morgen fuhren wir nun einen Campingplatz an, nämlich den Lomesanden Familie Camping hinter Farsund. Der war so schön in Dünen am Strand gelegen, dass wir gleich zwei Nächte buchten (für 470 NOK pro Nacht). Beim Abendessen besuchte uns ein Buchfink, der frech war wie ein Spatz und offenbar voller Hoffnung, ein paar Krümel abzubekommen. Danach gingen wir lange am Strand spazieren, und die Norweger machten an einer Stelle ein großes Feuer, wo viele, wenn nicht alle Hütten- und Wohnwagenbewohner zusammenkamen.

Tagesstrecke: 170 km, km 37269

So, 29.06.2008

Gestern war richtig schönes Wetter, heute war der Himmel wieder vollständig bedeckt, und manchmal fielen leichte Regentropfen. Trotzdem rangen wir uns gegen 1130 Uhr zu einer Tagestour durch. An der 465 gab es wieder den Hinweis "für LKW nicht geeignet", aber diesmal gab es keinen Schotter. Die Route war nur sehr schmal, aber auch sehr schön, und bis hinter Kvinesdal blieb es auch trocken. Weil es aber ungemütlicher wurde, kehrten wir zum Mittag in einem Kro in Tonstad ein. Das half aber diesmal nichts, der Regen wurde mehr. Trotzdem fuhren wir noch die 42 zu Ende und weiter auf der E39, wo wir von zwei Moppeds mit Hamburger Kennzeichen überholt wurden. Hinter Fedafjord schließlich ließ der Regen wieder nach.

Der große Vorteil an Hüttenferien ist, dass man seine Sachen nach so einer Tour zum Trocknen aufhängen kann, oft draußen unter einer kleinen Veranda. Das taten wir also hier nun auch wieder. Da wir nun nichts weiter vorhatten und es zum Spazierengehen zu ungemütlich war, beschlossen wir, uns ausnahmsweise das Endspiel anzugucken. Hier gab es nämlich bei der Rezeption einen Fernsehraum. Geschickterweise war dieser mit einer leistungsfähigen Lüftungsanlage ausgestattet, und die war dann auch entsprechend laut. So laut, dass man den Moderator gar nicht verstehen konnte (also rein akustisch, er sprach ja zudem auch noch Norwegisch). Das dauerte eine ganze Weile, bis wir herausfanden, wo man diese Anlage abschalten konnte. Dann konnte es losgehen. Die Resonanz war nicht besonders, da war noch eine Familie aus Solingen und zwei bis drei Einzelpersonen, die nicht alle Deutsche waren. Aber auch keine Spanier, denn das hätten wir gemerkt, nachdem das Spiel mit 0:1 verloren wurde.

Tagesstrecke: 255 km, km 37524

Mo, 30.06.2008

Auf diesem Campingplatz gab es heute (Werktag) sogar frische Brötchen. Obwohl wir so ausgiebig gefrühstückt hatten und man bei einem längeren Aufenthalt ja dazu neigt, sich mehr auszubreiten als nur für eine Nacht, kamen wir heute schon um 1030 Uhr los. Wir nahmen wieder die 43 in dem Wissen, dass diese für uns Motorradfahrer ja keine Maut kostet. War der Himmel am Morgen noch bewölkt mit blauen Abschnitten, mussten wir auf der 460 schon wieder die Regensachen herausholen. Weiter ging es mit der 42 und der 9, erst an einigen schönen Seen entlang, dass wieder mal hoch aufs Fjell. Bei 11 °C waren wir über die Regenklamotten fast froh. Auf der anderen Seite ging es schön steil hinunter nach Haukeligrend, dann nahmen wir die E134. Im Laufe dieser Strecke fanden wir dann einen kleinen Hüttenplatz ohne ständige Besetzung, dort sollte die (kleine) Hütte allerdings auch nur 250 NOK kosten.

Tagesstrecke: 297 km, km 37819

Di, 01.07.2008

Nun brach der letzte Norwegen-Tag an. Zur Eingewöhnung an die Nach-Urlaubs-Zeit hatten wir uns heute mal einen Wecker gestellt. Dazu nutzen wir übrigens immer die entsprechende Funktion des Mobiltelefons, das sind dann auch die einzigen Gelegenheiten, bei denen wir es merken, wenn jemand meint, uns im Urlaub kontaktieren zu wollen. Denn um uns in Notfällen zusammentelefonieren zu können, reicht es aus, die Geräte einzuschalten, wenn wir uns wider Erwarten mal verloren haben.

Richtig früh um 930 Uhr brachen wir also auf, und die Regensachen konnten heute auch wieder in den Koffern bleiben. Bei Åmot schien es, als wollte uns das Navi in die Irre führen, aber ich hatte nur eine falsche Route geladen. Weil wir bis zur Abfahrt der Fähre noch jede Menge Zeit hatten, baute ich bei der Gelegenheit noch einen kleinen Kringel um den Tinnsjø ein. Dann ging es auf der großen Straße alles andere als aufregend nach Oslo hinein. Hier nahmen wir auch noch einen Stau im Tunnel mit. Aber unsere rechtzeitige Ankunft im Fährhafen war zu keiner Zeit in Gefahr.

Diesmal fanden sich einige Motorradfahrer hier zusammen, aber so konnte man die Wartezeit schön mit einem netten Klönschnack überbrücken. Der Fahrer einer Pan European zum Beispiel wollte zu einem internationalen Treffen nach Athen fahren. Nun, genau für solche Reisen ist sein Motorrad schließlich auch gebaut worden. Interessant war auch eine BMW-Tourenmaschine, die einen kleinen einrädrigen Gepäckanhänger hinter sich herzog.

Tagesstrecke: 336 km, km 38155

Mi, 02.07.2008

Die Überfahrt verlief wieder mal ruhig und ereignislos, und um 800 Uhr morgens rollten wir in Frederikshavn an Land. Bei 25 °C und heiterem Himmel fuhren wir gemütlich auf der Landstraße parallel zur Autobahn nach Süden. Schließlich hatten wir den ganzen Tag Zeit. Als sehr angenehm empfanden wir die ockerfarbenen Felder, hatten wir doch viele Tage lang nur grüne Wälder und graue Felsen zu sehen bekommen.

In Kolding wurde Pause gemacht, und nebenbei deckte ich mich noch mit etwas dänischsprachigem Lesestoff ein. Dann ging es weiter nach Deutschland, wo uns in der Nähe der Grenze fast der Schlag traf: Plötzlich zeigte mein Bordthermometer 35 °C Lufttemperatur an, es war wieder Sommer!

Tagesstrecke: 523 km, km 38678

Gesamtstrecke 7597 km, davon 6530 km in Norwegen.

Nachspiel

Am Vorabend der Fahrt hatten wir schon einmal begonnen, unsere Sachen zu packen, zumindest solange, bis die Gäste zum Doppelkopf kämen. Als diese dann kamen, informierte ich Ulrike noch schnell darüber, dass ich die Kleiderbügel, auf denen unsere Schlafsäcke gehangen hatten, soeben an einer Stelle deponiert hatte, wo sonst gewisse andere Sachen lagern, die wir jetzt schon eingepackt hatten. Mit dieser Information konnten unsere Gäste natürlich nichts anfangen, das war aber ja auch gar nicht nötig. Aber als ich nach der Rückkehr wieder bei Netbiker anmeldete, bekam ich bald eine Mail mit der Frage: "Na, weißt Du noch, wo die Bügel sind? Aber ich, hihi." Aber auch ich hatte es nicht vergessen, die Schlafsäcke hingen schon wieder auf ihren Bügeln im Keller.

Literatur und Karten

[1] Straßenkarte Norwegen 1:800.000, Hallwag International, ISBN 978-3-8283-0578-6

[2] Broschüre zum Nordsjøvegen, www.nordsjovegen.no

[3] Reiseführer (Tut mir leid, ich habe ihn zusammen mit dem nächsten Buch weiterverschenkt, ohne mir zu merken, welcher es gewesen ist)

[4] Drolshagen, Ebba D.: "Gebrauchsanweisung für Norwegen", Piper Verlag, 4. Auflage 2007, ISBN: 978-3492275583


zugehörige Bildergalerie Inhaltsverzeichnis